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Umstrittene Fördermethode: Gabriel plant Fracking unter Auflagen

Proteste gegen Fracking Anfang Juni in NRW: Nun will die Regierung bestimmte Formen der Gasförderung verbieten Zur Großansicht
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Proteste gegen Fracking Anfang Juni in NRW: Nun will die Regierung bestimmte Formen der Gasförderung verbieten

Die Bundesminister Gabriel und Hendricks haben Eckpunkte zur umstrittenen Schiefergas-Förderung vorgelegt. In flacheren Gesteinsschichten soll unkonventionelles Fracking verboten werden. Das konventionelle Vorgehen soll jedoch erlaubt bleiben.

Berlin - "Der Schutz der Gesundheit und der Schutz des Trinkwassers haben absolute Priorität", stellten Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks in einem Eckpunkte-Papier zum Fracking klar. Deswegen wollen der Wirtschaftsminister und die Umweltministerin die Möglichkeiten der umstrittenen Gasfördermethode in Deutschland einschränken. Die SPD-Politiker schickten den Entwurf zunächst an die Fraktion der Sozialdemokraten.

Fracking-Vorhaben zur Förderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern sollen demnach verboten werden, heißt es in dem Papier. Erlaubt bleiben sollen wissenschaftliche Erprobungen, "wenn die eingesetzte Frackingflüssigkeit nicht wassergefährdend ist". Auch sogenanntes konventionelles Fracking soll möglich bleiben. Dieses bereits angewandte Verfahren dient vor allem zur Steigerung der Fördermenge von konventionellen Gasvorkommen.

Bei der Fracking-Technologie wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe unter Einsatz eines flüssigen Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dank moderner Technik, bei der erst nach unten gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, kann das Gas aus den tiefen Schichten gefördert werden.

"Schlupflöcher so groß sind wie Scheunentore"

In den USA hat das Verfahren zu einem Boom dieser unkonventionellen Förderung geführt, Energiepreise sind gesunken und das Land hat sich unabhängig von Gas-Importen gemacht. Die Umweltfolgen vor allem für das Grundwasser gelten aber bisher als kaum erforscht.

Die Große Koalition will nun die Umweltverträglichkeitsprüfungen bei bergbaulichen Vorhaben neu regeln und das Wasserhaushaltsgesetz neu formulieren. Um das Trinkwasser zu schützen, solle Fracking jeglicher Art in Wasserschutzgebieten und dem Einzugsbereich von Trinkwasser-Talsperren verboten werden. In Naturschutzgebieten dürfen laut Entwurf keine Fracking-Anlagen errichtet werden.

Scharfe Kritik kommt von der Opposition: Grünen-Politiker Oliver Krischer sprach in Berlin von einem "Fracking-Ermächtigungsgesetz". Krischer forderte ein echtes Verbot statt "Schlupflöchern, die so groß sind wie Scheunentore".

vek/AFP/Reuters

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insgesamt 47 Beiträge
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1.
taglöhner 04.07.2014
Eine Frage, der zulässigen Additive. Die variieren von "völlig harmlos" bis "sollten nicht ins Grundwasser gelangen".
2. Gesundheit verschachert
rolarndt 04.07.2014
Gabriel opfert die Gesundheit der Bürger und den Umweltschutz den Profitinteressen der Energiewirtschaft. Das Bild rundet sich. Wer hat den nur umgedreht, oder ist er die ganze Zeit schon als U-Boot unterwegs?
3. In einer globalisierten Welt
Hornblower, 04.07.2014
sich auf so zweifelhafte Fördermethoden wie das Fracking zu stützen, um die Unabhängigkeit zu wahren, scheint mir der Weg in die falsche Richtung. Ich sehe im deutsch-russischen Austausch sogar einen Garanten für Frieden und Freundschaft in der Welt. Kleinere "imperiale" Auseinandersetzungen zwischen Polen, Ukraine und auf der anderen Seite Russland oder Ukraine gegen Russland etc. sollten für Deutschland kein Vorbild sein. Polen hat in diesem Zusammenhang überhaupt keine Vorbildfunktion für Deutschland. Nach der nun evtl. sichtbar werdenden Ukraine- und Russlandpolitik Polens, wenn sie denn versäumt wäre offen in der EU ausgehandelt worden zu sein, gibt es m.E. keine "Schuld" mehr von Deutschland gegenüber Polen. Deutschland muss im Gegenteil innerhalb der EU klarer seine eigenen Interessen in Bezug auf Osteuropa, Eurasien und Asien, sowie USA/Kanada formulieren. Und Fracking scheint mir da der falsche Weg.
4. Spielt es überhaupt eine Rolle,
doclocke 04.07.2014
.... dass Fracking - egal in welcher Form - nahezu jeder hier in Deutschland kategorisch ablehnt?? Ich definiere für mich - einfach mal so: Vernunft = Mitgefühl / Gier x Intellekt So ist offensichtlich, dass der Mensch an Dummheit jeder anderen Lebensform auf diesem Planeten potentiell haushoch überlegen ist :)
5. Überraschung?
itigelov 04.07.2014
Zitat von rolarndtGabriel opfert die Gesundheit der Bürger und den Umweltschutz den Profitinteressen der Energiewirtschaft. Das Bild rundet sich. Wer hat den nur umgedreht, oder ist er die ganze Zeit schon als U-Boot unterwegs?
Der Malenkow der SPD ist ausgewiesener Seeheimer und ein Zögling Schröders. Was haben Sie denn erwartet?
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