Hauptstadt-Airport: Gabriel macht Wahlkampf mit Flughafen-Desaster

SPD-Chef Gabriel wirft Verkehrsminister Ramsauer eine Täuschung der Öffentlichkeit vor. Der CSU-Politiker soll schon vor drei Wochen gewusst haben, dass sich die Eröffnung des Berliner Großflughafens erneut verschiebt. Das Chaosprojekt wird damit zum Wahlkampfthema.

SPD-Parteichef Gabriel: "Dieser CSU-Bundesverkehrsminister hat eine Menge zu erklären"Zur Großansicht
dapd

SPD-Parteichef Gabriel: "Dieser CSU-Bundesverkehrsminister hat eine Menge zu erklären"

Berlin - Im Debakel um den Berliner Großflughafen setzt die SPD nun Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) unter Druck. "Allem Anschein nach hat Ramsauer die Öffentlichkeit getäuscht", sagte Sigmar Gabriel der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Damit bezog sich der SPD-Parteivorsitzende auf den Verdacht, dass Ramsauer schon drei Wochen vor den Mitgliedern des Flughafen-Aufsichtsrats wusste, dass die Eröffnung erneut verschoben werden muss, dies aber verschwieg.

"Sollte sich das bewahrheiten, erscheint die Rolle von Herrn Ramsauer in ganz neuem Licht", sagte Gabriel der "SZ". "Dieser CSU-Bundesverkehrsminister hat eine Menge zu erklären."

Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass der Minister schon am 19. Dezember - und damit drei Wochen vor Bekanntwerden der jüngsten Probleme - ein Gespräch mit Flughafen-Technikchef Horst Amann geführt habe. Wenige Tage später stellte Ramsauer als erster Verantwortlicher den neuen Eröffnungstermin im Oktober 2013 in Frage.

Der Bund ist wie die SPD-geführten Länder Berlin und Brandenburg an der Flughafengesellschaft beteiligt. Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist bisher aber weitgehend von Kritik verschont geblieben. Gabriel will dies durch seine Attacke nun offenbar ändern - und das Chaos um den Berliner Großflughafen zum Wahlkampfthema machen.

Am Montag hatte ein Sprecher Ramsauers eingeräumt, dass der Minister am 19. Dezember ein Gespräch mit Flughafen-Technikchef Amann geführt habe. Allerdings habe dieser bei dem Treffen nichts gesagt, was den übrigen Anteilseignern nicht auch bekannt gewesen wäre. Außerdem habe Ramsauer schon vor dem Gespräch Zweifel daran geäußert, dass der Flughafen im Oktober 2013 den Betrieb aufnehmen könne. "Was der Minister wusste, hat er öffentlich gesagt", so der Sprecher.

Am Dienstag befasst sich der Haushaltsausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung mit der Pannenserie beim neuen Großflughafen. Das Bundesverkehrsministerium wird den Abgeordneten mündlich Bericht über die vierte Verschiebung des Eröffnungstermins und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Kosten für die Gesellschafter erstatten.

In der Flughafenaffäre standen bisher vor allem die SPD-geführten Bundesländer Berlin und Brandenburg unter Druck. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) war von seinem Posten als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft zurückgetreten. Diesen Posten soll nun der Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernehmen. Er hatte sich wegen der Flughafen-Probleme am Montag einer Vertrauensabstimmung im Landtag gestellt. Dort sprachen 55 der 88 Abgeordneten Platzeck das Vertrauen aus.

