Asylverfahren in Zahlen Wo die Flüchtlinge herkommen - und wie viele bleiben dürfen

Die Asyldebatte wird emotional geführt - mit Zahlen, die mal geschönt sind, mal dramatisiert. Doch wie sieht es tatsächlich aus? SPIEGEL ONLINE analysiert die aktuellen Statistiken der Bundesregierung.

Syrische Flüchtlinge in Berlin: Im August wurde über 16.769 Asylverfahren entschieden
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Syrische Flüchtlinge in Berlin: Im August wurde über 16.769 Asylverfahren entschieden


Die neuen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sind da. Demnach wurde im August über Verfahren von 16.769 Asylbewerbern entschieden, 15.338 Erst- und 1431 Folgeanträge. Im Vergleich zum Vormonat sind das 26,2 Prozent weniger Entscheidungen. Mit Blick auf den August vergangenen Jahres hat sich die Zahl von 8706 Entscheidungen jedoch um 92,6 Prozent erhöht. Insgesamt fielen 9183 Entscheide positiv aus.

Inklusive August wurden im bisherigen Berichtsjahr 2015 nach Angaben des Bamf insgesamt 152.777 Entscheidungen über Asylanträge getroffen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 94,2 Prozent.

Die Asylanträge für 2015 verteilen sich bisher so auf die Bundesländer:

Wie viele Asylsuchende in welche Bundesländer kommen, entscheidet der sogenannte Königsteiner Schlüssel, der bestimmte Quoten vorsieht, die auf Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl beruhen. (Alles, was Sie zum Königsteiner Schlüssel wissen müssen, finden Sie in unserem "Endlich verständlich" zum Thema Flüchtlinge.)

Im August wurden die meisten Entscheidungen für Syrer (6345), Albaner (3980) und Iraker (1342) getroffen. Auch aufs Jahr gerechnet, kamen die meisten Asylbewerber aus Syrien, die genauen Zahlen finden Sie hier in der Grafik:

Bislang wurden in diesem Jahr 152.777 Asylentscheidungen gefällt, davon rund 59.195 positiv. Die Asylsuchenden wurden also etwa als Flüchtling oder asylberechtigt anerkannt. Der Anteil solcher Entscheidungen wird als Gesamtschutzquote bezeichnet und lag von Januar bis August bei 38,7 Prozent. Jedoch gibt es je nach Herkunftsland deutliche Unterschiede.

Im August übertraf die Schutzquote mit 54,8 Prozent den bisherigen Jahreswert deutlich. Das heißt: Es wurden überdurchschnittlich viele Asylsuchende als Flüchtlinge oder schutzbedürftig anerkannt. Allerdings werden bei der Berechnung der Schutzquoten auch die "sonstigen Verfahrenserledigungen" berücksichtigt, also etwa Entscheidungen nach dem Dublin-Abkommen. Die um diese Fälle bereinigten Schutzquoten liegen also teilweise noch deutlich höher.

Die steigende Zahl der Flüchtlinge wirkt sich auch auf die Dauer jeder einzelnen Asylentscheidung aus: Ende Juni 2015 lagen nach Angaben der Bundesregierung rund 113.000 Asylanträge länger als sechs Monate beim Bamf, mehr als 12.000 davon waren älter als zwei Jahre. Im zweiten Quartal 2015 musste ein Asylbewerber laut Bundesregierung durchschnittlich 5,4 Monate warten, bis die Behörden über seinen Fall entschieden hatten.

Zum Antragsstau hieß es beim Bamf in der vergangenen Woche, das sei "kein guter Zustand". Nun sei die Bearbeitung der Altverfahren aus dem Jahr 2013 eine der Prioritäten des Bundesamts.

Ein Rückblick zeigt, dass die Zahlen der Neunzigerjahre noch nicht erreicht sind. Mehr als 438.000 Anträge wurden im Jahr 1992 in Deutschland gestellt. Doch noch lässt sich - im September - für das Jahr 2015 keine Gesamtzahl erfassen.

che/vek



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