Umstrittene Gasförderung Merkels Berater trommeln fürs Fracken

Forscher, die Kanzlerin Merkel nahestehen, mischen sich in die Fracking-Debatte ein. Sie halten die Technik für beherrschbar - und kritisieren Gesetzespläne, die die Fördermethode weitgehend verbieten.

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Frackinganlage (im US-Bundesstaat Pennsylvania): Teufelswerk oder Segen für die Industrie?
REUTERS

Frackinganlage (im US-Bundesstaat Pennsylvania): Teufelswerk oder Segen für die Industrie?


Kaum ein Umweltthema polarisiert Deutschland stärker als Fracking. Bei dieser Methode wird Gas mithilfe von Wasser und Chemikalien tief aus dem Erdgestein gefördert. Für die einen ist es Teufelswerk, sie protestieren mit überdimensionierten Spritzen aus Pappmaschee vor dem Bundeskanzleramt. Für die Befürworter ist es eine Fördermethode, mit der das Land einen neuen industriellen Schub bekommen könnte - so wie derzeit die USA.

Jetzt greift eine einflussreiche Institution der Forschung in die Debatte ein - für das Fracking. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech), dessen Präsident Henning Kagermann ein Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel ist, hält die umstrittene Gasfördermethode für beherrschbar und befürwortet Erforschung und Einsatz in Deutschland. So steht es in einem Gutachten, das nächste Woche vorgestellt wird. Es soll der Politik Handlungsoptionen aufweisen.

Fracking solle unter hohen Sicherheitsstandards weiter erforscht werden, sagte acatech-Präsident Reinhard Hüttl zu SPIEGEL ONLINE: "Fracking ist eine Technik, die möglich sein sollte." Schließlich diene sie nicht nur der Gas-, sondern auch der Wärmegewinnung aus dem tiefen Untergrund. Manche Argumente der Gegner seien wissenschaftlich nicht haltbar. "So erwiesen sich Bilder von brennenden Wasserhähnen als irreführend. Da muss die Forschung ihre Stimme erheben", sagte der Geologe.

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Positionspapiers ist nicht zufällig gewählt: Am kommenden Montag wird sich der Umweltausschuss des Bundestages erneut mit einem Gesetzentwurf beschäftigen, der nur unter ganz strengen Bedingungen eine Erforschung des Fracking zulässt. Teile der SPD und auch der Unions-Fraktion wollen das Gesetz noch verschärfen. Die Energie-Industrie hofft hingegen auf Erleichterungen für das Fracking. (Einen Faktencheck zum deutschen Fracking-Gesetz finden Sie hier.)

Warnung vor komplettem Fracking-Verbot

Die acatech-Forscher sehen das Gesetzesvorhaben kritisch. Das derzeit im Bundestag beratene Gesetz enthalte Regelungen, die nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, etwa das Verbot des Frackings oberhalb von 3000 Meter Tiefe, sagt acatech-Präsident Hüttl. Zwar müsse jeder Standort genauestens auf seine geologischen Begebenheiten untersucht werden. An manchen Orten könne aber auch oberhalb von 3000 Metern eine Förderung sicher sein, an anderen Orten sollte man sogar tiefer gehen. "Entscheidend ist der Abstand zu trinkwasserführenden Schichten", so Hüttl, der wissenschaftlicher Vorstand des Geoforschungszentrums in Potsdam ist.

Acatech warnt davor, das Fracking vollkommen zu verbieten. "Das Erdgas aus heimischem Fracking könnte eine Brücke vom fossilen Energiezeitalter in das der Erneuerbaren sein", sagt Hüttl. Er verweist auf eine weitere Perspektive von Fracking für die Sicherung der deutschen Energieversorgung. Demnach ermöglicht Fracking auch die tiefe Geothermie. Dabei wird aus den Gesteinsschichten Erdwärme gewonnen. Dies sei "eine grundlastfähige, klimaneutrale Energieform mit sehr kleinem ökologischen Fußabdruck".

Im vergangenen Herbst war es zu einem Eklat zwischen Wissenschaft und Politik in der Einschätzung zum Fracking gekommen. Ein Gutachter, der im Auftrag des Umweltbundesamts eine Risikostudie zum Fracking erstellt hatte, beklagte sich, seine Studie sei von der Bundesbehörde falsch wiedergegeben worden: Während das Amt sowie das Bundesumweltministerium aus der Studie eine Ablehnung der Fördermethode herauslesen, hält dessen Autor, der Geologe Uwe Dannwolf, die Technik für beherrschbar.

Unterstützung bekam er dabei von der acatech, die damals einen Zwischenbericht ihrer jetzt erscheinenden Studie vorgestellt hatte.



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insgesamt 117 Beiträge
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Marianne Rosenberg 05.06.2015
1. Warum...
brauchen wir das? Dann hätten wir auch bei der Atomenergie bleiben können. Meine Meinung: Konzentration auf erneuerbare Energien und deren Weiterentwicklung. Alles, was den Rest des Fortbestandes der Welt gefährdet: lassen.
Polying 05.06.2015
2. Umwelt=egal
Frau Merkel hat schon als Umweltminister versagt und hat z.B. bei den Atomendlagern den Regionen Schaden zugefügt, warum soll sie sich ändern. Der Schaden ist mittlerweile nicht mehr zu überblicken!!!! Schade für Deutschland, es könnte ganz bestimmt anders laufen.
ackergold 05.06.2015
3.
Wer behauptet, Fracking sei ungefährlich, der ist sicher auch problemlos in der Lage, die Kosten für die Beseitigung der Schäden persönlich zu übernehmen. Es sind ja keine Schäden zu erwarten, oder? Wer fracken möchte und die Schäden der Allgemeinheit auflastet, der dürfte aber einen an der Waffel haben, wenn er meint, das ginge so durch. Natürlich wird die Merkel das Fracken erlauben, die hat ja keine Kinder.
vantast64 05.06.2015
4. Unverantwortlich,
zur Hilfe für Investoren ganze Landschaften und Gewässer auf Jahrzehnte hinaus zu verschmutzen, zum Nutzen für wenige und zum Schaden für andere. Und die, die darunter leiden werden, bekommen keine Entschädigung, selbst wenn die Bohrung wegen Erschöpfung geschlossen sein sollte. Wieder eine Umverteilung von unten nach oben, wieder den Eid vergessen, Frau Dr.Merkel?
bd.bloke 05.06.2015
5. Wen wundert das?
Wer ist darüber verwundert. Das Tabuthema in Deutschland:Lobbyisten. Fracking wird kommen. Das Wort der "Bundesregierung" ist keinen Heller wert, und spätestens wenn die Wirtschaft bei Frau Merkel anklopft, ist Wahlvieh nur Wahlvieh
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