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Forumsdebatte zu Sarrazin: "Matusseks Gegenwut rockt"

Mehr als eine Viertelmillion Leser, mehr als 1200 Forumsbeiträge: SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek, der Provokateur Sarrazin im Kern recht gibt, hat extreme Reaktionen hervorgerufen. Viele positive - aber mancher Leser äußert sich auch erschüttert.

Thilo Sarrazin provoziert: Bei vielen Deutschen ein "Endlich-sagt-das-mal-einer"-Gefühl ausgelöst Zur Großansicht
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Thilo Sarrazin provoziert: Bei vielen Deutschen ein "Endlich-sagt-das-mal-einer"-Gefühl ausgelöst

Hamburg - Die Diskussion über die umstrittenen Thesen Thilo Sarrazins ist längst noch nicht beendet. Sein Buch "Deutschland schafft sich ab" hat eine Integrationsdebatte ausgelöst, wie sie Deutschland zuvor noch nicht erlebt hat. Auch wenn Politiker jeglicher Couleur gegenhalten, er aus Partei und Amt geworfen werden soll, hat Sarrazin doch bei vielen Landsleuten ein "Endlich-sagt-das-mal-einer"-Gefühl ausgelöst.

Und dass Matthias Matussek am Montag bei SPIEGEL ONLINE - zwar mit vielen Einschränkungen und viel Kritik - aber im Kern Sarrazin doch Recht gegeben hat, das hat eine ähnlich hitzige Debatte ausgelöst. Innerhalb weniger Stunden hatte der Text über 250.000 Leser gefunden, im Sekundentakt gingen Forumsbeiträge ein, am Dienstagnachmittag waren es mehr als 1200, dazu noch mehr als hundert Leserbriefe:

SPEGEL ONLINE dokumentiert eine Auswahl der Beiträge:

Der weitaus größte Teil der Leserbriefe und Forumseinträge ist voller Zustimmung für den Artikel von Matussek. "Ein ganz phantastischer Beitrag! Ich hoffe es folgen weitere!", schreibt etwa mmk749 im SPIEGEL-ONLINE-Forum. Ein Leser, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben möchte, äußert sich ähnlich. Er schreibt: "Vielen Dank für diesen Artikel! Das ist das beste was ich seit langem gelesen habe. Mathias Matussek rockt. Bitte mehr von solchen Klartextartikeln abseits vom politisch-korrekten Saalschutz."

• Dieter Boley will sich endlich ungeschönt äußern dürfen: "Wann endlich darf ich mich als Deutscher über Menschen, die offensichtlich nichts mit westlichen Werten und westlicher Gesellschaftsordnung zu tun haben wollen und diese ablehnen, offen und negativ äußern? 300 Jahre nach dem Holocaust vielleicht? Dies, obwohl ich einem unverdächtigen Jahrgang entstamme? Juristen kennen im Strafrecht keine vererbbare Schuld!!"

• Auch Klaus Übber beklagt eine bisher einseitige Diskussion in Deutschland: "Durch Sarrazin wird deutlich wie Meinungsfreiheit einseitig von der Political-Corectness-Kaste für sich reklamiert wird."

• Klaus Axmacher meint zum selben Punkt: "Richtig entsetzt bin ich aber von den Reaktionen der Kreise die zwar die Meinungsfreiheit als höchstes demokratisches Gut preisen aber in Falle Sarrenzin die Meinung eines unbequemen Bürgers mit allen Mitteln niedermachen."

• Ein 26-Jähriger, der lieber anonym bleiben möchte, schreibt, dass er es satt hat, Angst und Unruhe zu spüren, wenn er an Gruppen arabischer oder russischer Jugendlicher vorbeigeht. "Zu oft schon habe ich den Satz 'Was guckst du' und 'scheiss Deutscher" gehört - zu oft. Ich bin es einfach Leid mich in meinem eigenen Land unterordnen zu müssen und kleinbei zu geben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Politiker niemals auf ihrem Weg zur Arbeit in eine solche Situation geraten werden."

• Auch Tommi16 sieht eine Wende in Deutschland kommen. "Jawoll-jawoll-jawoll! Endlich fängt man an, die Tatsachen zu sehen. Fragen Sie mal Polizisten, ARGE-Mitarbeiter, Lehrer, Ärzte, Zugbegleiter, Verkäufer und all die anderen mehr, die tagtäglich mit denen zu tun haben, die sich integrieren sollen."

