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13. September 2015, 20:32 Uhr

Grenzkontrollen

Hundertschaften der Bundespolizei treffen in Bayern ein

Immer mehr Bundespolizisten kommen im Süden Deutschlands an. Vielen steckt noch der letzte Einsatz in den Knochen. Doch die Bundesregierung will die deutsch-österreichischen Grenzen gesichert wissen.

Nachdem die Bundesregierung temporäre Kontrollen eingeführt hat, schickt die Bundespolizei alle verfügbaren Kräfte an die deutsch-österreichsche Grenze. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden Hundertschaften aus Bad Düben nach Passau beordert. Ein Konvoi aus Hamburg wurde noch auf der Rückfahrt zum Standort nach Bayern umdirigiert. Andere Einheiten wurden per Hubschrauber nach Deggendorf verlegt.

Die Lage bedeutet für die Beamten eine erhebliche Belastung. Viele von ihnen haben einen schweren Einsatz hinter sich. Als heute mittag Polizeialarm ausgelöst wurde, hatten sie gerade seit 45 Minuten Dienstschluss.

Nachdem die Schließung der Grenzen durchgesickert war, befürchtete die Polizeiführung, die Zahl der Flüchtlinge, die sich nach Deutschland aufmacht, könnten noch einmal enorm steigen. Deshalb war die Bundesregierung bemüht, ihre Entscheidung so spät wie möglich bekannt zu geben. Um 17.30 Uhr bestätigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) dann die Maßnahme. Kurz zuvor hatte die Bundesregierung bereits den Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich in beiden Richtungen gestoppt.

Seehofer beglückwünscht sich selbst

Was die nächsten Tage bringen werden, lässt sich kaum voher sagen. Immer noch sind Zehntausende auf dem Weg von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn und weiter nach Österreich und Deutschland.

Allein am Samstag waren 12.000, am Sonntag 4500 Menschen in München angekommen. Die bayerische Landeshauptstadt klagt über eine enorme Belastung und wirft anderen Bundesländern vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte zusammen mit Ungarns umstrittenen Premier Viktor Orbàn die Schritte der Bundesregierung begrüßt. Der CSU-Chef schrieb sich die Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik auf die eigenen Fahnen. Er habe der Bundeskanzlerin "am Samstag um 13.26 Uhr" die Bitte nach Grenzkontrollen übermittelt. Bereits um 17.39 Uhr hätten die Koalitionspartner in einem Gespräch dann zugestimmt.

aul/gam/dpa/Reuters

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