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Umstrittene Erdgasförderung: Fracking-Gegner drängen Bundesregierung zu Komplettverbot

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Symbolische Bohrung: Umweltschützer vor dem Bundesumweltministerium in Berlin Zur Großansicht
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Symbolische Bohrung: Umweltschützer vor dem Bundesumweltministerium in Berlin

Die Bundesregierung plant ein Teilverbot von Fracking - zumindest bis zum Jahr 2021. Aber was passiert danach? Kurz vor den entscheidenden Verhandlungen für ein Gesetz machen die Gegner mobil.

Berlin - Seit Monaten arbeitet die Bundesregierung an einem Fracking-Gesetz, bald soll es unterschriftsreif sein. Das Thema erregt die Gemüter: Für viele Menschen ist es eine gruselige Vorstellung, dass tief im Erdboden mit Hilfe von Chemikalien Gestein aufgebrochen wird, um Gas zu gewinnen. Kurz vor der Fertigstellung des Gesetzentwurfs erhöhen Kritiker der umstrittenen Bohrmethode den Druck auf die Bundesregierung.

"Fracking verlängert das Zeitalter der klimaschädlichen fossilen Energien, die Umweltrisiken sind unwägbar. Das ist falsch", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister, Robert Habeck (Grüne), SPIEGEL ONLINE. "Wir brauchen dringend eine klare gesetzliche Regelung, die Fracking ausschließt. Was die Bundesregierung derzeit plant, lässt dagegen zu viele Schlupflöcher", sagte Habeck weiter.

Ein offizieller Gesetzentwurf liegt noch nicht vor. Klar ist bislang nur, dass die Bundesregierung ein zeitlich befristetes Teilverbot plant:

  • Demnach sollen Bohrungen, die relativ nahe an der Oberfläche liegen (bis zu 3000 Meter Tiefe) komplett tabu sein - zumindest bis zum Jahr 2021. Dann soll das gesamte Gesetz überprüft werden und gegebenenfalls auslaufen.
  • Allerdings sollen tiefere Bohrungen, also unterhalb von 3000 Meter, weiterhin erlaubt sein. Für dieses sogenannte konventionelle Fracking sollen neue, strengere Umweltauflagen gelten.
  • Probebohrungen zu Forschungszwecken darf es weiter geben. Grundsätzlich hält die Bundesregierung damit die Tür für Fracking in Deutschland offen.
  • In sensiblen Wasserschutzgebieten soll Fracking nicht zum Einsatz kommen. Die Bundesländer können zudem selbst Regionen festlegen, in denen nicht gefrackt werden darf.

In Kürze soll das Regelwerk in die Ressortabstimmungen gehen. Doch auch aus den Reihen der schwarz-roten Koalition dringt Kritik am Fracking-Kurs der Bundesregierung. Die SPD-Umweltexpertin Nina Scheer fordert, die geplante 3000-Meter-Grenze zu überarbeiten. "Auch in tieferliegenden Gesteinsschichten muss Schiefergas-Fracking zu kommerziellen Zwecken ausgeschlossen sein", sagt sie.

"Nicht für alle Ewigkeit ausschließen"

Die Verhandlungen über ein Fracking-Gesetz laufen derzeit auf Hochtouren. Im Sommer legten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) gemeinsame Eckpunkte vor. Auf absehbare Zeit werde es kommerzielles Fracking nicht geben, versprachen die Minister. "Gleichzeitig schließen wir es aber auch nicht für alle Ewigkeit aus."

Doch eine Reform ist kompliziert. Vor allem über die Dauer des Teilverbots gibt es in der Bundesregierung Streit. Im Wirtschaftsministerium favorisiert man, dass das Moratorium im Jahr 2021 einfach erlischt. Das könnte die Möglichkeiten für Fracking in Deutschland langfristig erweitern. Im Umweltministerium möchte man, dass der Bundestag 2021 noch einmal extra über ein mögliches Anschlussgesetz abstimmen muss. Am Dienstag setzte sich dem Vernehmen nach Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) deshalb mit Hendricks zusammen. Über Ergebnisse wurde nichts bekannt.