heb/AFP/dpa

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insgesamt 103 Beiträge
mps58 15.01.2013
Die Bundesregierung hat eine Minderheitsbeteiligung, mit etwa soviel Stimmenanteil wie das Duo Steinmeier/Gabriel bei der letzten Bundestagswahl. Die führenden Personen sind die beiden Schlaffis Wowereit und Platzeck gewesen.
Die Bundesregierung hat eine Minderheitsbeteiligung, mit etwa soviel Stimmenanteil wie das Duo Steinmeier/Gabriel bei der letzten Bundestagswahl. Die führenden Personen sind die beiden Schlaffis Wowereit und Platzeck gewesen.
axlban 15.01.2013
Die Eu Beihilfen waren zu dem Termin zur Entscheidung fällig! Ist aber bestimmt nur Zufall!
Die Eu Beihilfen waren zu dem Termin zur Entscheidung fällig! Ist aber bestimmt nur Zufall!
deutsch_er 15.01.2013
Jetzt sind Wowi und Platzi mit dem Mißtrauensvotum durch und Onkel Gabriel kann mal so richtig vom Leder ziehen. Aber - Oh mein Gott. Dieses Manöver ist so durchsichtig und lächerlich wie sonst nichts auf der Welt. Das ist, als ob [...]
Jetzt sind Wowi und Platzi mit dem Mißtrauensvotum durch und Onkel Gabriel kann mal so richtig vom Leder ziehen. Aber - Oh mein Gott. Dieses Manöver ist so durchsichtig und lächerlich wie sonst nichts auf der Welt. Das ist, als ob jemand mit Steinen schmeioßt der im Glashaus sitzt. Hält der voluminöse Gabriel die Wähler wirklich für so dumm, dass er denkt die Bürger würden so einen Unsinn glauben? Das kann er jemanden erzählen der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht. Nein nein. Die politische und moralische Verantwortung liegt allein bei Wowereit und Platzeck und somit bei der SPD. Darüber können auch Scheinabstimmungen nicht hinwegtäuschen. Denn nichts anderes waren ja diese Mißtrauensvoten. Hätte man die Bevölkerung gefragt, die hätten Platzeck und Co. das Vertrauen entzogen. Also Herr Gabriel! Sparen Sie sich Ihre falsche Polemik!
Dr.pol.Emik 15.01.2013
Oder möchte er nur einmal wieder ein wenig Keile verteilen. Aus meiner Sicht hätte er doch in der eigenen Partei gut damit anfangen können. Der just zurückgetretene Aufsichtsratschef Wowereit ist doch auch aus seinem Stall. Und [...]
Oder möchte er nur einmal wieder ein wenig Keile verteilen. Aus meiner Sicht hätte er doch in der eigenen Partei gut damit anfangen können. Der just zurückgetretene Aufsichtsratschef Wowereit ist doch auch aus seinem Stall. Und auch Matthias Platzeck, BER's nächster Roter Baron auf Übungsüberflug (http://qpress.de/2013/01/14/matthias-platzeck-bers-nachster-roter-baron/) … als nächster Überflieger kommt auch aus der SPD. Das soll mal einer verstehen? Ach, jetzt hab ich verstanden. Ramsauer ist ist aus dem Lager welches er verprügeln möchte. Ich befürchte, die Riege der Nichtskönner in Berlin ist ein parteiübergreifendes Problem und irgendwie eignet sich dieses Thema nicht wirklich für den Wahlkampf. Da kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die fortgesetzten Änderungswünsche eben jener politischen Bauherren mehr Anteil an dem Chaos hat als die vermeintliche Schlechtleistung der Beauftragten.
A.Müller 15.01.2013
Ich glaube nicht, dass er mit so einem Kindergarten-rumgekeife auch nur eine Wählerstimme mehr bekommt..
Ich glaube nicht, dass er mit so einem Kindergarten-rumgekeife auch nur eine Wählerstimme mehr bekommt..
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  • Dienstag, 15.01.2013 – 08:54 Uhr
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Die Idee für einen einzigen Berliner Großflughafen, der die Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen soll, entstand bereits kurz nach dem Mauerfall. Doch mehr als 23 Jahre nach der Wende ist der Flughafen noch immer nicht in Betrieb - die Eröffnung muss immer wieder verschoben werden.





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