Bilanz 2017 Deutlich weniger Angriffe auf Flüchtlingsheime

In fast allen Fällen waren es rechtsradikale Täter: 264-mal sind in diesem Jahr Flüchtlingsheime angegriffen worden. Im Jahr zuvor gab es noch fast 1000 solcher Straftaten.

Container-Flüchtlingsheim Berlin Marzahn
imago/ Christian Mang

Container-Flüchtlingsheim Berlin Marzahn


Gewaltdelikte, Brandstiftungen und Sprengstoffanschläge: Insgesamt 264 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte hat das Bundeskriminalamt (BKA) in diesem Jahr festgestellt. 251 der Straftaten wurden von rechtsmotivierten Tätern begangen. In den 13 übrigen Fällen könne eine politische Motivation nicht ausgeschlossen werden, teilte das BKA mit.

Damit ist die Anschlagszahl auf rund ein Viertel der Vorjahre gefallen. Im vergangenen Jahr wurden dem BKA zufolge bundesweit 995 als politisch motiviert eingestufte Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert. Im Jahr 2015 waren es 1031 Angriffe. Im Jahr 2014 - vor Beginn des starken Flüchtlingszuzugs - wurden nur 199 solcher Taten gemeldet.

In diesem Jahr konnten dem BKA zufolge Tatverdächtigte zu 54 Delikten ermittelt werden, insgesamt ging es dabei um 84 Verdächtige. Zu den registrierten Delikten zählen Propagandataten wie etwa Schmierereien (84), Sachbeschädigungen (65) und Gewalttaten (39). In 16 Fällen von Gewaltdelikten versuchten die Täter, Flüchtlingsheime in Brand zu stecken. Zweimal kam es zu Explosionen, jeweils an Neujahr: in Kraichtal in Baden-Württemberg und in Altusried in Bayern.

Ein Hauptgrund für den Rückgang dürfte die Entwicklung des Flüchtlingszuzugs sein: Inzwischen schaffen es weit weniger Flüchtlinge in die EU und nach Deutschland. Viele Notunterkünfte konnten deshalb geschlossen werden.

"Veränderungen des Klimas"

Die Bundestagsabgeordnete Petra Pau von den Linken hält den Rückgang der Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte für erfreulich, verweist aber auf eine Zunahme von Angriffen auf Asylbewerber außerhalb der Heime. In den ersten drei Monaten seien 318 Menschen angegriffen und 54 verletzt worden. Im dritten Quartal seien es schon 425 Angriffe und 76 Verletzte gewesen. "Das sagt etwas über die gesellschaftliche Stimmung aus. Übergriffe auf Flüchtlinge oder vermeintliche Flüchtlinge haben etwas mit Veränderungen des Klimas zu tun", sagt Pau.

Zu den schwerwiegendsten Anschlägen zählten 2017 Übergriffe in Kremmen in Brandenburg, in Artern in Thüringen und Neuenstein in Baden-Württemberg. In Kremmen warfen die Täter in der Nacht zu Ostersamstag Brandsätze auf ein Heim. Sicherheitspersonal konnte das Feuer vor dem Gebäude löschen. Zwei Verdächtige wurden später gefasst und kamen in Untersuchungshaft. Ihnen wird versuchter Mord, versuchte schwere Brandstiftung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

vks/dpa/AFP



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