Neuer Wahltrend: Merkel schwebt, Rösler schlittert

Die Kanzlerin schwebt auf einem Siebenjahreshoch ins Jahr 2013: Die Union verbucht 41 Prozent im neuen Forsa-Wahltrend. Doch was hilft Angela Merkel das, wenn ihr Koalitionspartner schwächelt? Die FDP legt einen denkbar schlechten Rutsch ins neue Jahr hin - unter die Fünfprozenthürde.

Kanzlerin Merkel im Glück: Ihre Union hat so gute Werte wie seit sieben Jahren nicht Zur Großansicht
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Kanzlerin Merkel im Glück: Ihre Union hat so gute Werte wie seit sieben Jahren nicht

Hamburg - Gute Nachrichten für Kanzlerin Angela Merkel: Die Union startet mit der größten Wählerzustimmung seit fast sieben Jahren in das Bundestagswahljahr 2013. Dem am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Wahltrend der Zeitschrift "Stern" und des Privatsenders RTL zufolge springt sie im Vergleich zur Vorwoche um ganze drei Punkte auf 41 Prozent - der höchste Wert für CDU und CSU seit Anfang März 2006.

Ob Merkel selbst mit so einem guten Ergebnis bei der Bundestagswahl 2013 an der Macht bliebe, ist derzeit jedoch unsicher. Denn eine Neuauflage der schwarz-gelben Regierung könnte nach dem Urnengang im Herbst an den Liberalen scheitern: Der Koalitionspartner FDP fällt zum Jahreswechsel um einen Punkt auf vier Prozent zurück, die Partei würde also den erneuten Einzug in den Bundestag verpassen.

Zwei bundesweite Umfragen - der Forsa-Wahltrend sowie eine Insa-Erhebung für die "Bild"-Zeitung - hatten die FDP zuletzt zwar bei fünf Prozent gesehen, so dass die Liberalen sich den Sturz unter die magische Grenze als unangenehmen Ausrutscher kleinreden mögen. Andererseits war ihnen laut Forsa der Sprung über die Fünfprozentgrenze zuvor schon seit Mitte September nicht mehr gelungen.

Kippt Hannover, wackelt auch Röslers Stuhl

Die krisengeplagte Partei schlittert also auf wackligen Beinen ins neues Jahr, das mit den Landtagswahlen am 20. Januar in Niedersachsen auch gleich mit einem Termin beginnt, der nicht nur die Machtverhältnisse an der Leine neu ordnen könnte - sondern auch innerhalb der FDP.

Denn wohl nur wenn die Liberalen den Einzug ins Parlament in Hannover schaffen, hätte auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) eine Chance, im Amt zu bleiben. Die letzten Umfragen deuten jedoch eher auf ein Drei-Parteien-Parlament hin, da sowohl Linkspartei, Piraten als auch FDP an der Fünfprozenthürde zu scheitern drohen - die Liberalen liegen in Umfragen derzeit bei vier Prozent. Das Ergebnis wäre eine rot-grüne Landesregierung.

Eine Niederlage in Niedersachsen dürfte FDP-Parteichef Philipp Rösler noch stärker in Bedrängnis bringen, als er es ohnehin schon ist. Sollte die FDP - zumal in Röslers politischer Heimat - aus dem Landtag fliegen, sind neue Debatten über den Vorsitzenden und seine Rolle als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl im September programmiert.

Was auf ihn zukäme, davon gibt wenige Tage vor dem FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart und gut drei Wochen vor der Niedersachsen-Wahl das FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel eine Kostprobe. Der Entwicklungsminister ging - erneut - auf Distanz zu dem Wirtschaftsminister und Vizekanzler. Niebel bezeichnete es laut "Focus" als "nicht zwingend notwendig", dass Rösler die Partei auch als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führt.

Niebel selbst weist alle Ambitionen auf den Parteivorsitz von sich. Als aussichtsreichster Kandidat gilt dafür aber ohnehin Rainer Brüderle. Und den halten unter den FDP-Wählern laut Forsa 48 Prozent für geeigneter als Rösler, um die Partei zu führen. FDP-Fraktionschef Brüderle sagte der Wochenzeitung "Zeit" jedoch treuherzig: "Ich unterstütze Philipp Rösler als Vorsitzenden meiner Partei, und das werde ich auch nach der Landtagswahl in Niedersachsen tun." Immerhin: Zählt man die Nicht-FDP-Klientel dazu, fällt das Ergebnis auch weit weniger deutlich zu seinen Gunsten aus. Nur 34 Prozent aller Befragten würden Brüderle den Vorzug geben, 37 Prozent sehen in ihm gar nicht mal den besseren FDP-Chef. Für die Forsa-Umfrage wurden zwischen dem 17. und 21. Dezember 2500 Bürger repräsentativ befragt.

