Flüchtlingskrise USA und Kanada spenden Deutschland 15.000 Feldbetten

Normalerweise liefert das Deutsche Rote Kreuz Hilfsgüter in andere Länder. Doch jetzt brauchen die Helfer selbst Unterstützung aus dem Ausland: Sie kommt aus Nordamerika.

Schlafstätte in Hanau: Angesichts der Flüchtlingskrise sind Feldbetten Mangelware
REUTERS

Schlafstätte in Hanau: Angesichts der Flüchtlingskrise sind Feldbetten Mangelware


So viele Menschen kommen in so kurzer Zeit nach Deutschland, Tausende jeden Tag - und alle müssen irgendwo schlafen. Die Flüchtlingskrise hat Zelte, Container und auch Feldbetten in Deutschland zur Mangelware gemacht. Mancherorts sammeln schon freiwillige Helfer aus purer Not in der Bevölkerung Luftmatratzen und Isomatten ein.

Jetzt gibt es etwas Linderung: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat für Flüchtlinge insgesamt rund 15.000 Feldbetten aus Nordamerika nach Deutschland einfliegen lassen.

Die jüngste Lieferung von etwa tausend Betten erreichte per Lufthansa-Frachtmaschine am Dienstagmorgen Frankfurt. Für das DRK sei die Spende des Amerikanischen und Kanadischen Roten Kreuzes "sehr ungewöhnlich", sagte Generalsekretär Christian Reuter. Normalerweise liefere das Deutsche Rote Kreuz Hilfsgüter in andere Länder. In Zeiten einer "humanitären Notlage in Deutschland" müssten ungewöhnliche Wege beschritten werden.

Seit vergangenem Donnerstag hatte die Lufthansa mit insgesamt zwölf Linienflügen die Feldbetten aus der US-amerikanischen Hauptstadt Washington nach Frankfurt am Main und München geflogen. Die Feldbetten vom Dienstag sollen noch im Laufe des Tages in Unterkünfte nach Straubing und Erding in Bayern transportiert werden.

Der Bettenmangel ist jedoch nur ein Aspekt bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. In Brüssel treffen sich am Nachmittag die Innenminister der EU, um erneut nach einem Kompromiss für die Verteilung von weiteren 120.000 Flüchtlingen zu suchen. Ungarn und andere mittel- und osteuropäische Staaten lehnen feste Verteilschlüssel ab; eine solche Quote gilt daher als nicht durchsetzbar. Das Ziel lautet, dass sich möglichst viele Länder an der Aktion beteiligen sollen. Eine "Strafzahlung" für Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, ist wieder vom Tisch, heißt es in Berlin.

Uno verlangt mehr Engagement

Die Umsiedlung soll Italien und Griechenland entlasten, wo besonders viele Flüchtlinge ankommen. Aber auch andere Staaten könnten um Hilfe bitten. Auf Deutschland würden etwa 31.000 Menschen entfallen.

Die EU-Innenminister hatten sich bereits vergangene Woche auf die Verteilung von 120.000 Flüchtlingen mit guten Chancen auf Asyl (also vor allem Syrer) innerhalb von zwei Jahren geeinigt. Offen ist aber noch, wer wie viele aufnimmt. Jeder Staat soll pro Flüchtling von der EU einmalig 6000 Euro erhalten.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte die EU zu mehr Engagement auf. Der Plan der EU-Kommission werde nicht ausreichen, erklärte Sprecherin Melissa Fleming. Allein 477.906 Flüchtlinge seien bislang dieses Jahr über das Mittelmeer nach Europa gekommen.

Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten wollen am Mittwoch auf höchster Ebene über die Flüchtlingskrise beraten. Dabei soll es um den besseren Schutz der EU-Außengrenzen gehen sowie um Finanzhilfen für Länder mit Flüchtlingslagern wie Jordanien, Libanon und die Türkei.



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