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Kanzlerin in der Flüchtlingskrise: Die wahre Angela M.

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Kanzlerin Merkel, Kontrahent Seehofer: Wer will sich schon ewig verbiegen? Zur Großansicht
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Kanzlerin Merkel, Kontrahent Seehofer: Wer will sich schon ewig verbiegen?

Bemerkenswertes tut sich: In der Flüchtlingskrise zieht Angela Merkel ihre Linie gegen alle Widerstände durch - und offenbart dem Publikum damit einen Teil ihres echten politischen Denkens.

Taktikerin, Strategin, Pragmatikerin. Angela Merkel wurden in ihrer politischen Laufbahn schon viele Etiketten angeheftet - von uns Journalisten und von ihren Parteifreunden. Vor allem galt sie aber immer als die Ungefähre, als eine Frau also, die sich nicht in die Karten schauen lässt. Alles richtig - und doch wieder nicht.

Bei aller Unschärfe gab es in Merkels zehnjähriger Kanzlerschaft immer wieder diese kurzen, klaren Momente, in denen ihr politisches Denken, ihre politische Erdung offensichtlich wurden: Der Einsatz für den Klimaschutz war der gelernten Physikerin sicher stets eine Herzensangelegenheit. Die Rolle der schwäbischen Hausfrau in der Griechenlandkrise, die nie mehr ausgibt, als sie einnimmt, auch das war durch und durch Merkel - denn es passte zu ihrem bescheidenen privaten Lebensstil.

Nun ist sie die Flüchtlingskanzlerin, die empört reagiert, wenn ihr vorgehalten wird, sie lasse zu viele Flüchtlinge ins Land: "Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen müssen, uns zu entschuldigen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land." Dieser bemerkenswert emotionale Satz, kühl ausgesprochen, wird lange in Erinnerung bleiben.

Da spricht nicht die politische Taktikerin, sondern die mitfühlende Pastorentochter aus der Uckermark, eine Politikerin, die sich noch genau daran erinnert, warum ihre Partei das C im Namen trägt. Sie steht damit in einem angenehmen Gegensatz zu Horst Seehofer und seiner CSU, für die Nächstenliebe offenbar eine Tugend ist, die (mehr oder weniger) am eigenen Gartenzaun endet.

Das heißt natürlich nicht, dass es die Realpolitikerin Angela Merkel nicht mehr gibt. Auch Merkel wird in der Flüchtlingskrise Zugeständnisse machen, ihren Kurs korrigieren. Die Grenzkontrollen sind ein solches Zugeständnis. Deutschland kann nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen, das weiß auch Merkel.

Aber nun ist klar, an der Generallinie ändert sie nichts: Sie setzt ein Signal gegen dumpfe Xenophobie. Der krachlederne Konservatismus der Bayern und in Teilen ihrer eigenen Partei war Angela Merkel immer schon fremd, selten wurde das so deutlich wie in diesen Tagen. Das Amt, die zehnjährige Amtszeit, haben Merkel eindeutig verändert, sie fühlt sich so stark, so frei, dass sie ihre persönliche Meinung klarer ausspricht, auch wenn sie dafür von den eigenen Leuten verhauen wird.

Letztlich zeigt das auch, dass sie im Herbst ihrer Kanzlerschaft angekommen ist: Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Helmut Kohl, alle diese Kanzler haben zum Ende ihrer Kanzlerschaft freier gesprochen, haben sich auch immer wieder gegen den Mainstream in ihren eigenen Parteien gestellt - und damit die Entfremdung zwischen sich und den eigenen Leuten befördert.

Letztlich ist das ein menschlicher Ur-Instinkt: Wer hat schon Lust, sich ewig zu verbiegen?

Zum Autor
Christian Thiel
Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Leiter des Berliner Büros sowie Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Roland_Nelles@spiegel.de

