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Umfrage: Anhänger von SPD und Union lehnen Fracking-Pläne ab

Protestplakat gegen Fracking in Brünen, Nordrhein-Westfalen: Mehrheit der Deutschen fordert absolutes Verbot Zur Großansicht
DPA

Protestplakat gegen Fracking in Brünen, Nordrhein-Westfalen: Mehrheit der Deutschen fordert absolutes Verbot

Die Große Koalition will Fracking in Deutschland möglich machen - bald wird der Gesetzentwurf im Bundestag beschlossen. Doch viele Wähler von Union und SPD sind damit laut einer neuen Umfrage nicht einverstanden.

Bulgarien hat ein Verbot, auch Frankreich lässt Fracking seit Jahren nicht zu. Anders in Deutschland. Hier will die Große Koalition die umstrittene Gasförderung Hydraulic Fracturing, genannt Fracking, möglich machen - unter "strengsten Regeln", wie Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zugesagt hat.

Doch der Bevölkerung reichen solche Versprechungen offenbar nicht: Fast zwei Drittel der Deutschen sind laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap für ein vollständiges Fracking-Verbot, 27 Prozent sind dagegen. Und nicht nur Anhänger der Oppositionsparteien Grüne und Linke sprechen sich gegen die Gasfördermethode aus. Unter den Unterstützern der SPD sind es 68 Prozent, unter denen der Union 58 Prozent.

Sehen Sie hier die Ergebnisse der Erhebung, die vom zwischen dem 27. und 29. April 2015 unter 1002 Befragten durchgeführt wurde, im Detail:

"Sind Sie für oder gegen ein vollständiges Verbot von Fracking?"
Die Umfrage wurde von abgeordnetenwatch.de in Auftrag gegeben. Das Politikportal wollte ermitteln, wie stark der Rückhalt in der gesamten Bevölkerung für ein absolutes Fracking-Verbot ist. In einer Online-Petition auf der Plattform Change.org, die eine Bürgerin aus dem bayerischen Weiden gestartet hatte, fordern dies mehr als 185.000 Menschen. Abgeordnetenwatch.de will nun die 631 Bundestagsabgeordneten zu einem absoluten Fracking-Verbot befragen und ihre Standpunkte veröffentlichen (Lesen Sie hier mehr zum Petitions-Check von abgeordnetenwatch.de in Kooperation mit change.org).

Kritiker befürchten, dass durch Fracking unter anderem das Trinkwasser verunreinigt werden könnte. Bei der Fördertechnik wird tief unter der Erde Gestein mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen, in der Hoffnung, dort eingelagertes Gas zu finden. Dabei wird in der Regel ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Es entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann.

Anfang April hatte die Bundesregierung ein Fracking-Gesetz beschlossen. Der Entwurf macht die umstrittene Technologie grundsätzlich möglich. Zwar soll diese nur unter strengen Auflagen und zu Probezwecken durchgeführt werden - dennoch, das Komplettverbot für Deutschland ist vom Tisch (Lesen Sie hier mehr zu den Auflagen). Vorangegangen war ein monatelanger Streit zwischen SPD-Umweltministerin Hendricks und SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, in dem das Kanzleramt vermitteln musste. Hendricks wünschte sich schärfere Regeln, Gabriel drängte auf Erleichterungen für Unternehmen, die die Bedingungen für Fracking in Deutschland testen wollen.

Nun geht das Fracking-Konstrukt seinen Weg durch das parlamentarische Verfahren, der Gesetzentwurf wird in den Ausschüssen beraten und soll bald vom Bundestag beschlossen werden. In Union und SPD gibt es viele Gegner, Dutzende Abgeordnete drohen mit einer Ablehnung des Gesetzes. Sie fordern deutliche Verschärfungen der geplanten Vorschriften. Grundsätzliche Änderungen sind dennoch nicht zu erwarten, schließlich hat Schwarz-rot eine große Mehrheit im Parlament.

Nach Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe lagern in Deutschland rund 13 Billionen Kubikmeter Schiefergas, von denen etwa zehn Prozent förderbar sind. Das würde rechnerisch etwa 14 Jahre den Erdgas-Bedarf in Deutschland decken.


Daten zur Umfrage

Zeitraum: 27. bis 29. April 2015

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte, je nach Anteilswert. Die FDP wird von infratest dimap momentan bei unter fünf Prozent gemessen. Dadurch war die Fallzahl zu gering, um die Parteianhänger der FDP in Bezug auf Fracking seriös auszuweisen.

