Asylbewerberunterkünfte Zahl der Anschläge 2015 mehr als vervierfacht

Die rassistische Gewalt in Deutschland nimmt zu. Fast täglich werden Flüchtlinge und Asylbewerberunterkünfte angegriffen. Laut Bundeskriminalamt ist die Zahl der registrierten Delikte im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen.

Feuer in künftiger Flüchtlingsunterkunft in Remchingen (Archivbild): 76 Brandstiftungen in 2015
DPA

Feuer in künftiger Flüchtlingsunterkunft in Remchingen (Archivbild): 76 Brandstiftungen in 2015


924 Delikte, darunter allein 76 Brandstiftungen und Dutzende Sachbeschädigungen: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte dramatisch gestiegen. Insgesamt registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) vorläufigen Zahlen zufolge mehr als viereinhalbmal so viele Delikte wie 2014 - damals waren es 199 gemeldete Straftaten.

Die Zahl der Gewalttaten lag mit 163 knapp sechsmal höher als noch im Vorjahr, berichtete "tagesschau.de" unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA). Gesicherte Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen bei den Anschlägen verletzt wurden, lägen nicht vor. Todesfälle gab es bei den Übergriffen auf Heime nicht.

Nach den Worten einer BKA-Sprecherin in Wiesbaden wurde im vergangenen Jahr 76 Mal in Flüchtlingsunterkünften Feuer gelegt, hinzu kommen 11 versuchte Brandstiftungen. 2014 hatte es lediglich sechs Brandanschläge auf Asylbewerberheime gegeben.

Für 825 der insgesamt 924 Übergriffe machen die Ermittler "rechtsmotivierte Täter" verantwortlich. Bei den Anschlägen handele es sich überwiegend um Sachbeschädigungen und Volksverhetzungen.

Übergriffe in Deutschland 2015
Mehrere Vorkommnisse
Brandanschläge
Übergriffe auf Flüchtlinge
Weitere Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte
Quelle: Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl / Polizei / eigene Recherchen / dpa
Stand: 7. Januar 2016

Flüchtlinge in Jena und Pößneck attackiert

In Jena wurden am Donnerstag zwei Asylbewerber vor einer Unterkunft angegriffen und verletzt. Nach Polizeiangaben zogen sie sich Verletzungen im Gesicht zu und mussten medizinisch behandelt werden. Von den Tätern fehle bisher jede Spur, das Motiv sei unklar, hieß es weiter. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schloss die Polizei nicht aus.

Auch in Pößneck wurde ein Flüchtling attackiert. Der 19-Jährige sei am Mittwochabend vor einem Geschäft beleidigt und gestoßen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Er blieb unverletzt. Die drei Tatverdächtigen seien geflüchtet, der Polizei aber namentlich bekannt.

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brk/dpa



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