Infografik der Woche Wo die meisten Schleuser gefasst wurden

Die EU-Staaten wollen stärker gegen Schleuser vorgehen. Unsere Infografik der Woche zeigt, wie viele Verdächtige an welchen Grenzen gefasst wurden - und woher sie kamen.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Fast 800 Menschen sitzen derzeit in Bayern in Untersuchungshaft, weil ihnen vorgeworfen wird, Flüchtlinge illegal über die Grenze gebracht zu haben. Insgesamt haben deutsche Behörden von Januar bis September 2653 mutmaßliche Schleuser registriert. Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, wurden die meisten von ihnen an der Grenze zu Österreich aufgegriffen.

Die Zahlen gehen aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage hervor, die von den Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte und Martina Renner, sowie weiterer Mitglieder der Bundestagsfraktion der Linken gestellt wurde. Demnach wurden in diesem Jahr fast doppelt so viele Tatverdächtige festgestellt wie zwischen Januar und September 2014. Im laufenden Jahr verzeichneten die Behörden die meisten Fälle im Juli. Im September, mit zum Teil verstärkten Grenzkontrollen, waren es 417 Fälle.

Tatsächlich wurden an der Grenze zu Österreich bislang die meisten mutmaßlichen Schleuser registriert - mit 1988 Personen rund drei von vier Verdächtigen. 306 Fälle wurden an der Grenze zu Tschechien verzeichnet, 107 an der Grenze zu Polen und mit 74 immer noch überraschend viele an der zu Belgien. Auch innerhalb der Bundesrepublik wurden einzelne Fälle verortet, darunter 29 an Flughäfen und 12 an Seehäfen.

Die Herkunft der als Schleuser verdächtigten Personen reicht weiter als das Gebiet, in dem sie aufgegriffen werden: 335 von ihnen sind Ungarn. Sie stellen vor den Rumänen (306) die größte Gruppe. Auch 238 Syrer wurden in den ersten neun Monaten des Jahres verdächtigt, in Deutschland als Schleuser aktiv zu sein und meist Landsleuten zu helfen. 135 sind Deutsche.

Unabhängig von der Nationalität will die Regierung stärker gegen Schleuser vorgehen - mit einer "verstärkten Abschreckung", um letztlich die aktuellen Flüchtlingsbewegungen steuern und organisatorisch bewältigen zu können.

Als Schleuser gilt nur, wer mehreren Flüchtlingen über die Grenze hilft oder sich dafür bezahlen lässt. Wer nur einmal einem Flüchtling bei der Einreise hilft, macht sich lediglich der Beihilfe zur illegalen Einreise schuldig - begeht also auch eine Straftat, die aber weniger schwer bestraft wird.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

Andreas Grieß (Statista)/che



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