Landtagswahl in Hessen "Menschliche Fehler" bei Wahl in Frankfurt

Zahlendreher, vergessene Stimmzettel, vertauschte Parteien - einem Medienbericht zufolge gab es am Wahlabend in Frankfurt in einem Dutzend Bezirke erhebliche Pannen. Die Fehler könnten die Koalitionsoptionen ändern.

Tarek Al-Wazir (l.), hessischer Wirtschaftsminister und Thorsten Schäfer-Gümbel, hessischer SPD-Chef
DPA

Tarek Al-Wazir (l.), hessischer Wirtschaftsminister und Thorsten Schäfer-Gümbel, hessischer SPD-Chef


Bei der Landtagswahl in Hessen kam es in Frankfurt während der Auszählung wohl zu gravierenden Fehlern. Stimmen seien falsch oder überhaupt nicht erfasst worden. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) unter Berufung auf eine Sitzung des Kreiswahlausschusses.

Demnach kam es in etwa einem Dutzend Wahlbezirken zu Pannen: Ergebnisse von Parteien wurden vertauscht, Zahlen verdreht und Stapel mit Stimmzetteln vergessen. Außerdem seien in einigen Bezirken die Ergebnisse nur geschätzt worden, was zu Differenzen von jeweils mehreren Hundert Stimmen gegenüber dem tatsächlichen Wahlausgang führte.

Die Stadt Frankfurt hat in der vergangenen Woche die Wahlergebnisse geprüft und mehrere der 490 Stimmbezirke neu ausgezählt. