Fall Magnitz Ermittler wollen Videoaufnahmen veröffentlichen - auch AfD ist dafür

Wer den AfD-Politiker Magnitz niedergeschlagen hat, ist offen. Videoaufnahmen sollen nun bei der Fahndung helfen. Diese widerlegen offenbar die AfD-Version des Falls, die Partei ist trotzdem für die Veröffentlichung.

Frank Magnitz
AP

Frank Magnitz


Im Fall Frank Magnitz läuft die Aufklärung. Nachdem der AfD-Politiker Anfang der Woche angegriffen und schwer verletzt worden war, widersprechen allerdings Aussagen der Partei zum Tathergang den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler. Diese gehen vor allem auf eine Videoaufzeichnung des Vorfalls zurück. Die Behörden wollen diese nun für eine Fahndung veröffentlichen. Auch die AfD ist dafür.

Parteichef Jörg Meuthen hat sich dafür ausgesprochen, die Aufnahmen öffentlich zu machen. Dieser Schritt könne "jeder Spekulation die Grundlage entziehen", sagte Meuthen der Zeitung "Die Welt". Laut Staatsanwaltschaft haben die Videoaufnahmen widerlegt, dass Magnitz mit einem Kantholz geschlagen wurde. Die Partei blieb trotzdem bei dieser Darstellung.

Jörg Meuthen
DPA

Jörg Meuthen

Schon zuvor hatten die Ermittler angekündigt, für eine Öffentlichkeitsfahndung Videomaterial ins Internet zu stellen. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft werde die Veröffentlichung der Aufnahmen vorbereitet, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Die erforderliche Anordnung dafür sei am gleichen Tag vom Amtsgericht Bremen erlassen worden. Es müssten noch einige technische Details geklärt werden, hieß es. Unklar ist, welche Teile des Tatgeschehens auf den Aufnahmen zu sehen sein werden.

Staatsanwaltschaft widerspricht - AfD bleibt bei ihrer Version

Seine Forderung sei kein Ausdruck von Misstrauen gegen die Polizei, erläuterte Meuthen nach Angaben der "Welt". Im Raum stehe aber ein Widerspruch. "Nach dem, was Herr Magnitz sagt, hat einer der Bauarbeiter die Aussage gemacht, dass er mit einem Kantholz geschlagen worden sei", sagte der AfD-Chef. "Die Polizei sagt: Wir haben einen solchen Schlaggegenstand nicht gesehen." Das Kantholz wurde laut AfD von Handwerkern erwähnt, die Magnitz fanden und die Polizei alarmierten.

Der Polizei zufolge war der AfD-Landesparteichef und Bundestagsabgeordnete Magnitz am Montagabend in Bremen von hinten von einem Mann angesprungen worden. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung. Dabei prüfen sie auch ein angebliches Bekennerschreiben, in dem es heißt, Magnitz sei von der Gruppe "Antifaschistischer Frühling Bremen" angegriffen worden.

Dass einer der Bauarbeiter gegenüber Magnitz tatsächlich von einem Kantholz gesprochen haben könnte, schloss auch die Staatsanwaltschaft nicht aus. Allerdings hätten die Handwerker mit dem Rücken zum Tatort gestanden. "Sie haben die Tat nicht gesehen", sagte der Sprecher der Behörde, Frank Passade. Er stellte die Möglichkeit in Aussicht, dass Magnitz als Geschädigter sich das Video anschauen kann.

aev/dpa



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