Stichprobe: 1002 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte wurden telefonisch von infratest dimap befragt.

heb/amz

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Hey
testi 18.05.2015
Das ist doch nichts neues, dass die Regierung nicht den Willen der Wähler vertritt. Leider lernt der Wähler daraus nichts und wird bei der nächtsen BTW den selben Fehler erneut begehen.
2. Liebe Frau Hendricks
Tharsonius 18.05.2015
Was für eine fadenscheinige Ministerin sind SIE denn? Einerseits vollmundig die Abschaltung von Fessenheim fordern und andererseits sich dem Wählerwunsch entgegenstellen bzw irgendeiner Wirtschaftslobby beugen und Fracking zulassen wollen? Ist das ihr Verständnis ihren Amtseid zu erfüllen? Weg mit ihnen.
3. Was schert die CDU/SPD die Meinung der Bürger?
sir wilfried 18.05.2015
Merkel und Gabriel haben die Anweisungen aus Washington zu befolgen. US-Konzerne wollen sich hier eine goldene Nase verdienen, und nur das zählt.
4.
MatthiasSchweiz 18.05.2015
Wen interessiert schon, was die Bürger des Landes wollen... Wieso hat sich D z.Bsp. beim EU-Entscheid von wegen Gentech-Futtermitteln usw. bei der Abstimmung enthalten, und damit die Zulassung möglich gemacht, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung das ablehnt? Aber haben die meisten wahrscheinlich eh schon vergessen und werden schön brav weiterhin die gleichen wählen wie vorher.
5.
ClausWunderlich 18.05.2015
Ich habe dafür KEIN Verständnis! Man selber (auch ich) nutzt täglich Energie wo die Natur "ausgebeutet" wird. Aber das ist ja meistens nicht vor der eigenen Haustüre. Und das in Deutschland die Menschen in den gebieten auch heute noch drunter "leiden" Interssiert diese Menschen scheinbar nicht. Wer gegen Fraking ist der muss auch dafür sein SOFORT alle Braunkohlekraftwerke abzuschalten. Wäre möglich wenn dann ALLE 75% weniger Strom verbrauchen. Also dann mal ran ihr leiben "Deutschen" die da so gegen Fraking sind.
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Fracking
Was ist Fracking?
Fracking ist eine Kurzform für Hydraulic Fracturing. Deutsche Experten sprechen auch von hydraulischer Lagerstättenstimulation. Dabei wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck durch Bohrlöcher in den Untergrund gepresst, um Erdgasvorräte freizusetzen, die in bis zu 2500 Metern Tiefe im Schiefer ruhen und sonst nicht erreichbar sind. Die Flüssigkeit bricht die Gesteinsschichten auf, der Sand füllt die Zwischenräume, das Gas kann dadurch entströmen. Über horizontale Bohrungen kann eine einzige Förderstelle, wie ein Rad mit Speichen, weite Flächen erreichen.
Warum ist Fracking umstritten?
Die Rohre werden mit unterirdischen Explosionen perforiert, um das Gas aufnehmen zu können. Kritiker fürchten, dass Fracking Erdbeben auslösen könnte. Auch ist die genaue Zusammensetzung der Bohrmischung unklar. Energiefirmen nennen bis zu 750 Additive, Umweltschützer haben unter anderem Chlorwasserstoffsäure und Metanol identifiziert. Studien zufolge kann Fracking das Trinkwasser kontaminieren, durch giftige Abwässer, Chemikalien und radioaktive Stoffe. Es könne zu Explosionen, Methangas-Emissionen und langfristigen Gesundheitsschäden führen.
Warum ist Fracking gefragt?
Erdgas hat ein neues, globales Rohstofffieber ausgelöst. Die USA befürworten die Gasförderung durch Fracking als eine Chance, sich vom Öl-Knebel des Nahen Osten zu lösen. Sie hoffen dabei auf enorme unterirdische und bisher unergründete Schiefergasbecken. Das größte davon ist das Marcellus-Becken, das sich unter den Appallachen von New York im Norden bis nach Ohio im Osten und Virginia im Süden erstreckt. Die einzelnen Bundesstaaten sind jedoch unschlüssig, ob und wie sie Fracking genehmigen sollen. In Deutschland finden sich die meisten Schiefergasvorkommen in der Nordhälfte des Landes sowie in Bayern.

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