"Erst am Anfang" Steinmeier mahnt zur Integration von Flüchtlingen

Die Deutschen stehen bei der Integration von Flüchtlingen erst "am Anfang", fürchtet Bundespräsident Steinmeier. In Zeitungsinterviews warnt er außerdem vor einem Wahlerfolg Marine Le Pens in Frankreich.

Frank-Walter Steinmeier Anfang April in Athen
AFP

Frank-Walter Steinmeier Anfang April in Athen


Geht es nach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollte sich die Politik stärker auf die Integration von Flüchtlingen konzentrieren. Das sei eine "gewaltige Aufgabe, bei der wir erst am Anfang stehen", sagte Steinmeier der Funke Mediengruppe und der französischen Zeitung "Ouest-France".

Die "bestmögliche Integration derer, die bleiben" liege nicht nur im Interesse der Flüchtlinge, so Steinmeier. "Sie ist auch Voraussetzung dafür, dass wir Konflikte innerhalb unserer Gesellschaft vermeiden."

Lob fand Steinmeier für das große bürgerschaftliche Engagement beim Umgang mit Flüchtlingen. Die Politik und staatliche Institutionen seien "nicht allein gelassen", sondern könnten sich "auf ein unglaublich großes Engagement von Ehrenamtlichen stützen, die über Vereine, Organisationen oder auch ganz privat Flüchtlingen beim Ankommen in der deutschen Gesellschaft helfen".

"Hört nicht auf die Sirenengesänge"

Auch zur anstehenden Präsidentenwahl in Frankreich äußerte sich der Bundespräsident. Nur wenn Europa - insbesondere von Deutschland und Frankreich - zu einem "wirklichen Akteur in der Welt" gemacht werde, werde es Einfluss haben. "Wenn wir das verhindern, wie nationalpopulistische Parteien es auch in Frankreich wollen, dann werden wir nicht Spieler, sondern Spielball anderer Mächte."

Vor einem möglichen Wahlerfolg der Rechtspopulistin Marine Le Pen warnte Steinmeier. Er könne den Franzosen nur zurufen, nicht auf die Sirenengesänge derer zu hören, die Frankreich eine große Zukunft versprächen - gleichzeitig aber beseitigen wollen, was heute auch zu Frankreich gehört: Die Rolle als "Garant europäischer Stabilität und Grundpfeiler der Europäischen Union."

Diese EU möge schwierig sein - "aber sie ist für uns alle ein Gewinn, auch für Frankreich", sagte der Bundespräsident. Angesichts der Neuorientierung der USA unter Präsident Donald Trump sei die Bedeutung des geeinten Europas "als Fundament und als Orientierung noch wichtiger" geworden. "Gerade jetzt werde ich für Europa streiten und helfen, dass wir nicht zurückfallen in eine Vergangenheit, die wir überwunden hatten.

irb/AFP/dpa/Reuters

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