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Bayerische Polizei zur Flüchtlingskrise: "Wir saufen heute ab"

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Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze: Nur noch reagieren

Zahlreiche Flüchtlinge sind am Sonntag von Österreich nach Bayern gekommen, die Polizei spricht von Überforderung. Knapp 60 Asylbewerber konnten nach Berlin gebracht werden - dort dient nun der ehemalige Flughafen Tempelhof als Notunterkunft.

Die große Zahl von Flüchtlingen an der Grenze von Österreich zu Bayern bereitet der Bundespolizei im Freistaat zunehmend Probleme. "Wir saufen heute ab", sagte Behördensprecher Frank Koller am Sonntagabend. Das Nachbarland schicke deutlich mehr Menschen als vereinbart nach Deutschland.

"Wir hatten im Laufe des Nachmittags einen erhöhten Zustrom von Migranten und hatten schnell unsere Kapazitäten ausgebucht", sagte Koller. In Simbach im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn standen am Abend knapp tausend Menschen, für die ein Nachtlager organisiert werden musste. Auch in Wegscheid im Landkreis Passau mussten die Behörden etwa tausend Menschen versorgen, in der Notunterkunft war aber nur für 250 Menschen Platz. In Passau erwartete die Polizei bis Mitternacht laut Koller weitere 20 bis 35 Busse aus Österreich.

"Das Hauptproblem ist, wenn eine große Menge an Migranten in einem kleinen Zeitfenster ankommt", sagte Koller. Die Flüchtlinge mussten am Sonntag teilweise bei Temperaturen um den Gefrierpunkt längere Zeit mit Decken im Freien verbringen. "Es sind einfach zu viele Menschen auf einen Schlag", sagte Koller. In dieser Situation könne man nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren.

Seinen Angaben zufolge konnten zahlreiche Flüchtlinge mit Bussen und Sonderzügen in andere Bundesländer gebracht werden - so sei Platz für neu ankommende Menschen in Bayern geschaffen worden. "Die Lage hat sich etwas entspannt", sagte Koller. Aber: "Wir müssen jetzt abwarten, wie sich das weitere Migrationsaufkommen und die Witterung entwickelt."

Bundeswehr-Soldaten im Tempelhof-Hangar in Berlin Zur Großansicht
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Bundeswehr-Soldaten im Tempelhof-Hangar in Berlin

Knapp 60 Menschen aus Bayern sind nach Berlin gebracht worden, sie wurden in der Notunterkunft im Hangar 1 des früheren Flughafens Tempelhof untergebracht.

Ursprünglich waren aus Bayern offenbar zwei Busse angekündigt worden. Davon kam dann aber nur einer in Berlin an: Der Fahrer des anderen Fahrzeuges sei versehentlich nach Eisenhüttenstadt in Brandenburg gefahren, hieß es am Abend von der Koordinierungsstelle Flüchtlinge. Die Erstaufnahmestelle dort habe die Menschen aufgenommen.

Brand in Flüchtlingsunterkunft in Südhessen

Im südhessischen Lampertheim musste die Feuerwehr am Sonntagabend zu einem Einsatz an einer Flüchtlingsunterkunft ausrücken: Alle 49 Bewohner konnten das Haus unverletzt verlassen, wie die Polizei mitteilte. Die Unterkunft sei vermutlich vorsätzlich in Brand gesteckt worden.

Unbekannte seien in die Büroräume einer Firma im Erdgeschoss des Gebäudes eingedrungen und hätten Inventar angezündet. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es bislang keine. Die Löscharbeiten dauerten demnach rund eine Stunde. Das Haus ist durch den Brand unbewohnbar. Die Flüchtlinge seien nun an einem anderem Ort untergebracht, hieß es.

Proteste in Sachsen

Im sächsischen Freiberg kamen am Sonntagabend 721 Flüchtlinge an - und rund 200 Polizisten waren im Einsatz, um etwa 400 Demonstranten unter Kontrolle zu halten. Zwischen ihnen und rund 50 Gegendemonstranten habe es zum Teil heftige verbale Streitereien gegeben. "Es ist aber nicht zur Eskalation gekommen", sagte ein Sprecher der Polizei.

Mit Sitzblockaden hatten die Demonstranten versucht, die Busse mit Asylbewerbern am Wegfahren zu hindern. Beim Auflösen der Blockaden durch die Polizei seien drei Beamte leicht verletzt worden. Auch hätten einige Menschen die Busse und Polizeiwagen mit Lebensmitteln beworfen. Die Flüchtlinge wurden von Freiberg nach Leipzig und Dresden gebracht.

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aar/dpa

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