Steinmeier in Südamerika Der König von Galapagos

Zwischen Schildkröten und Leguanen warnt Bundespräsident Steinmeier auf den Galapagosinseln vor den Folgen des Klimawandels - und beglückt nebenbei einige deutsche Urlauber.

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Von den Galapagosinseln berichtet


Am Donnerstagvormittag spaziert Frank-Walter Steinmeier über die Seymour Norte, eine jener von unzähligen Tieren bevölkerten Inseln des Galapagos-Archipels. Es ist heiß und die Sonne brennt, Steinmeier tupft sich die Stirn. Nach einer Weile kommt der Bundespräsident an einem Baum vorbei, auf dem ihm ein weiß-brauner Fregattvogel von der Größe eines Adlers gegenübersitzt.

Der Vogel mustert den Präsidenten, der Präsident mustert den Vogel. "Hi", sagt Steinmeier und winkt dem Tier zu, das sich kurz die Federn putzt, sich ansonsten aber so wenig aus der Ruhe bringen lässt, als wäre der Bundespräsident gar nicht da. Willkommen auf Galapagos, dem Reich der entspanntesten Tiere der Welt.

Der Bundespräsident ist gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Die Natur ist bedroht, die Artenvielfalt in Gefahr. Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht, nicht einmal vor diesem entlegenen Ort, tausend Kilometer westlich von Ecuador. Alle müssen wir aufwachen - das ist die Botschaft, die von Steinmeiers Reise ausgehen soll. "Wir haben nur einen Planeten", sagt er.

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Reise des Bundespräsidenten: Steinmeier im "Garten Eden"

Die Inseln eignen sich als Kulisse natürlich hervorragend. Der Archipel hat etwas Surreales. An den Küsten ist es wüstenhaft trocken. Fährt man die Hügel hinauf, befindet man sich plötzlich in Regenwäldern, die aussehen, als hätten die Macher des "Jurassic Park" sie entworfen. Die Riesenschildkröten werden hier 180 Jahre alt und kriechen mit einer Gemütlichkeit über die Wiesen, als hätten sie in ihrem ganzen Leben nichts anderes mehr vor. Leguane laufen über die Straße und als Steinmeier am Morgen in ein Schlauchboot steigt, sucht eine Robbe unter einer Bank etwas Schatten.

Aber es gibt die Kehrseiten. Der steigende Meeresspiegel gefährdet das fragile Ökosystem. Plastikmüll aus Asien und Südamerika landet an den Stränden. Die Parkverwaltung sucht ihr Heil in grüner Energie, der Flughafen ist angeblich klimaneutral, auf einer der Inseln wird ein nachhaltiges Kraftwerk gebaut. Finanziert auch aus deutschen Mitteln.

Einen Tag lang ist Steinmeier auf den Inseln, gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender. In blau-grüner Trekkingkleidung marschiert er durch die Hitze. Die Armee sichert seinen Besuch ab, aber zuweilen muss er sich fühlen, als wäre er daheim. "Gut eincremen", ruft ihm ein deutscher Urlauber am Flughafen zu. "Wie wunderbar, Sie hier zu treffen", freut sich ein Mann vom Bodensee. Und als Steinmeier auf eine Gruppe von jungen, überwiegend deutschen Schülern trifft, wollen sie Selfies mit ihm. Der König von Galapagos, jedenfalls für einen Moment.

Es ist natürlich so eine Sache mit derlei Reisen, gerade jetzt, wo der Klimaschutz sich zu einem politischen Megathema entwickelt. Einerseits hat Steinmeier mit dem Besuch auf den Galapagosinseln einen wunderbaren Resonanzraum. Andererseits stellt sich die Glaubwürdigkeitsfrage. Kann man überzeugend für Umweltschutz eintreten, wenn man dafür um die halbe Welt fliegt? Der CO2-Abdruck seiner Reise nach Südamerika ist beträchtlich, das muss man schon sagen. Sechs Flüge in sechs Tagen. Greta Thunberg, die junge schwedische Klimaaktivistin, hätte mit Steinmeiers Trip wohl so ihre Probleme.

Nur gibt es nach Galapagos nun mal keine Bahnverbindung. Zudem geht es bei der Reise nicht allein um den Umweltschutz, sondern auch darum, das Humboldt-Jahr einzuläuten und die Venezuela-Krise zu thematisieren. Das Programm ist dicht. Steinmeier trifft sich mit den Präsidenten Kolumbiens und Ecuadors, deren Länder enorm unter der Krise leiden. Er sucht den Austausch, was in diesen Zeiten ja auch nicht mehr selbstverständlich ist. Es gibt sicher unsinnigere Reisen.

