Zahlen der Bundesländer 57.000 Minderjährige allein nach Deutschland geflüchtet

Sie sind noch nicht einmal volljährig und nehmen die gefährliche Reise allein auf sich: Fast 60.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen einem Zeitungsbericht zufolge seit Jahresbeginn nach Deutschland gekommen sein.

Junger Flüchtling in einem Aufnahmezentrum: Tausende kommen unbegleitet
REUTERS

Junger Flüchtling in einem Aufnahmezentrum: Tausende kommen unbegleitet


Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist seit August stark gestiegen. Laut einer Aufstellung der Bundesländer kamen bis zum 19. November 57.376 unbegleitete Jugendliche nach Deutschland, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Die Zahl hat sich demnach seit Ende August mehr als verdoppelt. Bis zum 31. August waren es etwa 25.000 Minderjährige, Ende Oktober schon 50.000.

Flüchtlinge unter 18 Jahren, die ohne Begleitung nach Deutschland kommen, sind ein Streitpunkt in der geplanten Asylrechtsreform der Bundesregierung. Die war ins Stocken geraten, nachdem die SPD unter anderem die Umsetzung von zwei EU-Richtlinien gefordert hatte. Sie sehen unter anderem mehr Gesundheitsschutz, mehr Beteiligungsrechte im Asylverfahren und mehr Schutz für minderjährige und traumatisierte Flüchtlinge vor.

Zunächst war in den Reformplänen auch eine Wartezeit für den Familiennachzug für minderjährige Flüchtlinge vorgesehen. Das war aus dem Referentenentwurf dann aber wieder gestrichen worden.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, kritisierte diese Änderung gegenüber der "FAZ": "Die Jugendlichen werden vorgeschickt, um die Familie nachzuholen", sagte er. Es entstünden Kosten von 25.000 Euro pro Jugendlichen und Jahr. "Schlepper nutzen dieses Hilfsinstrument und damit unsere deutsche Gesellschaft aus." Kretschmer forderte, dass der Familiennachzug ganz ausgeschlossen werden und die Familienzusammenführung zu den Eltern erfolgen müsse.

In den ersten zehn Monaten 2015 stellten rund 330.000 Menschen in Deutschland einen Asylantrag. Das sind deutlich mehr als im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Die CSU fordert deshalb eine Obergrenze für ankommende Flüchtlinge. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte dem Vorhaben auf dem CSU-Parteitag am Freitag jedoch erneut eine Absage.

Forum
Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.

lov



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.