• 4verve wendet sich gleich an die Kritiker und will sich nicht in die rechte Schublade stecken lassen. "Nicht alle Befürworter von Sarrazins Thesen sind Rechte, nicht alle sind primitiv oder einfältig, nicht alle hassen Türken, nicht alle wollen die Gesellschaft spalten, nicht alle haben nichts aus der deutschen Geschichte gelernt."

"Fürchterlich, Matussek, ganz fürchterlich!"

• Patrice Poutrus wirft dagegen Sarrazin und auch SPIEGEL-ONLINE-Autor Matussek in seinem Leserbrief vor, Ausländer gar nicht wirklich aufnehmen zu wollen. "Über die Integrationsangebote von Herrn Sarrazin und Ihnen würde ich auch gern mal mehr erfahren. Herr Sarrazin ist in Berlin vor allem dadurch aufgefallen, dass er als Finanzsenator solche Angebote mit selbstgerechter Geste weggespart hat. Jetzt ist auch klar warum: für ihn hat dies ohnehin nie Sinn gemacht."

• Sapere aude argumentiert im Forum ähnlich. "Welche Integrationsangebote? Die deutsche Gesellschaft hat sich doch gut mit der Situation arrangiert. Man will doch bspw. gar nicht, dass die Kinder dieser Leute auf dieselbe Schule wie die eigenen Kinder gehen, und man will auch nicht, dass sie neben einem wohnen."

• Hamock wirft Matussek vor, Sarrazins Rassismus nicht erkannt zu haben. "Fürchterlich, Matussek, ganz fürchterlich! Rassistische Ausfälle sind niemals ein Beitrag zu einer Diskussion. Sie sind ein Kennzeichen, dass ein Sprecher, nämlich Sarrazin, am Ende ist. Intellektuell, sozial und gesellschaftlich. Das sollte als solches erkannt werden."

• Ein Menschenbild mit sozialdarwinistischen Anklängen wirft Stephan Patscher Sarrazin vor. "Herr Sarrazin äußert sich ja nicht zum ersten Mal, denken Sie nur an seine Aussagen an die Adresse von Harz-IV-Empfängern. Sie mögen es ja als erfrischend incorrect empfinden, wenn da einer notorisch auf Menschengruppen eindrischt, die wirtschaftlich eher am unteren Ende der Gesellschaft anzusiedeln sind."

ler

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
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1. hm
harrybr 07.09.2010
Zitat von sysopMehr als eine Viertelmillion Leser, mehr als 1200 Forumsbeiträge: SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek, der Provokateur Sarrazin im Kern recht gibt, hat extreme Reaktionen hervorgerufen. Viele positive - aber mancher Leser äußert sich auch erschüttert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716166,00.html
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2. Wie doch eine auch verfassungsmäßig
pater, 07.09.2010
verbriefte Sache wie die Meinungsfreiheit, wenn sie denn auch unseren Blätterwald erreicht, Furore macht. Danke, Herr Matussek. Aber es muß weitergehen. Denn den "Neuen Jakobinern" haben wir in unserem Land noch viel mehr Ungemach zu verdanken (Bildungsmisere, Klimahysterie etc.).
3. Matthias Matussek hat recht!
mundi 07.09.2010
Zitat von sysopMehr als eine Viertelmillion Leser, mehr als 1200 Forumsbeiträge: SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek, der Provokateur Sarrazin im Kern recht gibt, hat extreme Reaktionen hervorgerufen. Viele positive - aber mancher Leser äußert sich auch erschüttert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716166,00.html
Matthias Matussek hat recht! Immer wenn über Sarrazins Buch gesprochen wird, gehört es zum Ritual oder zu einer Pflichtübung, zu sagen "es gefällt mir nicht, wie er es sagt" oder "manche Ausdrücke hätte er weglassen sollen" oder "Der Stil ist zwar nicht gut", usw. usw. bis man endlich zur Sache kommt, etwa "Im Kern hat er schon recht". Es wird mit Wortwahl, Nebenschauplätzen, wie Gentechnik, Biologie usw. vom eigentlichen Thema abgelenkt: *Stimmt es, dass unter gleichen Bedingungen, mehrheitlich sich nur muslimische Immigranten in Europa schlechter integrieren als nichtmuslimische Immigranten, oder stimmt es nicht?* Wenn es stimmt, was sind die Gründe? Darüber sollte man diskutieren und nicht S. fertigmachen! Immer nur das Schleichen um den heißen Brei
4. Das Kaisers Kleider
Hartmut Dresia, 07.09.2010
Wenn der Papst plötzlich nackt durch die Straßen läuft, dann erzielt das natürlich eine hohe Aufmerksamkeit. Wenn Kultur-Matussek mit offensichtlicher Blindheit geschlagen Provokateur Sarrazin huldigt, dann ist das Staunen eben groß. Beides sagt aber nichts über die Qualität der jeweiligen Aktion. Der Kirche würde es kaum nützen, dem Ansehen Matusseks nützt es ebensowenig. Er ist eben nur überfordert einzusehen, dass Sarrazin ein im Kern biologistisches und rassistisches Menschenbild vertritt (http://www.breisen.de/2010/es-geht-um-das-versagen-von-bildungseinrichtungen-nicht-um-genetik/).
5. ...
kongo-otto 07.09.2010
Matthias Matussek ist einer der wenigen erlichen Menschen in der Medienwelt. Danke dafür. Ich habe fasziniert am Sonntag den Artikel und die anschließende Diskussion gelesen. 2 Stunden lang.
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Illustration DER SPIEGEL / Fotos Marc Darchinger; AFP Foto
Heft 35/2010:
Die Dagegen-Republik
Stuttgart 21, Atomkraft, Schulreform - Bürgeraufstand gegen die Politik

