Forsa-Befragung Schwarz-Gelb rutscht auf Zehn-Jahres-Tief

Wählergunst? Fehlanzeige. In einer neuen Umfrage von Forsa fallen FDP und Union auf den schlechtesten Wert seit zehn Jahren. Auch die Kanzlerin wird demnach immer unbeliebter. Die Opposition liegt laut der Umfrage inzwischen 22 Prozentpunkte vor der Regierung.

Kanzlerin Merkel: Schlechtester Wert seit dreieinhalb Jahren
ddp

Kanzlerin Merkel: Schlechtester Wert seit dreieinhalb Jahren


Hamburg - Sparpaket, ständiger parteiinterner Streit - die Krise der Bundesregierung hinterlässt bei den Wählern eine immer tiefere Enttäuschung. In der am Mittwoch veröffentlichten wöchentlichen Umfrage des Hamburger Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL fiel die Union im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf ihr Jahrestief von 30 Prozent. Auch die FDP hat einen Punkt verloren und sank ebenfalls auf ihr Jahrestief von fünf Prozent. Gemeinsam kommen Union und Liberale damit nur noch auf 35 Prozent, ihr schlechtester Wert seit zehn Jahren.

Seit der Bundestagswahl vor neun Monaten, als Union und FDP zusammen 48,4 Prozent erzielten, hat Schwarz-Gelb damit rund 13 Punkte eingebüßt.

Von der Schwäche der Koalition profitiert die Opposition: Die SPD kletterte um einen Punkt auf 27 Prozent, die Linke um einen auf 12 Prozent. Die Grünen erreichten zum dritten Mal in Folge ihr Rekordhoch von 18 Prozent. Mit zusammen 57 Prozent liegen die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke nunmehr 22 Punkte vor dem Regierungslager aus Union und FDP.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der Erhebung zufolge an Popularität verloren. Wenn die Deutschen ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich im Vergleich 39 Prozent für die CDU-Chefin entscheiden, vier Punkte weniger als in der Woche zuvor und ihr schlechtester Wert seit dreieinhalb Jahren.

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte das Stimmungstief: "Der Kanzlerin gelingt es nicht, den Bürgern Ängste vor den Folgen des Sparpakets zu nehmen." Die schlechten Werte für die FDP führte er darauf zurück, dass ihr Chef Guido Westerwelle nicht als Außenminister präsent sei, zudem nähmen die Bürger den Liberalen das störrische Festhalten an Steuersenkungen übel.

Wer könnte der ungeliebten Kanzlerin nachfolgen? Im hypothetischen Fall eines Rücktritts von Merkel wäre nach einer zweiten vom "Stern" in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am besten geeignet - das gaben 34 Prozent der Befragten an. Mit 19 Prozent Nennungen liegt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf dem zweiten Platz. Rang drei belegt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), in dem 10 Prozent der Bürger einen geeigneten Merkel-Nachfolger sehen. Auf den hinteren Plätzen folgen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, CSU (7 Prozent), Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers, CDU (5 Prozent), und als Schlusslicht der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus, CDU (2 Prozent).

Anlass der Umfrage war die am kommenden Mittwoch bevorstehende Wahl des neuen Bundespräsidenten. Zwar hat Christian Wulff, der Kandidat von Union und FDP, in der Bundesversammlung rechnerisch einen Vorsprung von 21 Stimmen. Doch im konservativ-liberalen Lager gibt es viel Sympathie für Joachim Gauck, den Kandidaten von SPD und Grünen. Scheitert Wulff, wäre nach Ansicht von Beobachtern auch Merkels Kanzlerschaft gefährdet.

Die schlechten Umfragewerte für die schwarz-gelbe Koalition, die Forsa ermittelte, entsprechen in etwa den Zahlen, die andere Befragungen in den vergangenen Tagen und Wochen ergeben haben. In der vergangenen Woche kam die Union beim ZDF-"Politbarometer" nur noch auf 32 Prozent. Besonders dramatisch war laut der ZDF-Umfrage der Verlust in der Wählergunst für die FDP. Sie stand demnach nur noch bei drei Prozent.

Einen ähnlichen Trend brachte der ARD-"Deutschlandtrend" vom Dienstag vergangener Woche. Danach waren nur noch zwölf Prozent der Deutschen mit der Arbeit der Koalition einverstanden. So negativ wurde eine Bundesregierung der ARD zufolge zuletzt im März 2004 bewertet.

