Attacke auf Ausländer in Frankfurt an der Oder Jubelnde stammen offenbar aus rassistischer Trinkerszene

Mehrere Männer haben in Frankfurt an der Oder junge Asylbewerber attackiert, Umstehende spendeten Beifall. Jetzt gab die Polizei neue Details bekannt. Offenbar stammen Angreifer und Jubelnde aus derselben Gruppe.

Platz der Republik in Frankfurt an der Oder
Google Earth/ DigitalGlobe

Platz der Republik in Frankfurt an der Oder


Haben unbeteiligte Passanten in Frankfurt an der Oder pöbelnde und schlagende Täter bei einem Angriff auf Asylbewerber angefeuert? Oder ist für den ausländerfeindlichen Überfall im Stadtzentrum eine Gruppe aus dem Neonazi-Milieu verantwortlich?

Zwei Tage nach der Attacke auf vier Männer in der Frankfurter Innenstadt stellen sich Fragen nach dem genauen Tathergang. Zunächst hatte es geheißen, zufällig anwesende Fußgänger hätten die Attacke auf vier junge Männer aus Syrien, Somalia und Ägypten bejubelt. Am Mittwoch korrigierte die örtliche Polizei diese Darstellung.

Demnach entstammten die grölenden Jubelnden derselben Gruppe wie auch die Täter selbst. Das sagte Polizeisprecher Ingo Heese SPIEGEL ONLINE. "Es wurde der falsche Anschein erweckt, dass normale Leute an der Haltestelle applaudiert hätten", so Heese.

Noch am Dienstag hatte die Polizei mitgeteilt, dass die jungen Männer an einer Straßenbahnhaltestellte in Frankfurt an der Oder angegriffen worden seien. Die vier Männer hätten versucht zu fliehen, wurden aber verfolgt und geschlagen.

Die Angreifer seien bei ihrer Tat von "einigen Personen im Umfeld des Geschehens" angefeuert worden - so teilte es die Polizei am Dienstagnachmittag mit. Mehrere Medien, auch SPIEGEL ONLINE, berichteten aufgrund dieser Beschreibung, es habe sich bei den Jubelnden um Passanten gehandelt.

Stadtbekannte Trinkerszene, "Sieg Heil"-Rufe

Jetzt gab die Polizei neue Details bekannt: Bei der Gruppe handele es sich um einen Teil der stadtbekannten Trinkerszene, die sich seit einigen Wochen immer wieder am Tatort vom Montag trifft. Der Ort des Geschehens liegt zentral in der Nähe des Hauptbahnhofs und des Platzes der Republik. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass Teile der Gruppe Beifall spendeten, als sich die Attacke ereignete.

Neben Alkohol würden in dieser Gruppe auch Rassismus und neonazistisches Gedankengut eine große Rolle spielen. Die Anfeuerungen hätten laut Polizei vor allem aus Beifall und "Sieg Heil"-Rufen bestanden. In der Sache werde nun weiter ermittelt, auch Staatsschutz und Staatsanwaltschaft sind eingeschaltet.

Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) meldete, konnte der 32-jährige Haupttäter, der mit 3,7 Promille in Polizeigewahrsam kam, inzwischen vernommen werden. Mutmaßlich habe dieser einem 17 Jahre alten Syrer einen Schlag ins Gesicht verpasst. Bei den vier angegriffenen Männern handelte es sich laut RBB um drei Asylbewerber und einen Studenten der Viadrina-Universität.

nif

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