"Für die Zeit nach 2021 darf Fracking auf keinen Fall automatisch erlaubt werden", kritisiert die SPD-Abgeordnete Scheer weiter. Doch auch die Fracking-Befürworter machen in diesen Tagen mobil. "Leider wurden in der Vergangenheit teilweise gezielt Ängste bei den Menschen geschürt, die oft nichts mit der Realität zu tun haben", sagt Joachim Pfeiffer (CDU), wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Ein Beispiel für eine aus seiner Sicht unsachliche Debatte sei "der berüchtigte brennende Wasserhahn aus dem Film 'Gasland'". Die Dokumentation von 2010 porträtiert Anwohner von Fracking-Bohrplätzen und zeichnet ein düsteres Bild. "Da wurden die Leute schlichtweg belogen und für dumm verkauft", kritisiert Pfeiffer. "Deutschland lebt von seiner Offenheit für Innovationen. Technologiefeindlichkeit kann sich unser Land nicht leisten."

Ob der Gesetzentwurf eher den Umweltschützern oder den Öl- und Gaskonzerne entgegenkommen wird, könnte sich schon in der kommenden Woche zeigen. "In absehbarer Zeit wird es einen Gesetzentwurf geben", versprach Hendricks am Dienstag.

Vor den Türen ihrer Behörde nahm sie mehr als 600.000 Unterschriften für ein Fracking-Verbot entgegen. Die Umweltministerin äußerte Verständnis für die Ängste der Menschen. "Sie können mich als Ihre Verbündete betrachten", rief sie den Aktivisten zu.

Zugleich machte Hendricks klar: "Sie werden nicht erwarten können, dass wir eine ganze Industrie mit einem Federstrich streichen."

Mitarbeit: Veit Medick

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Chemie in den Boden: Auf keinen Fall !
ecbert 01.10.2014
Solange beim Fracking Chemie in den Boden gepumpt wird ist es zu verbieten, egal in welcher Tiefe ! Wenn aber eine Technik gefunden wird, bei der keine giftigen Stoffe eingebracht werden müssen, muss diese Art der Gasförderung überdacht werden. Ansonsten müssten wir jeden Bergbau verbieten, denn nicht unbedenkliches Grubenwasser aus Tiefengesteinen fällt leider immer an !
2. Lone Pine
tizian 01.10.2014
Na dann aber schnell, wenn der Investorenschutz von CETA und TTIP erst da ist, dann warten die Lone Pine Anwälte bestimmt schon mit der Klage... http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-03/ttip-fracking
3. 2021
geisterfahrerii 01.10.2014
Ich denke, bis 2021 wird in den Ländern, in denen heute Fracking angewendet wird, so viel passiert sein, das sogar unsere Regierung einsehen muss, dass das der pure Wahnsinn ist. Ich hoffe unsere Regierung hat bis dahin hier noch etwas zu sagen. Weil die Köpfe in der EU leben nur von den schwarzen Koffern, die sind Erkenntnisresistent.
4. Die Erde wird sich rãchen
Sonia 01.10.2014
In den Fracking-Gebieten der USA haben sich, seismografisch nachgewiesen, die Anzahl der Beben jetzt schon verzehnfacht. Noch wackeln nur die Wãnde u. Lampen fallen mal vom Schrank, aber wenn es nur einmal richtig rumst, setzt das Nachdenken die Profitgier außer Kraft? Das verseuchte Wasser ist bei uns Thema. Aber wenn in unserem kleinen Land die Erde rumst, dann dürfte das im letzten Dorf zu spüren sein. Irgendwie wird sich die Menschheit schon auslõschen. Irre gibt es immer mehr.
5. Ich bin für das Fracking
gustavsche 01.10.2014
und gegen den EEG-Quatsch. Ich find's seltsam. Bei Fracking hat man nur unbegründete Ängste, denn nachweislich funktioniert Fracking recht zuverlässig, ohne dass die Umwelt Schaden nimmt. Die Windräder in Deutschland aber häckseln nachweislich 100000te von Vögeln in jedem Jahr. Vermutung überbewerten, aber Tatsachen ausblenden... Wie nennt man sowas? Geistesgestört! Und die "erneuerbaren Energien" bringen nachweislich gar nichts für die CO2-Reduktion. Im Gegenteil: Viele Kohlekraftwerke müssen auf niedrigen Wirkungsgrad als Backup laufe. Die CO2-Emissionen sind durch das EEG sogar noch gestiegen. 2021 ist nicht mehr weit. Bis dahin ist die Energiewende ohnehin gescheitert und gewisse Äußerungen von Sigmar Gabriel stimmen mich recht zuverlässig, dass man hierzulande wieder vernünftig wird. Wäre ich Generalsekretär einer Partei (z. B. der FDP), dann würde ich in den Wahlkampf ziehen mit: "Wir wollen fracken! Wir werden fracken!" Das würde ich plakatieren lassen. Für Greenpeace würde ich die Aberkennung als wohltätiger Verein fordern. Zweistellige Ergebnisse wären garantiert.
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Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu

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