anr/ddp

Forum - Welche Überlebenschancen hat die schwarz-gelbe Koalition?
insgesamt 1545 Beiträge
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Palmstroem, 12.06.2010
1. Totgesagte leben länger
Zitat von sysopKoalitionskrach und kein Ende: Die Probleme häufen sich und damit die Konflikte. Der Ton bleibt rau, die Kanzlerin scheint auch mit strengen Worten kein Gehör zu finden. Droht das endgültige Aus für Schwarz-Gelb? Welche Überlebenschancen sehen Sie für die derzeitige Regierungskoalition?
*Sehr gute - Totgesagte leben länger!* Ohnehin ist das Bashing unverständlich - die besten Arbeitslosenzahlen in Europa, das beste Wirtschaftswachstum, das beste Rating und steigende Steuereinnahmen. Muß sich eine Regierung denn lieb haben?
dieterschg, 12.06.2010
2.
Zitat von sysopKoalitionskrach und kein Ende: Die Probleme häufen sich und damit die Konflikte. Der Ton bleibt rau, die Kanzlerin scheint auch mit strengen Worten kein Gehör zu finden. Droht das endgültige Aus für Schwarz-Gelb? Welche Überlebenschancen sehen Sie für die derzeitige Regierungskoalition?
Die lebt in den wirtschaftlichen Gegebenheiten noch von Rot/Grün (Hatz 1-4-Gesetze) und von Scharz/Rot mit einem sicher sehr fähigen Minister Steinbrück. In der aktuellen Regierung hat sich Frau Merkel von den marktradikalen Gelben bei den Koalitionsverhandlungen aus machtgeilheit über den Tisch ziehen lassen, nun merkt nicht nur sie das und reagiert entsprechend. Die FDP bekommt kein Bein auf den Boden, und wenn noch die Bundespräsidentenwahl daneben geht, ist das AUS für Schwarz/Gelb nicht mehr fern. Als sich den Gegebenheiten anpassenmde CDU kann man nicht mit der FDP und Ideen von Gestern, ja Vorgestern an einem Programm für Übermorgen arbeiten.
Aiko5 12.06.2010
3. Dito
Zitat von Palmstroem*Sehr gute - Totgesagte leben länger!* Ohnehin ist das Bashing unverständlich - die besten Arbeitslosenzahlen in Europa, das beste Wirtschaftswachstum, das beste Rating und steigende Steuereinnahmen. Muß sich eine Regierung denn lieb haben?
Genau! Verstehe auch das ganze Theater nicht, dass genüßlich in den Medien zelebriert wird. Da stürzt man sich auf jede klitzekleine abweichende Aussage eines Regierungsmitgliedes oder gar BT-Abgeordneten, um ein Horrorgemälde über die deutschen Zustände zu malen. Das Ausland faßt sich an den Kopf. Deutschland zerfleischt sich wieder mal selbst, eigentlich nichts Neues.Die FDP sind nur mal nicht die Grünen, die 1998-2005 vom Domteur Basta-Gerd am Gängelband durch die Manege geführt wurden, deshalb geben sie mitunter kräftig kontra, zumal CSU und FDP seit Franz-Josef Zeiten sowieso sich immer kabbeln. Deswegen müssen doch keine Neuwahlen ausgerufen werden, wie die SPD und so manch verschreckter Bürger es gern möchten. Das erste Jahr war bis jetzt für jede Regierung immer nicht ganz einfach, dass haben bloss viele vergessen, genauso wie viele vergessen haben, was Chaos wirklich bedeutet. Die Älteren werden es wissen und sind deshalb in der Regel viel gelassener. Also wieder mal Ball flach halten.
jj2005 12.06.2010
4. Jeder hat seinen Preis
Zitat von Palmstroem*Sehr gute - Totgesagte leben länger!* Ohnehin ist das Bashing unverständlich - die besten Arbeitslosenzahlen in Europa, das beste Wirtschaftswachstum, das beste Rating und steigende Steuereinnahmen. Muß sich eine Regierung denn lieb haben?
Jou jou, und Angie haengt sich auch maechtig rein, nicht so wie dieser Billgheimer von Ruettgers: Doch der spektakuläre Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei der arabischen Fluglinie Emirates am vergangenen Dienstag auf der Internationalen Luftfahrtschau (ILA) in Berlin hatte offenbar einen sehr pragmatischen Hintergrund: Nach Aussagen eines Regierungssprechers machte der Airbus-Kunde ihre Anwesenheit "zur Bedingung" für die Vertragsunterzeichnung über 32 Exemplare des Riesenjets vom Typ A380 im Wert von 9,5 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,700325,00.html
Ernst August 12.06.2010
5.
Zitat von Palmstroem*Sehr gute - Totgesagte leben länger!* Ohnehin ist das Bashing unverständlich - die besten Arbeitslosenzahlen in Europa, das beste Wirtschaftswachstum, das beste Rating und steigende Steuereinnahmen. Muß sich eine Regierung denn lieb haben?
Hoffentlich. CDU und FDP können sich doch jetzt nicht einfach aus der Verantwortung stehlen - die sollen man schön weiter die Karre in die richtige Richtung fahren. Große Koalition oder Neuwahlen. Nichts da! Ist die SPD nicht schon genug geschrumpft? Was ist das für eine Demokratie in der dauernd neu gewählt wird bis das Ergebnis passt? Wir haben im Bund und in NRW aktuelle Ergebnisse und Mehrheiten. Also schön die Mehrheiten beachten und weiter die Karre ins Ziel fahren.
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