Umfrage zur Bundestagswahl: Piraten profitieren von NSA-Skandal

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Piraten beim Bundesparteitag in Neumarkt (Mai 2013): Wert verdoppelt

Der Zuspruch der Wähler für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist weiterhin groß - trotz der NSA-Affäre und der Angriffe der Opposition. Vom Spähskandal können SPD und Grüne laut einer neuen Umfrage nicht profitieren. Einzige Gewinner sind die Piraten.

Berlin - Wochenlang lag die Piratenpartei gerade einmal bei zwei Prozent in den Umfragen, sie wurde nur noch unter der Kategorie "Sonstige Parteien" geführt. Jetzt legt sie in der Gunst der Wähler wieder zu. Im neuen Wahltrend von "Stern" und RTL verdoppelt die Partei ihr Ergebnis von zwei auf vier Prozent. Das ist ihr bester Wert in der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa seit Mitte Januar.

Die Ergebnisse der Parteien im Überblick:

  • Die CDU/CSU verharrt bei 41 Prozent,
  • die FDP bleibt bei fünf Prozent,
  • die SPD fällt dagegen um einen Punkt auf 22 Prozent,
  • die Grünen verlieren zwei Punkte, landen bei zwölf Prozent und
  • die Linke legt um einen Punkt auf neun Prozent zu.

Zwei Monate vor der Bundestagswahl hat die Regierungskoalition aus Union und Liberalen mit 46 Prozent einen Vorsprung von drei Punkten auf SPD, Grüne und Linke. Diese kommen zusammen auf 43 Prozent.

"Viele halten die persönlichen Attacken für überzogen"

Auch am Bild von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben die Angriffe der Opposition bisher nicht kratzen können. Die SPD attackiert seit Wochen die Regierungschefin, sie wirft Merkel in der Spähaffäre des US-Geheimdienstes NSA vor, untätig zu sein. Am Wochenende hatte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sie sogar an ihren Amtseid erinnert.

In der Forsa-Umfrage hat die Affäre dennoch kaum Auswirkungen. Bei einer Direktwahl des Regierungschefs würden sich wie in der Vorwoche 57 Prozent der Deutschen für Merkel entscheiden - nur 21 Prozent (plus ein Prozentpunkt) für ihren Herausforderer Steinbrück (SPD).

Zur Frage, warum die Angriffe der Opposition gegen die Regierung in der NSA-Affäre so ins Leere liefen, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem "Stern": "Auch wenn Angela Merkel in dieser Sache nicht unbedingt geglaubt wird, so halten viele Menschen die persönlichen Attacken auf sie doch für überzogen. Etwa wenn SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück ihr vorwirft, sie habe ihren Amtseid gebrochen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden."

Generell habe das Gezänk der Parteien dazu geführt, dass die Politikverdrossenheit leicht angestiegen sei. Dies erkläre auch den Zuwachs der Piratenpartei. Güllner sagte: "Die Piraten bündeln den Unmut, der durch NSA und die Unglaubwürdigkeit der Politiker entstanden ist".


Stichprobe: Forsa befragte 2500 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger durch computergesteuerte Telefoninterviews, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden.

Zeitraum: 15. bis 19. Juli 2013

Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte

heb

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1.
Rido 24.07.2013
"Auch am Bild von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben die Angriffe der Opposition bisher nicht kratzen können." Was muss sie denn noch anstellen, damit mal ihr Sockel Risse bekommt? - Bier verbieten? - Der neue Stürmer vom BvB werden? Meine Güte, das ist wie damals mit der Birne.
2.
EvilGenius 24.07.2013
Man kann den Piraten sicher vieles vorwerfen, aber immerhin nicht, dass sie von diesem beispiellosen Bruch des Grundgesetzes gewusst oder gar daran beteiligt waren. Von daher: ich hätte lieber die Piraten im Bundestag als beispielsweise die FDP...
3. Mehr inhaltliche Berichte über die Position der Piratenpartei
perspective 24.07.2013
Trotz aller Einschätzungen als Chaos-Truppe und Dilletantismus -- in dem aktuellen NSA/PRISM Thema hat die Piratenpartei gute Leute und einiges beizutragen. Schade, dass sie kaum auf Spiegel Online erwähnt werden. Oder hab ich Interviews mit, z.B. Udo Vetter, übersehen? Würde sich anbieten. In seinem Blog schreibt er ein paar wirklich gute Sachen und NSA, PRISM & Co.
4. Muddi und der Sack Reis
bigroyaleddi 24.07.2013
sind dem geehrten Wahlvolk wohl schietegal. Ob in China ein Sack Reis umfällt oder ob Muddi ihren dicken Hintern weiter auf jedmögliches Problem setzt. Na Mahlzeit. Muss ich mich jetzt vor weiteren 4 Jahren Murkselkoalition fürchten?
5. Die Gleichgültigkeit
Tahlos 24.07.2013
der Kanzlerin kann wohl allenfalls von denen geteilt werden, die mit Internet nichts am Hut haben oder die sich ihre Welt schön reden. Das scheinen ja immer noch mehr zu sein, als man glauben mag. Andererseits ist die Oppoition SPD/Grüne ja eher unscheinbar und nur ansatzweise sichtbar. Glaubwürdig sind beide jedoch keinesfalls. Und die Linke scheint ja überhaupt nicht in der Presse zu existieren.
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