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Forsa-Erhebung: Piratenpartei liegt in Umfrage bei sieben Prozent

Erst das Berliner Abgeordnetenhaus, später der Bundestag? Zumindest im Moment kommen die Piraten bei den Wählern bundesweit auf sieben Prozent Zustimmung, so die neue Forsa-Umfrage. Damit lassen sie die FDP weit hinter sich. Sie liegt nur bei zwei Prozent - ein Rekordtief.

Piraten in Berlin: auf allen Ebenen Politik gestalten Zur Großansicht
REUTERS

Piraten in Berlin: auf allen Ebenen Politik gestalten

Berlin - Nach ihrem Überraschungserfolg bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stößt die Piratenpartei auch bundesweit auf großes Interesse: Nach dem jüngsten Forsa-Wahltrend vom "Stern" und von RTL würden die Piraten in den Bundestag einziehen, wenn jetzt gewählt würde. Sie kommen auf sieben Prozent Zustimmung. "Selbst die Grünen brauchten nach ihrem ersten Antreten zur Europawahl 1979 vier Jahre, bis sie in den Bundestag kamen", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Er habe einen derartigen Erfolg einer Partei aus dem Nichts wie bei den Piraten noch nicht gesehen.

Die kriselnde FDP verliert in der Umfrage im Vergleich zur Vorwoche erneut einen Punkt - und fällt mit zwei Prozent Zustimmung auf einen Tiefstand. Das Ergebnis der Liberalen führt Güllner auf die Nachwirkungen der Berlin-Wahl zurück, bei der die Freidemokraten den Wiedereinzug ins Landesparlament verfehlten. "In den nächsten Wochen", so Güllner, "kann sich die Partei aber erholen."

Während die Union weiter unverändert bei 31 Prozent liegt, gewinnt die SPD einen Punkt und erreicht 29 Prozent. Die Grünen büßen einen Punkt ein und kommen auf 19 Prozent. Die Linken verlieren 2 Punkte und kommen auf 7 Prozent.

Das Regierungslager aus Union und FDP liegt zusammen mit 33 Prozent jetzt 15 Prozentpunkte hinter einem rot-grünen Bündnis. Es kommt gemeinsam auf 48 Prozent.

Piraten als Protestpartei

Für die Deutschen erfüllen die Piraten vor allem die Rolle einer Protestpartei. Nur sechs Prozent sagen, sie würden die Partei wegen ihrer politischen Ziele wählen. Das ist das Ergebnis einer zweiten Forsa-Umfrage für den "Stern".

84 Prozent der Befragten sehen in den Piraten-Anhängern Wähler, die zu den anderen Parteien kein Vertrauen mehr haben. Diese Einschätzung teilen auch 81 Prozent der Piratenwähler. Immerhin 38 Prozent der Deutschen geben an, das politische Programm der Newcomer zu kennen: An erster Stelle nennen sie die "Freiheit im Internet", gefolgt von "mehr Bürgerbeteiligung" und der Forderung nach mehr "Transparenz".

Überraschend ist die parteipolitische Herkunft der Piraten-Anhänger. Nur 11 Prozent derjenigen, die jetzt für die Partei stimmen würden, haben bei der Bundestagswahl 2009 grün gewählt. Die meisten kommen aus dem Regierungslager: 16 Prozent hatten die Union gewählt, 13 Prozent die FDP. Unter den SPD-Wählern sind es 10 Prozent. 30 Prozent waren Nichtwähler oder noch nicht wahlberechtigt. Derzeit würden vor allem Männer unter 45 Jahren für die Piratenpartei stimmen, darunter sind in erster Linie Schüler und Studenten sowie Arbeiter und Angestellte.

In Berlin hatten die Piraten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus überraschend 8,9 Prozent der Stimmen geholt und waren erstmals in ein Landesparlament eingezogen. Seit Dienstag hat die Piraten-Fraktion einen Vorsitzenden: Sie wählte Spitzenkandidat Andreas Baum zum Fraktionschef. Nach dem Erfolg bei der Berlin-Wahl hatte Bundes-Parteichef Sebastian Nerz die bundespolitischen Ambitionen seiner Partei deutlich gemacht. Die Piraten wollten auf allen Ebene Politik gestalten, sagte er: "Wir sind keine Eintagsfliege."

heb

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1. Man kann die Piraten als Exoten abtun,
adam68161 28.09.2011
- und das werden die etablierten Parteien wohl so machen,aber dann werden sie noch weit mehr Protestwähler einsammeln. Die Unzufriedenheit mit den 4 "staatstragenden" Parteien ist mittlerweile so gross, - s. auch die SPON-Foren - dass viele Wähler jedes Risiko eingehen würden, nur um die herrschende Nomenklatura los zu werden.
2. .
takeo_ischi 28.09.2011
Zitat von sysopErst das Berliner*Abgeordnetenhaus, später der Bundestag? Zumindest im Moment kommen die Piraten bei den Wählern bundesweit auf sieben Prozent Zustimmung, so die neue Forsa-Umfrage. Damit lassen sie die FDP*weit hinter sich. Sie liegt nur bei zwei Prozent - ein Rekordtief. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,788742,00.html
Nur, dass weder Doc Rössler noch die Knopfleiste derzeit Neuwahlen gebrauchen können. Schwarz-Gelb will das alles ausstitzen. Mal schauen ob sich die Unzufriedenheit bis 2013 noch weiter steigert.
3. .
frubi 28.09.2011
Zitat von adam68161- und das werden die etablierten Parteien wohl so machen,aber dann werden sie noch weit mehr Protestwähler einsammeln. Die Unzufriedenheit mit den 4 "staatstragenden" Parteien ist mittlerweile so gross, - s. auch die SPON-Foren - dass viele Wähler jedes Risiko eingehen würden, nur um die herrschende Nomenklatura los zu werden.
So siehts mal aus. 2013 geht meine Stimme an die Piraten. Mir gefallen zwar nicht alle Programmpunkte aber mir gefällt deren offene und frische Art. Auch wenn die Medien jetzt schreiben, dass es intern die ersten Streitigkeiten gibt. Ja und? Ist doch gut so. Lieber eine Partei deren Mitglieder eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten können als diese verstaubten Abnickervereine.
4. Kein Wunder
josephwurzel 28.09.2011
Kein Wunder die hohe Zustimmung zu den Piraten. Wenn Leute wie Volker Kauder Internetsperren für Raubkopierer einführen wollen, kann nur die Zustimmung steigen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,788361,00.html Vorratsdatenspeicherung ist noch immer nicht vom Tisch. Alles Themen, wo die Piraten punkten können
5. Risiko?
Dilmun 28.09.2011
Zitat von adam68161- und das werden die etablierten Parteien wohl so machen,aber dann werden sie noch weit mehr Protestwähler einsammeln. Die Unzufriedenheit mit den 4 "staatstragenden" Parteien ist mittlerweile so gross, - s. auch die SPON-Foren - dass viele Wähler jedes Risiko eingehen würden, nur um die herrschende Nomenklatura los zu werden.
Welches Risiko geht man denn bei der Wahl von der Piraten Partei ein? Sind alles gebildete Leute und wenn die auch noch ueber gesunden Menschenverstand verfuegen, ist das mehr als man von allen anderen erhoffen kann. Ich glaube wir haben es alle satt, von machthungrigen Politikern geleitet zu werden, die nur an die naechste Wahl denken, aber wenig daran, was fuer kommende Generationen wichtig sein koennte. Daher koennen die auch nicht die Transparenz zulassen, die die Piraten fordern.
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