Am Donnerstagnachmittag steht Steinmeier auf einem Hügel der Galapagosinsel Santa Cruz. Es nieselt, aber auf so angenehm erfrischende Weise, dass es wirkt, als hätte die Natur mitgedacht. Die Bäume hier sind mit Moos bewachsen, die Wiesen saftig grün. Der Bundespräsident hat sich mit Ralph Caspers verabredet, dem Moderator der "Sendung mit der Maus". Er will Steinmeier und seiner Frau Fragen stellen, die Kinder eingereicht haben. Hinter den dreien schleicht eine Riesenschildkröte den Hang hinab. "Wer hierher kommt, versteht, warum Galapagos Garten Eden genannt wird", schwärmt Steinmeier.

Steinmeier verlässt Galapagos als stolzer Pate

Zwei Stunde später, am Strand von Santa Cruz. Ein paar Einwohner durchsieben den groben Sand, als suchten sie nach Gold. In Wahrheit suchen sie nach Plastikpartikeln. "Oweioweiowei", sagt Steinmeier.

Mehr als 20 Tonnen sind an den Stränden von Galapagos im vergangenen Jahr angespült worden. Das Plastik ist auch deshalb ein Problem, weil Schädlinge nach Galapagos zu gelangen drohen. "Es muss sich etwas ändern", sagt der Chef der Parkverwaltung, Jorge Carrion.

Steinmeier teilt diese Sicht. Am Tag zuvor hat er in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, eine Rede gehalten, in der er Europas Regierungen aufforderte, in Sachen Plastik radikal umzusteuern. "Wenn wir weitermachen wie bislang, schwimmt bis 2050 womöglich mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen", warnte Steinmeier. Manch einer hätte sich da vielleicht die eine oder andere Konkretisierung seiner Pläne gewünscht. Aber er ist ja kein Umweltminister, sondern Bundespräsident.

Steinmeier verlässt Galapagos übrigens als stolzer Pate einer, nun ja, Riesenschildkröte. Getauft ist sie auf den Namen "Alejandra", sie stammt aus dem Jahr 2018. Der Bundespräsident freut sich bei der Übergabe der Urkunde - und schiebt dann hinterher: "Ich kann aber nicht täglich zum Füttern vorbeikommen."

insgesamt 20 Beiträge
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rolf.scheid.bonn 15.02.2019
1. Steinmeier...
… hätte dem seltenen Naturschutzgebiet einen größeren Dienst erwiesen, wenn er dort gar nicht hin gefahren wäre. Galapagos ist für Evolutionsbiologen interessant, für Touristen dagegen oft eine Enttäuschung, weil es für Nicht-Biologen gar nicht viel so zu sehen gibt. Besser ist es, die Galapagos-Inseln in Ruhe zu lassen. Warum muss ein Bundespräsident für den kontraproduktiven Galapagos-Tourismus quasi Werbung machen? Jetzt wollen es ihm viele gleich tun. Eine selbstherrliche, dumme, schädliche Aktion des Bundespräsidenten.
MarkusW77 15.02.2019
2.
de facto unglaubwürdig. Wie der Jaennicke, oder der Steffens vom ZDF. Reden vom Klimawandel durch menschgemachtes CO2, ballern dann aber bei ihren wöchentlichen Flugreisen mehr CO2 raus, als eine indische großfamilie im Leben. Das passt nicht zusammen. Wohlgemerkt, ich kritisiere nicht das sie fliegen, sondern anschließend mahnen, man müsse was tun!
spon-1262956449612 15.02.2019
3.
Es gibt sicher unsinnigere Reisen. Keith Moon von den Who hat mal den Hubschrauber genommen, um in den 1 km entfernten Pub zu gelangen. Viel mehr fällt mir nach Lesen des Artikels aber nicht ein.
sacha18181 15.02.2019
4. Galapagos
Galápagos ist ein einzigartiges Naturparadies. Touristen können beim Besuch der Insel auf Nachhaltigkeit achten. Die Ecolodge Chez Manany setzt dabei Standards. Herr Steinmeier hat es gefallen.
fatherted98 15.02.2019
5. Erinnert...
...an den Ausflug Merkels an den Nordpolarkreis....um Eisbären zu gucken und Klimawandel anzuschauen. Steuergelder kann man sinnvoller einsetzen....aber Hauptsache Steinmeier bleibt mit seinem Flieger nicht wieder hängen...ansonsten....schönen Urlaub noch auf Staatskosten. Ach....übrigens....wie ist denn Ihre CO2 Bilanz Herr Steinmeier?...ach so....darf man nicht fragen....Sie und ihresgleichen sind zu wichtig.
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