Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft bei Hamburg DNA-Spuren führen zu einem Nachbarn

Für einen Brandanschlag auf eine Unterkunft für Asylbewerber in Escheburg bei Hamburg soll ein Anwohner verantwortlich sein. Möglicherweise waren weitere Nachbarn beteiligt.

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Escheburg: Noch steht das Haus leer
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Geplante Flüchtlingsunterkunft in Escheburg: Noch steht das Haus leer


Hamburg - "Besorgte Bürger" könnten für einen Brandanschlag auf eine bezugsfertige Unterkunft für Asylbewerber in Escheburg (Schleswig-Holstein) verantwortlich sein. Laut den "Lübecker Nachrichten" und der ermittelnden Staatsanwaltschaft Lübeck wurden DNA-Spuren eines unmittelbaren Nachbarn sichergestellt. Wie die Zeitung weiter berichtet, habe dieser zwar allein gehandelt, die Tat aber mit einem Dutzend weiterer Anwohner geplant.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass es eine vorläufige Festnahme gegeben habe. Der 37-jährige Anwohner solle am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Sprecher dementierte Berichte, dass der Mann bereits ein Geständnis abgelegt habe. Auch lägen bislang ausschließlich Hinweise auf eine Alleintäterschaft vor.

Am Nachmittag des 9. Februar war ein Kanister mit Brandbeschleuniger durch ein Fenster in das Holzhaus geworfen worden, in das kurz darauf sechs irakische Flüchtlinge einziehen sollten. Es entstand ein geringer Sachschaden.

Kurz zuvor waren 15 aufgebrachte Bürger zur Amtsverwaltung Hohe Elbgeest gezogen, um sich gegen die Unterbringung der Flüchtlinge auszusprechen. Darunter befand sich offenbar auch der mutmaßliche Täter. Bürgermeister Rainer Bork hatte die Einwohner am 6. Februar über den Einzug der Asylbewerber informiert, der zu diesem Zeitpunkt seit zwei Tage feststand.

Feindliche Stimmung vieler Anwohner

Die Stimmung in dem Ort mit 3000 Einwohnern ist aufgeheizt. Gegenüber den "Lübecker Nachrichten" hatte sich Bork gegen Kritik an seiner Informationspolitik gewehrt. Demnach hätte eine frühere Einbeziehung der Bürger nichts genutzt: "Wir haben gegen eine Wand argumentiert", sagte er.

Das Zweifamilienhaus für insgesamt zehn Asylbewerber ist durch die Rußentwicklung in Mitleidenschaft gezogen worden. Vorläufig ist es nicht beziehbar, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach einem Bericht des "Tagesspiegel" hat sich die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im vergangenen Jahr verdreifacht. Demnach zählten die Behörden im vorigen Jahr 150 rechtsextremistisch motivierte Straftaten, dreimal mehr als 2013. Allein im letzten Quartal 2014 waren es 67 Taten.

epe



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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fuffel 19.02.2015
1. DNS Spur?
schon clever, nach all den CSI Folgen, vor einem Feuer zu stehen und nicht wissen, wohin mit all den kontaminierten Tatwerkzeugen. Aber..gefundenen DNS Spuren müssen vergleichbar sein. Nun, bei Brandstiftung liegt wohl noch kein hinreichender Grund für eine angeordnete Reihenuntersuchung vor. Also woher kommen die Daten des besorgeten Nachbarns?
jowitt 19.02.2015
2. Ich frage mich...
... was in den Köpfen solcher "Mitbürger" vor sich geht. Über ein Drittel unserer Bevölkerung ist Flüchtling oder stammt von Flüchtlingen ab. Deutschland und seine Bürger sind, wenn sie wollten, in der Lage, Millionen von Flüchtlingen zu helfen, wenn sie denn wollten. Kinder, Frauen, Männer sterben in den Flüchtlingscamps in Nahost und anderswo an Kälte und Hunger und diese Leute haben nichts besseres zu tun, als 10 Flüchtlingen ihre Bleibe über dem Kopf anzuzünden. Grauenhaft. Ich hoffe nur, dass solche Dinge entsprechend hart durch unsere Gerichtsbarkeit geahndet wird.
Speculum Legere 19.02.2015
3. Schweigende Mehrheit ?
DNS-Spur gefunden ? Wow ,das muss mir mal jemand erklären. Der Bürgermeister Zitat :"Wir haben gegen eine Wand argumentiert", sagte er. Zitat ende. Flüchtlingspolitik gegen den Willen der Anwohner.Warum wurde dann überhaupt Debattiert ? So passiert das wohl im ganzen Land und es wundert einen ,das nicht schon mehr passiert ist. Das Schlagwort der Propagierten Weltoffenheit und Toleranz, bezieht sich wohl eher auf Touristen. So wie es die Politik gerne hätte, ist die verordnete Weltoffenheit und Toleranz Flüchtlingen gegenüber, wohl doch nicht. Hier hat die schweigende Mehrheit dann wohl gehandelt,nachdem ihre Argumente kein Gehör bei der Politik fanden. Die Politik war hier anscheinend überrascht ,das Ihre Politik keinen Anklang fand ,bei den Bürgern. Denn was nicht sein darf, kann auch nicht sein.Bin gespannt wie das sich Bundesweit noch entwickelt.
hermannheester 19.02.2015
4. Das Streichholz des Anstoßes
Ein vorgefundenes Streichholz es trug (u.a.) die DNA des freundlichen Nachbarn von nebenan. Da der letzte Grillabend unter Freunden sicher ein zeitlang zurückliegen dürfte, kann man sicher davon ausgehen, dass hier ein selbsternannter Kämpfer für gute, deutrsche Nachbarschaft sich somit selbst enttarnt hat. Nachbarn sind natürlich pflichtgemäß erstaunt, erbost und überrascht. So wie sich das gehört!
annoo 19.02.2015
5. Einfach nur widerlich
Anstatt einen Platz im eigenen Haus freizumachen, zünden sie Unterkünfte von Bedürftigen an. Wie tief sind diese Menschen gesunken?
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