Unbearbeitete Asylanträge Flüchtlingsamt lässt Überstunden anordnen

Dienst nach Vorschrift ist nicht mehr. Nach lauter Kritik hat das Bundesamt für Flüchtlinge eine neue Gangart angekündigt: Künftig sollen die Mitarbeiter auch am Wochenende ran.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf): Die Mitarbeiter sollen künftig Überstunden machen
DPA

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf): Die Mitarbeiter sollen künftig Überstunden machen


Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lässt seine Mitarbeiter künftig länger arbeiten. Die Behörde reagiert damit auf die Kritik am Tempo bei der Bearbeitung von Asylanträgen. "Die Referatsleiter können im Bedarfsfall die Mehrarbeit anordnen", sagte ein Sprecher der Behörde in Nürnberg und bestätigte damit Informationen des Bayerischen Rundfunks.

Bis zu 40 Stunden pro Monat müssen die Mitarbeiter gegebenenfalls künftig mehr arbeiten - und dafür auch an Samstagen zur Arbeit kommen. Dafür erhalten sie keinen Freizeitausgleich, sondern eine finanzielle Vergütung.

Die Behörde und ihr Chef Frank-Jürgen Weise waren vor allem von den Bundesländern scharf kritisiert worden. Diese forderten flexiblere Arbeitsmodelle und Überstunden. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer etwa hatte kritisiert, "Dienst von Montag bis Freitag" gehe in diesen Zeiten nicht mehr.

Der Bamf-Sprecher teilte mit, die Anordnung der Hausleitung sei aufgrund der hohen Zugänge von Asylsuchenden und der aktuellen Arbeitssituation im Bundesamt notwendig. Er verwies darauf, dass die Asyl-Abteilung in der Vergangenheit bereits ausgebaut worden sei. Im vergangenen Jahr etwa seien 20 neue Außenstellen, vier Entscheidungszentren und ein Zustellungszentrum eröffnet worden.

Anträge sollen schneller bearbeitet werden

"Ziel ist vor allem eine schnellere Bearbeitung von Asylanträgen", hieß es weiter. Die am Donnerstag bekanntgegebene Anordnung sei Teil einer Strukturreform, mit der der operative Asylbereich gestärkt werden soll. Dem BR zufolge werden dafür neue Abteilungen, Referate und Gruppen gebildet. Zudem sollen zahlreiche zusätzliche Führungspositionen geschaffen werden. Wann die neue Organisationsstruktur in Kraft tritt, ist laut Bamf noch offen.

Im vergangenen Jahr wurden fast 477.000 Asylanträge eingereicht - 135 Prozent mehr als 2014. Rund 365.000 Anträge waren zum Jahresende unbearbeitet. Das Bamf soll daher deutlich mehr Mitarbeiter erhalten.

brt/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.