Flugzeuge im Bauch Scharping will nicht gehen

Die Opposition fordert seinen Rücktritt, die eigenen Parteifreunde finden sein Verhalten "langsam peinlich". Den liebestollen Bundesverteidigungsminister ficht das nicht an. Rudolf Scharping ist empört über die Vorwürfe wegen seiner intensiven Nutzung der Flugbereitschaft.


Rudolf Scharping
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Rudolf Scharping

Berlin - "Ich finde es erstaunlich, dass man mir Vorwürfe darüber macht, dass ich meinen Urlaub mehrfach unterbreche und meine Arbeit zu 100 Prozent erfülle", sagte Scharping dem ZDF. Bundeskanzler Gerhard Schröder, der seinem Parteifreund zuvor den Rücken gestärkt hatte, bestellte Scharping für den Abend zu einem "persönlichen Gespräch" ein.

"Ich nehme an, dass sich Rudolf Scharping in einer Art Endkampf befindet, was seine Person und seine politische Karriere angeht", sagte der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Glos dazu in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Wie FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper warf er dem Minister vor, mit seinem Mallorca-Flug unmittelbar nach der Mazedonien-Abstimmung im Bundestag am vergangenen Mittwoch Steuergelder verschwendet zu haben.

Scharping hatte in der in der ZDF-Sendung "Berlin Direkt" betont: "Besonders vergnüglich war es nicht, um 23.40 Uhr einzutreffen und am anderen Morgen sofort wieder aufzubrechen." Am Donnerstag war der Minister von seinem Urlaubsort aus nach Mazedonien aufgebrochen, um die dort eingesetzten Bundeswehr-Soldaten zu besuchen. Am Abend kehrte er wieder auf die spanische Insel zurück.

Entschieden wies Scharping Äußerungen des haushaltspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Fraktion, Dietrich Austermann, zurück. Der hatte von einer auffälligen Häufung von Flügen Scharpings mit Bundeswehr-Maschinen zwischen Berlin und Frankfurt/Main, wo seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati wohnt, berichtet. "Diese Behauptung ist nicht richtig", sagte der Minister. Er forderte Austermann auf, Belege für seine Behauptungen vorzulegen.

Erstmals gab es wegen der Affäre auch offene Kritik aus den Reihen der SPD. Die Verteidigungspolitikerin Verena Wohlleben nannte Scharpings Vorgehen in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" "langsam peinlich" und "nicht angebracht". Ihr Fraktionskollege Manfred Opel betonte: "Sparsamkeit ist eine Tugend, die für alle und jederzeit gilt." Auch SPD-Generalsekretär Franz Müntefering ging auf vorsichtige Distanz: "Wir müssen alle auch im Blick haben, welches Bild wir in der Öffentlichkeit mit unserer eigenen Darstellung geben", sagte er bei "Sabine Christiansen".

Die SPD-Abgeordneten gehen davon aus, dass der Minister am Mittwoch vor der Arbeitsgruppe Verteidigung der Fraktion zu seinem Verhalten Rede und Antwort steht. Auch bei den Gremiensitzungen an diesem Montag könnten Scharpings Flüge ein Thema sein.



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