Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Forderung nach weniger Autos: Seehofer watscht Kretschmann ab

Baden-Württembergs designierter Regierungschef Kretschmann will weniger Autos - sein Amtskollege aus Bayern ist entrüstet ob dieses Vorstoßes. Der Grüne stelle sich "offen gegen eine zentrale Säule des eigenen Wohlstands". Ein "bislang einmaliger Vorgang", wettert CSU-Mann Seehofer.

CSU-Chef Seehofer: "Mit grüner Planwirtschaft wird Deutschland die Zukunft nicht gewinnen" Zur Großansicht
dpa

CSU-Chef Seehofer: "Mit grüner Planwirtschaft wird Deutschland die Zukunft nicht gewinnen"

München - Winfried Kretschmann will die Autoproduktion im Autoland Baden-Württemberg bremsen. Dafür erntet der Grüne heftige Kritik aus dem Nachbarbundesland. "Es ist ein bislang einmaliger Vorgang, dass der designierte Ministerpräsident eines deutschen Automobillandes sich offen gegen eine zentrale Säule des eigenen Wohlstands stellt und für weniger Produkte wirbt", sagte Bayerns Regierungschef Horst Seehofer. Weiter wetterte der CSU-Politiker: "Mit grüner Planwirtschaft wird Deutschland die Zukunft nicht gewinnen." Die deutsche Automobilindustrie bleibe auch in Zukunft Motor für Fortschritt, Innovation und Wohlstand in Deutschland. Sie arbeite weltweit führend und mit hoher Innovationskraft an energiefreundlichen Lösungen.

Kretschmanns Äußerung zeige, dass es in Deutschland "klare politische Alternativen" gebe, sagte Seehofer. "Anders als die künftige Landesregierung von Baden-Württemberg setzt Bayern auch in Zukunft auf einen engen Schulterschluss mit den Firmen und Mitarbeitern der Automobilbranche." In Bayern werde es ein langfristig verlässliches Umfeld für diese Industrie geben.

Kretschmann hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, die deutschen Autobauer sollten künftig weniger und nicht mehr Fahrzeuge herstellen und exportieren. "Weniger Autos sind natürlich besser als mehr", sagte er. In Zukunft müsse man Mobilitätskonzepte verkaufen und nicht nur Autos. "Dazu gehören Laufen, Fahrrad fahren, Autofahren, Eisenbahnfahren. Das müssen wir so klug vernetzen, dass man gut vorankommt und die Umwelt schont."

Kritik an Kretschmann kam erwartungsgemäß aus der Autoindustrie. Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärte, er sei überzeugt davon, dass die neue Regierung in Baden-Württemberg "großes Interesse daran hat, zu zeigen, dass ein extrem erfolgreiches Bundesland diesen Erfolgsweg nicht verlassen muss". Das sagte Zetsche der Illustrierten "Bunte". Daimler wisse, "wo unsere Zukunft liegt und wie wir uns entwickeln werden". Als Beispiel nannte er die neue A-Klasse, die "niedrige Verbräuche aufweisen" werde.

Auch aus der SPD, mit der Kretschmann derzeit am Koalitionsvertrag bastelt, kam Widerspruch gegen den Grünen: "Jede baden-württembergische Landesregierung hat Benzin im Blut", sagte SPD-Landeschef Nils Schmid. Ohne Daimler, Porsche, Audi und die Zulieferer sei keine Vollbeschäftigung im Land möglich. "Es werden nicht weniger, sondern schrittweise andere Autos vom Band rollen als bisher", betonte Schmid.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Garrelt Duin sagte: "Winfried Kretschmann wandelt auf einem schmalen Grat, wenn er weniger Autos bauen lassen möchte. Weniger Autos bedeuten weniger Wohlstand und weniger Arbeitsplätze. Die Autoindustrie ist wesentliche Grundlage und bedeutendes Markenzeichen der Industrie und auch des Wohlstandes."

Baden-Württemberg ist das Kernland der deutschen Autoindustrie. Mehr als jeder vierte Beschäftigte der Branche in Deutschland arbeitet hier. 241 Betriebe aus der Branche zählten 2008 nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Stuttgart knapp 207.000 Mitarbeiter. Damit arbeitete fast jeder fünfte Industriebeschäftigte im Südwesten in der Autobranche.

anr/dapd

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: