Flüchtlingskrise CDU-Abgeordneter stellt Merkels Kanzlerschaft infrage

Die Kritik an Angela Merkel aus den eigenen Reihen wird lauter. Erstmals spekuliert ein CDU-Bundestagsabgeordneter offen über ein Ende ihrer Kanzlerschaft. Rückendeckung bekommt sie von Fraktionschef Kauder.

Angela Merkel: Die Kanzlerin steht in den eigenen Reihen in der Kritik
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Angela Merkel: Die Kanzlerin steht in den eigenen Reihen in der Kritik


In den vergangenen Wochen gab es für Angela Merkel viel Gegenwind aus der eigenen Partei. Nun stellt der erste Bundestagsabgeordnete der CDU in der Flüchtlingskrise Merkels Kanzlerschaft offen infrage. Klaus-Peter Willsch sagte der "Bild am Sonntag": "Wir müssen dazu kommen, Flüchtlinge an den Grenzen zurückzuweisen. Gelingt uns das nicht, werden die Bürger der Kanzlerin das Vertrauen entziehen."

Willsch berichtete von wachsender Frustration: "In der Fraktion herrscht Verzweiflung darüber, dass die Regierungsspitze nicht aufnimmt, was an sie herangetragen wird."

CDU-Politiker Volker Kauder: Der Unionsfraktionschef steht in der Flüchtlingskrise hinter Kanzlerin Merkel
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CDU-Politiker Volker Kauder: Der Unionsfraktionschef steht in der Flüchtlingskrise hinter Kanzlerin Merkel

Unionsfraktionschef Volker Kauder sieht im parteiinternen Streit den Grund für den Umfrage-Absturz von CDU/CSU und wies die Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik zurück: "Ich halte den Kurs von Angela Merkel uneingeschränkt für richtig. Deswegen stehe ich zu ihr, wie auch die Mehrheit der Fraktion." Kauder hofft, dass Merkel für eine weitere Amtszeit antritt: "Deutschland könnte wirklich froh sein, wenn Angela Merkel sagt, ich mach's noch einmal." Eine Nachfolgedebatte hält er für falsch. "Es gibt zu allem eine Alternative, das ist eine alte Lebensweisheit. Aber in vielen Fällen ist sie sehr viel schlechter. Angela Merkel ist eine herausragende Kanzlerin."

Es sei zwar richtig, wenn einzelne Abgeordnete offen ihre Ansichten äußern, so Kauder. Aber bei den vergangenen Sitzungen musste er mehrfach einschreiten: "In einer Fraktion muss eine Kritik immer fair und sachlich vorgetragen werden, besonders auch gegenüber anderen Kolleginnen und Kollegen. Darauf lege ich großen Wert und wenn dies nicht so ist, moniere ich das auch." Es gehe beispielsweise nicht, "dass von einigen gelacht wird, wenn Kolleginnen ihre Sorgen beim Thema Familiennachzug vortragen".

Von der "Lawinen"-Äußerung seines Parteifreundes Wolfgang Schäuble hat sich Kauder hingegen distanziert. Der Finanzminister hatte Flüchtlinge mit einer Lawine verglichen. "Es geht hier um Menschen", sagte Kauder der "Bild am Sonntag". "Deshalb verwende ich solche Bilder nicht - auch nicht das Wort Flüchtlingsstrom."

asc



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