Kinderzeichnung Polizei wehrt sich gegen Fälschungsvorwürfe

Kann ein Kind ein solches Bild malen? Skeptiker im Netz meinen: Nein, die ergreifende Zeichnung, die ein Flüchtlingskind der Polizei in Passau überreicht haben soll, sei gefälscht. Die Beamten wehren sich.

Malen gegen den Schrecken: Zeichnungen von Flüchtlingskindern in Berlin
REUTERS

Malen gegen den Schrecken: Zeichnungen von Flüchtlingskindern in Berlin


Ein Bild hat in den vergangenen Stunden Tausende Menschen bewegt: Es ist eine Zeichnung, die ein Flüchtlingskind der Bundespolizei in Passau geschenkt haben soll. Sie zeigt, wie brutal es im Heimatland des Kindes zugeht und was es sich von seinem neuen Leben in Deutschland erhofft. Seit die bayerischen Beamten das Bild fotografierten und am Freitagmorgen twitterten, wurde es in den sozialen Netzwerken Tausende Male geteilt und geliked.

Die meisten Nutzer waren bewegt, doch einige zweifelten auch an, dass die Zeichnung echt sei. "Das Bild hat niemals ein Kind gemalt", kommentierte ein Nutzer auf Facebook. Die Figuren seien gewollt kindlich gezeichnet. "Außerdem malt ein Kind kein Dach perspektivisch". Eine Nutzerin vermutete dahinter eine "propagandistische Inszenierung der Polizei".

Die Polizei wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er und zwei Kollegen von der Bundespolizeiabteilung Duderstadt hätten die Zeichnung von einem sieben bis acht Jahre alten Mädchen geschenkt bekommen, sagte der Bundespolizist Michael Piltz zu SPIEGEL ONLINE. "Wir saßen am Montagabend im Eingangsbereich der Clearing-Stelle in Passau an einem Tisch, als das Mädchen zu mir kam, mir das Bild gab und wieder wegging", sagte Piltz. Er kenne weder den Namen noch das Heimatland des Kindes.

Rene Rommel, ebenfalls Polizist, bestätigte die Geschichte auf Facebook und schrieb: "Zuvor habe ich dem Bruder des Kindes einen Papierflieger gefaltet, mit dem der Kleine gespielt hat". Die drei Kollegen aus Duderstadt seien vom 15. bis 23. September in der Clearing-Stelle in Passau im Einsatz gewesen.

Fotostrecke

8  Bilder
Geflüchtet nach Europa: Kinder der Krise

In der Registrierungsstelle für Flüchtlinge habe das Bild am Dienstag an einem Trennzaun gehangen, sagte Werner Straubinger von der Bundespolizeiabteilung Deggendorf zu SPIEGEL ONLINE. Er habe die Zeichnung bei einem Besuch fotografiert und gern mitnehmen wollen. Doch die Kollegen hätten es nicht hergegeben. "Sie sagten, sie hätten es geschenkt bekommen und es sei ihnen viel wert", sagte Straubinger.

Am Mittwoch fotografierte ein Pressesprecher des Bundespolizeidirektion München das Bild ebenfalls und teilte es auf Twitter. Seither ist es zu einem Symbol für das Leid der Flüchtlingskinder geworden, die meist traumatische Erlebnisse in ihrem Heimatland und eine wochenlange, lebensgefährliche Reise nach Europa hinter sich haben.

Ob das Mädchen das Bild allein malte, ob sie Hilfe von einem Erwachsenen bekam oder ob sie die Zeichnung eines anderen Kindes vielleicht nur überreichte, ist weiterhin unklar. Vielleicht handelt es sich bei dem kleinen Zeichner auch um einen Jungen, denn der erste Teil der Signatur unten rechts im Bild könnte Mohammed bedeuten. Dort finden sich die Buchstaben MHMD, die im Arabischen für den Vornamen Mohammed stehen.

Wie Tausende Flüchtlinge in diesen Tagen wurde die Familie des Mädchens vermutlich nach einem kurzen Aufenthalt in der Clearing-Stelle in eines der bundesweiten Aufnahmelager weitergeschickt.

lov



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.