Ein Kommentar von Frank Hornig
Selbst Kenner verlieren den Überblick: Ist es nun die vierte, fünfte oder sechste Terminverschiebung? Schon wieder muss Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die feierliche Eröffnung seines Hauptstadtflughafens vertagen. Statt in diesem Herbst soll der Pannen-Airport nun frühestens 2014 eröffnen; ein genauer Termin wird vorsichtshalber schon gar nicht mehr genannt.
Nicht länger verschieben lässt sich dagegen die Frage der politischen Verantwortung: Klaus Wowereit ist gescheitert - als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft und als Regierungschef. Dass Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nun den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen soll, kann Wowereit nicht lange entlasten: Ab heute wird in Berlin ein neuer Bürgermeister gesucht.
Kein anderer Politiker hat sein Schicksal so eng mit dem Milliardenvorhaben verknüpft wie er. "Ich bin sicher, dass der Flughafen im Jahr 2007 verwirklicht werden kann", versprach Wowereit schon kurz nach Amtsantritt 2001. Bereits vor Jahren lobte er seine Verdienste um das Projekt: "Ich sage einmal, auch mit Stolz: Ohne meine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender wären wir nicht an dem Punkt, an den wir heute gekommen sind."
Damit sollte er recht behalten. "Europas modernster Flughafen" (Eigenwerbung) wird, wenn es denn mal so weit kommt, zu spät, zu teuer und zu klein dimensioniert sein. Weil Wowereit als Chefkontrolleur die Weichen falsch stellte:
Die Aufsicht über ein milliardenschweres Bauprojekt lässt sich nicht mal eben nebenbei erledigen, wenn im Hauptjob eine hochverschuldete Metropole zu regieren ist. Nötig wären Fachleute für komplizierte Infrastrukturfragen und Finanzexperten. Stattdessen dilettieren im Aufsichtsrat des Flughafens Berlins Bürgermeister, sein Innensenator und weitere Politiker. Einfach mal anfangen, einen Grundstein legen, Geld und Zeit spielen keine Rolle - mit dieser Devise konnten sich Monarchen früher pompöse Denkmäler errichten. Der Bau eines internationalen Großflughafens kann so nicht gelingen.
Und nun? Wowereit hat seine Chance verspielt. Er hätte seit Monaten für eine gründliche Aufklärung sorgen und die Flughafengesellschaft neu aufstellen können. Stattdessen hat er die Probleme zu oft verdrängt oder weggewitzelt.
Sein Rücktritt als Aufsichtsratschef kommt zu spät, um seine Macht im Roten Rathaus zu sichern.
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