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Kodex für Bundesbank-Vorstände
Die Deutsche Bundesbank ist politisch unabhängig, ihre Vorstände müssen sich aber an gewisse Regeln halten. Diese sind seit Juli 2004 im Verhaltenskodex für Bundesbank-Vorstände festgehalten. Ein Überblick. Quelle: dpa
Ansehen der Bundesbank wahren
Alle sechs Vorstände haben den Verhaltenskodex unterschrieben. Danach arbeiten sie unabhängig, unparteiisch und nehmen keine Geschenke an. Der Kodex schreibt den Vorständen vor, dass sie sich "jederzeit in einer Weise verhalten, die das Ansehen der Bundesbank und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Bundesbank aufrecht erhält und fördert".
Interessenkonflikte vermeiden
Bei ihrer Amtsausübung handeln sie ohne Rücksicht auf eigene Interessen, heißt es: "Sie vermeiden Situationen, die zu persönlichen Interessenkonflikten führen könnten, und legen dem Vorstand unvermeidbare persönliche Interessenkonflikte offen."
Auftritte in der Öffentlichkeit
Der Ethikkodex erlaubt es Bundesbank-Vorständen, öffentlich Reden zu halten oder Texte zu verfassen, die nicht ihrem Amt bei der Notenbank zuzurechnen sind. Allerdings gilt die Einschränkung: "Die Vorstandsmitglieder stellen in ihren Beiträgen klar, dass sie diese als Privatpersonen verfasst haben und die Beiträge nicht notwendigerweise die Ansicht der Bank wiedergeben."
Prüfung von Regelverletzungen
Ob ein Vorstand die Regeln des Kodex übertreten hat, prüft der Ethik-Beauftragte der Bundesbank in jedem Einzelfall. Seit Oktober 2009 ist Professor Dr. Uwe H. Schneider von der Technischen Universität Darmstadt "Beauftragter für Corporate Governance der Bundesbank".
Entlassungsverfahren
Hält sich ein Mitglied des Leitungsgremiums nicht an die Vorgaben, kann das sechsköpfige Gremium mit Stimmenmehrheit beschließen, die frühzeitige Entlassung eines Mitglieds beim Staatsoberhaupt zu beantragen. Die Regierung müsste die Entlassungsurkunde des Bundespräsidenten gegenzeichnen.
Gründe für Entlassung
Für einen solchen Schritt gibt es nur zwei Gründe: Entweder ist der Vorstand krank und dienstunfähig, oder er hat sich eine "grundsätzliche und weitreichende Verfehlung" zuschulden kommen lassen - dieser Begriff ist allerdings nicht genau definiert. Dazu gehört eine Straftat oder eben ein Verstoß gegen den Verhaltenskodex.
Bislang keine Entlassung
In der mehr als 50-jährigen Geschichte der Notenbank ist es noch nie vorgekommen, dass ein Vorstand wegen Verfehlungen entlassen wurde. Ernst Welteke, der 2004 über eine Affäre wegen einer Einladung in ein Luxushotel stolperte, reichte seinen Rücktritt ein.

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