Umstrittene Fördermethode Oettinger dämpft Erwartungen an Fracking

EU-Kommissar Oettinger sieht nur begrenzte Möglichkeiten für Fracking. Lediglich ein Zehntel des europäischen Energiebedarfs könne durch die umstrittene Methode gedeckt werden.

EU-Kommissar Oettinger: Deutschland soll sich Option offenhalten
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EU-Kommissar Oettinger: Deutschland soll sich Option offenhalten


Berlin - In flachen Gesteinsschichten soll unkonventionelles Fracking verboten werden, der Schutz des Grundwassers gehe vor - diesen Plan legten die Bundesminister Gabriel und Hendricks am Freitag vor. Nun sagte EU-Kommissar Günther Oettinger, die umstrittene Fördermethode sei für Europa nicht so lukrativ wie etwa für die USA. So könne durch Fracking die Abhängigkeit von Gasimporten nicht wirkungsvoll verringert werden.

"Europäisch schätze ich das Potenzial so ein, dass wir langfristig etwa ein Zehntel unseres Bedarfs auf diesem Wege sichern können", sagte Oettinger der "B.Z. am Sonntag". "Damit könnten wir erreichen, dass bei sinkender Gasproduktion unserer herkömmlichen Quellen die Abhängigkeit von Importen zumindest nicht weiter steigt."

Dennoch riet der CDU-Politiker Deutschland, sich zumindest die Option der Technologie offenzuhalten "und nicht aus ideologischen Gründen von vornherein dagegen zu sein". Viele Deutsche seien zu skeptisch gegenüber neuen Techniken, sagte er. "Weil sie in einer wirtschaftlich sehr guten Lage sind und sich deswegen jede Zumutung ersparen wollen."

Eckpunktepapier vorgelegt

In Deutschland wird Fracking vorerst nur in sehr begrenztem Umfang möglich sein. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks haben sich auf eine strenge Regelung für das umstrittene Verfahren geeinigt. Am Freitag legten die SPD-Politiker ihrer Partei ein Eckpunktepapier vor, in dem sie ihre Pläne zur Einschränkung der Methode erläutern. Demnach sollen Vorhaben zur Förderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern verboten werden. Wissenschaftliche Erprobungen und sogenanntes konventionelles Fracking sollen erlaubt bleiben.

Bei der Fracking-Technologie wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe unter Einsatz eines flüssigen Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Durch moderne Technik, bei der erst nach unten gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, kann das Gas aus den tiefen Schichten gefördert werden.

Viele Bürger hatten protestiert, weil die Methode möglicherweise Gefahren für das Trinkwasser birgt. Die Folgen für die Umwelt sind bisher kaum erforscht. In den USA hat das Verfahren zu einem Boom dieser unkonventionellen Förderung geführt, Energiepreise sind gesunken und das Land hat sich unabhängig von Gasimporten gemacht.

vek/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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noelkenproettel 06.07.2014
1. Ist doch wohl ein Witz oder?
Für geradezu Lächerliche 10% des Energiebedarfs wollen unsere Politiker diese unabsehbaren Risiken für Mensch und Umwelt eingehen??? Das ist doch wohl Wahnsinn! Da fragt man sich allen ernstes was Herrn Gabriel dazu treibt sowas wie Fraking in deutschland zu erlauben. Klar, aller feinste Lobbyarbeit der Ölkonzerne und so wie man es aus der Politik aus der Vergangenheit kennt, einen tollen Job für Herrn Gabriel nach der Politik, Siehe , Koch, Polalla, Niebel und und und.... Und auf die unabsehbaren Folgen wird dann völlig gewissenlos gesch......, traurig!
Fred Clever 06.07.2014
2. Der Film
Und ein Statement wie "Weil sie in einer wirtschaftlich sehr guten Lage sind und sich deswegen jede Zumutung ersparen wollen." ist völlig deplatziert. Hier geht es nicht um Befindlichkeiten, sondern um unser aller Zukunft. Die Natur langfristig zu schädigen und den erklärten Willen der Bürger wirtschaftlichen Interessen zu opfern ist ein fataler politischer Weg. Deswegen muss Fracking verboten und das TTIP verhindert werden, zum Schutz und Wohl der europäischen Bürger.
spatenheimer 06.07.2014
3.
Zitat von sysopDPAEU-Kommissar Oettinger sieht nur begrenzte Möglichkeiten für Fracking. Lediglich ein Zehntel des europäischen Energiebedarfs könne durch die umstrittene Methode gedeckt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fracking-oettinger-sieht-geringes-potenzial-fuer-europa-a-979470.html
In Deutschland wird Fracking seit bestimmt 60 Jahren praktiziert - und jetzt regt sich Widerstand?
Jörg Dürre 06.07.2014
4. Petrothermales Fracking für Tiefengeothermie als Alternative
Die Erschließung von direkter Nutzwärme aus der Erde wurde im EEG 2014 zeitgleich von der besonderen Förderung ausgenommen. Anstatt, dass z.B. in Großstädten heißes Wasser aus großer Tiefe geholt wird (bei unterhalb von 3000 m ist die Erde sehr häufig über 100°C heiß) soll jetzt also das Aufsuchen von fossilem Klimaschadstoff Erdgas erleichtert werden. Eine, freundlich gesagt, merkwürdige Politik. Die Erde funktioniert als natürliches und sicherstes Atomkraftwerk. Die zerfallenden Atome produzieren ständig Wärme nach. Wenn unten nur Wasser aufgewärmt wird, dann ist diese Quelle im Gegensatz zu Erdgas quasi unendlich. Beim Einsatz in Fernwärmenetze ist Tiefengeotherme nach Studien der IFEU sogar die günstigste Erneuerbare Energieform. CO2-frei gäbs als Bonus dabei.
Jaerven 06.07.2014
5. Ich
will mir nicht von einem Lobbiisten sagen lassen was wann eine Zumutung ist. Eine Zumutung ist die Blauäugigkeit mit der diese technik angewandt wird. Wir wissen nicht einmal genau wie die Grundwasserströme zusammenwirken. Und bevor man da nichts weiss pumpt man keine Chemikalien in den Boden. Wir haben genug Probleme mit Trinkwasser die "nächste Zeit".
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