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1. Teil 1
Det_onator 16.09.2015
Ich glaube mittlerweile an den Niedergang unseres Landes. Nachfolgend Fakten warum. Deutschland ist keineswegs das starke Land in Europa. Es ist zwar ein reiches Land, welches aber bedeutende Schwächen aufweist. 1.) bei der demografischen Entwicklung in den nächsten 20 Jahren begeht Deutschland demografischen Suizid. Dies ist geostrategisch eine Katastrophe für D. Hinzu kommt, das die sinkende Einwohnerzahl das Bruttoinlandsprodukt (BIP im Verhältnis vom pro Kopf Einkommen) und das mögliche Verteidigungspotenzial massiv zum Negativen beeinflusst. Daran hängen dann auch die deustche Wohlstandsentwicklung, der internationale Einfluss (Macht) die Rentenzahlungen (inkl. der Beamtenpensionen), die Lage ist katastrophal. Wenn wir nun die deutschen Staatsschulden in Höhe von 2 Billionen € zzügl. der Renten & Pensionen (sind Schulden) zusammenzählen, haben wir viel mehr Schulden als z. Bsp. die Franzosen, welche auch das demografische Problem nicht haben, weil dort in den letzten Jahrzehnten eine vernünftige Bevölkerungspolitik betrieben wurde. In D wurde dies politisch durch familienfeindliche Politik komplett verschlafen und fällt uns jetzt vor die Füsse. Dieses Problem werden auch die Flüchtlinge nicht lösen können, egal wieviel noch kommen werden. Deshalb wird hier im Land seit Jahren an allen Ecken und Enden gespart, um dann hoffentlich in der Zukunft (ca. in 15 bis 20 Jahren) noch die Renten u. Pensionen der „Babyboomer“ bezahlen zu können. Hinzu kommt ein katastrophales deutsches Banken- und Finanzsystem. Wir haben keine großen Banken, es gibt keine Großbanken nur Sparkassen. Die „Deutsche Bank“ ist keine Deutsche mehr, sondern praktisch eine Englische. 1. Demografische Entwicklung 2. Banken- und Finanzsystem. 3. die destaströse deutsche Energiepolitik. Da wir uns aus der Kernkraft verabschiedet haben, sind wir nun vom französischen Atomstrom, von der polnischen Kohle und vom russischen Gas abhängig.
2. Plötzlich liebt der Spiegel die Kanzlerin
claudiamehrweger 16.09.2015
Die Kanzlerin ist im Begriff ein gesamtes Land ans Messer zu liefern. Und was macht der Autor? Er rühmt die Kanzlerin dafür. Da darf man auf das Urteil der Geschichte gespannt sein.
3. Teil 2
Det_onator 16.09.2015
Das ist für unseren Industrie- und Wirtschaftsstandort eine äußerst anfällige Energieversorgung, woran wiederum Millionen von Arbeitsplätzen hängen. 4. findet die richtige industrielle Spezialisierung Deutschlands nicht in den richtigen Sektoren statt. Hinzu kommt, dass z. Bsp. die Italiener, Franzosen, Spanier, Belgier u. Luxemburger reicher als wir Deutschen sind! Deutschland ist eben nicht das starke Land, für welches es sich selbst immer gerne hält. Der deutsche Niedergang ist in den nächsten 20 Jahren praktisch vorprogrammiert. Da gibt es trotz der millionenfachen Zuwanderung kein Entrinnen mehr. Denn die Migranten werden sich auf Dauer nicht mit Sklavenarbeit im Niedriglohnsektor und als BIP-steigerndes Humankapital unserer Wohlstandssicherung zufrieden geben, sie werden rebellieren, was dann @ Deutschland? Wie wollen wir zukünftig mit unserer satten alten „Rentner-Pensions-Armee“ und dem massiv demografisch einbrechenden eigenen Nachwuchs unser Land gegen die jungen, hungrigen, radikal-aggressiv-gläubigen Islam-Migranten verteidigen, wie soll das jemals funktionieren? Man muss kein Hellseher sein und ich sage es hier und heute voraus, die Integration wird krachend scheitern und uns wirtschaftlich wie gesellschaftlich vernichten. Die Zeichen der Zeit stehen glasklar und eindeutig auf dem Niedergang unserer Nation und zwar innerhalb der nächsten 20 Jahre! Egal was uns von Politik und Wirtschaft erzählt wird. Sie versuchen jetzt durch die Migranten, die Fehler der Vergangenheit zu kaschieren und notdürftig auszubügeln, was ihnen aber bedauerlicherweise nicht gelingen wird. Hinzu kommt, das große Teile unserer Medien ebenfalls komplett versagten und weiterhin versagen. Anstatt die verheerenden politischen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen darzustellen, wird weiterhin gebetsmühlenartig eine Stimmung von „Friede, Freude, Eierkuchen“ und „refugees welcome-Wir schaffen dass“ verbreitet.
4. Herzlichen Dank Frau Dr. Merkel.
dborrmann 16.09.2015
Sie zeigen uns, dass auch Politiker Herz haben. Das ist außergewöhnlich und tut gut. Ich wünsche mir, dass Sie unsere Kanzlerin bleiben.
5. Teil 3
Det_onator 16.09.2015
Nein, wir schaffen es nicht und es wird für uns alle desaströs enden. Es wird ebenso kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mehr geben, auch wenn man uns immer wieder etwas anderes erzählen will. Nur durch nahezu Nullzinspolitik ist überhaupt noch ein leichte konjunkturelle Belebung und eine Ausweitung der Geldmenge möglich. Steigen jemals wieder die Zinsen, kollabiert das komplette Finanzsytem inklusive der völlig überschuldeten Staaten, sowie die ebenso massiv verschuldeten Privathaushalte.
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