Neue Umfrage Anteil der Politikverdrossenen steigt auf 30 Prozent

Die Politikmüdigkeit in Deutschland steigt: 30 Prozent der Bürger wissen laut einer Forsa-Umfrage nicht, ob sie überhaupt wählen gehen - und wenn, welcher Partei sie ihre Stimme geben sollen. Zehn Prozent der Befragten würden sich für Splitterparteien entscheiden.


Berlin - Immer später entscheidet sich der Wähler, ob er seine Stimme abgibt, und wenn er dies dann tut, für welche Partei er votieren will. In diesem Jahr ist Superwahljahr in Deutschland: In Hessen und Bayern bestimmen die Wähler die neue Zusammensetzung ihrer Landtage, am 22. September die des Bundestags. Doch etwas mehr als fünf Monate vor der Bundestagswahl steigt der Anteil der Unentschlossenen und Nichtwähler. Inzwischen macht er laut neuem Wahltrend von RTL und "Stern" 30 Prozent aus. Das ist ein Plus von drei Punkten.

Außerdem ist der Anteil der Splitterparteien mit insgesamt zehn Prozent weiter hoch. Zu den Kleinparteien zählt das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das den Wahltrend erhebt, auch die Piraten, die in den vergangenen Monaten vor allem durch Dauerquerelen auffielen. Die Piratenpartei liegt laut Umfrage nun bei drei Prozent und die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland bei zwei Prozent.

Rechnet man den Anteil der Splitterparteien und den der Unentschlossenen und Nichtwähler zusammen, haben 40 Prozent der Befragten den etablierten Parteien den Rücken gekehrt. Daran hätten auch die jüngsten Parteitage nichts geändert, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem "Stern". "Während dort früher über Themen, die die Menschen bewegten, debattiert wurde, laufen dort heute nur noch Rituale ab."

Die Ergebnisse der einzelnen Parteien im Überblick:

  • Die Union kann sich im Vergleich zur Vorwoche auf 40 Prozent verbessern - das ist ein Zugewinn von einem Punkt.
  • Der Koalitionspartner FDP verharrt bei 4 Prozent.
  • SPD und Grüne verlieren jeweils einen Punkt: Die Sozialdemokraten kommen nun auf 23, die Grünen auf 14 Prozent.
  • Im Oppositionslager hat nur die Linke einen Punkt dazugewinnen können, sie erreicht jetzt neun Prozent.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Forsa befragte 2001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden.

Zeitraum: 6. bis 10. Mai 2013

Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte

heb

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 581 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karlsiegfried 15.05.2013
1. Ist doch kein Wunder
Ich wähle schon seit 20 Jahren nicht mehr. Demokratischer Feudalismus ist nicht wählbar und basta.
rosiratlos 15.05.2013
2. Ich bin jetzt mal ganz mutig
und oute mich. Ich gehöre nämlich zu den 40 Prozent. Für mich ist keine der etablierten Parteien wirklich wählbar. Ich weiß, dass nicht wählen nix bringt. Aber ich bin völlig ratlos und wütend.
hauptsachemalwassagen 15.05.2013
3. kein Wunder
wenn ich wählen gehe akzeptiere ich ja die Flachzangen, welcher Partei Sie auch immer angehören mögen. Nur wenn ich nicht wählen gehe zeige ich denen was ich von den Flachzangen halte. Bodenhaftung,vernünftige Themen und keine Selbstbedienungsamigos und die Wahlbeteiligung wird wieder steigen.
bürger_prollmann 15.05.2013
4. Mehr nicht ????
Es fällt schwer, diese Zahlen zu glauben. Nur 30% Verdrossene? Gefühlt dürften es eher 70% sein ... Entweder kommen die Zahlen aus dem Agit-Pop-Büro der Partei oder die große Masse glaubt immer noch den Lügen und Durchhalteparolen der Alternativlosen ...
daldner 15.05.2013
5. ich gehöre auch dazu...
weil es mir inzwischen egal ist, welche Truppe von Laiendarstellern mir gerade Demokratie und Regieren vorspielt. Die Entscheidungen in diesem Land treffen Banken und Konzerne, während die Politiker sich hauptsächlich mit ihren Pfründen, ihren Intrigen und ihrer Vetternwirtschaft befassen. Alle 4 Jahre braucht man den "Urnenpöbel" dann mal für eine "Weiter-So"? Nicht mehr mit mir.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.