Umstrittene Fördermethode Koalition verschiebt Entscheidung über Fracking

Eigentlich wollte der Bundestag am Freitag über die umstrittene Fördermethode Fracking entscheiden. Doch das Thema wurde nun vertagt, nach der Sommerpause soll weiterverhandelt werden.

Fracking in Kalifornien (Archivbild): In Deutschland umstritten
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Fracking in Kalifornien (Archivbild): In Deutschland umstritten


Die Große Koalition hat die Entscheidung über die geplanten Regelungen für das umstrittene Gas-Fracking verschoben - auf die Zeit nach der Sommerpause. "Es ist notwendig sich für die Klärung der zentralen Fragen noch etwas Zeit zu nehmen. Es gilt Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Matthias Miersch. Eigentlich hätte der Bundestag das entsprechende Gesetzespaket am Freitag auf den Weg bringen sollen.

Kritik an dem neuen Zeitplan kommt von der Union: "Wir waren eigentlich in konstruktiven Verhandlungen. Auf einmal ging es bei der SPD nicht weiter", sagte der CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs. "Wir hätten gerne noch diese Woche verlässliche Fracking-Regeln mit hohen Umweltstandards verabschiedet."

Die "Passauer Neue Presse" hatte zuvor geschrieben, es gebe in beiden Koalitionsfraktionen noch "umfangreichen Beratungsbedarf" und "zahlreiche Änderungswünsche". Vor allem bei den Sozialdemokraten hatte es Widerstand gegen die vorliegenden Pläne gegeben. Der parlamentarischer Geschäftsführer der Union, Michael Grosse-Brömer, bestätigte, es gebe in der SPD noch "Beratungsbedarf" und in der Union "verschiedene Vorbehalte". Das Thema werde wahrscheinlich im Herbst entschieden und zunächst von der Tagesordnung genommen.

Bisher ist geplant, dass statt des Bundestags eine Kommission bewerten soll, ob nach einer Erprobungsphase ab 2019 Unternehmen auch großflächig zu kommerziellen Zwecken Gas mithilfe der Fracking-Technologie aus tiefen Gesteinsschichten fördern dürfen. "Zudem war die CDU/CSU bislang nicht bereit, die vorgesehenen Probebohrungen in ihrer Anzahl deutlich zu beschränken", sagte Miersch.

Zur Technik: Mit Fracking können Erdöl und Erdgas aus Lagerstätten gefördert werden, die mit normalen Abbautechniken nicht zu erschließen sind. Dazu wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Umweltschützer und die Bundestags-Opposition lehnen die Methode ab, sie befürchten eine Verunreinigung des Grundwassers. Die Ölförderindustrie und Teile der Wirtschaft befürworten die Technologie.

"Sind Sie für oder gegen ein vollständiges Verbot von Fracking?"
Anfang Juni hatte sich eine einflussreiche Forschungsinstitution in die Debatte eingemischt. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech), dessen Präsident Henning Kagermann ein Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel ist, hält die umstrittene Gasfördermethode für beherrschbar. Sie befürwortet Erforschung und Einsatz in Deutschland. So stand es in einem Gutachten.

Fracking solle unter hohen Sicherheitsstandards weiter erforscht werden, sagte acatech-Präsident Reinhard Hüttl SPIEGEL ONLINE: "Fracking ist eine Technik, die möglich sein sollte." Schließlich diene sie nicht nur der Gas-, sondern auch der Wärmegewinnung aus dem tiefen Untergrund. Manche Argumente der Gegner seien wissenschaftlich nicht haltbar.

vek/dpa/AFP

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