Die SPD plagen solche Personal-Planspiele derzeit nicht - sie schließt das Jahr mit unverändert 27 Prozent ab. Die Grünen fallen um einen Punkt auf 13 Prozent. Wie in der Vorwoche wollen aktuell acht Prozent für die Linke und drei Prozent für die Piraten stimmen. Sonstige Parteien kommen auf vier Prozent.

Neun Monate vor der Bundestagswahl hätten Union und FDP damit einen Vorsprung von fünf Prozentpunkten vor SPD und Grünen - aber eben nur, falls die FDP bei der Bundestagswahl besser abschneidet, als sie in das Jahr 2013 reinzukommen scheint.

tdo/dpa/Reuters

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insgesamt 297 Beiträge
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1. Fdp
Hank the voice 26.12.2012
kicken wir die FDP aus dem Parlament. Beweisen wir das der Wähler auch etwas bewirken kann. Beweisen wir, das das Volk den parlamentarischen Arm der Heuschrecken und Klientelpolitiker aus den Machtzentren der Republik zu werfen vermag.
2.
Hafenschiff 26.12.2012
Hier mal eine schöne Übersicht über die aktuellsten Umfragen aller Umfrageinstitute: Sonntagsfrage – Umfragen zur Bundestagswahl (Wahlumfrage, Wahlumfragen) (http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm) Die Liste wird laufend aktualisiert. Wer sich da mal schnell über den aktuellen Wahltrend informieren will, kann da immer mal schauen, ohne erst aufwendig rumsuchen zu müssen. Solche Übersichten gibt's auch für alle Bundesländer.
3. nee
dadanchali 26.12.2012
Zitat von sysopAFPDie Kanzlerin schwebt auf einem Siebenjahreshoch ins Jahr 2013: Die Union verbucht 41 Prozent im neuen Forsa-Wahltrend. Doch was hilft Angela Merkel das, wenn ihr Koalitionspartner schwächelt? Die FDP legt einen denkbar schlechten Rutsch ins neue Jahr hin - unter die Fünf-Prozent-Hürde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/forsa-union-erreicht-siebenjahreshoch-fdp-liegt-unter-fuenf-prozent-a-874677.html
Wie Merkel dahinkommt bleibt für michin Rätsel. Maximal verwaltend, niemals kreativ, völlig ideenfrei das ist mein Bild von dieser Frau. Die Alternativen, nun ja, sind nicht unbedingt besser. Die FDP macht mir Hoffnung, nicht das wir dadurch die Frau Merkel loswürden, aber zumindest diese unfähigste deutsche Regierung aller Zeiten.
4. die 45% Gefahr
sichersurfen 26.12.2012
Zitat von sysopAFPDie Kanzlerin schwebt auf einem Siebenjahreshoch ins Jahr 2013: Die Union verbucht 41 Prozent im neuen Forsa-Wahltrend. Doch was hilft Angela Merkel das, wenn ihr Koalitionspartner schwächelt? Die FDP legt einen denkbar schlechten Rutsch ins neue Jahr hin - unter die Fünf-Prozent-Hürde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/forsa-union-erreicht-siebenjahreshoch-fdp-liegt-unter-fuenf-prozent-a-874677.html
Auch wenn die FDP derzeit unter 5% liegt, zeichnet sich doch ab, daß die Gefahr der Fortsetzung der besten Regierung seit der Wiedervereinigung besteht. Wenn die FW und die Piraten knapp scheitern, reichen durchaus bereits um die 45% zur absoluten Mehrheit. Schafft dann die FDP mit Brüderle und/oder Lindner doch die 5%, dann gibt es wieder die beste Regierung. Trösten könnten mich dann nur die entsetzten Gesichter der SPD und der Grünen. Wobei, vielleicht feiern die Sozis den Steinbrück dann auch so wie vormals Steinmeier.
5. warum
catman40@web.de 26.12.2012
... die Union 41 % erhalten, ist mir schleierhaft? Das zeigt mir, das es der Bevölkerung zu gut geht und das der deutsche Michel auf hohem Niveau, jammert! Schwarz/Gelb, nein Danke! Harry
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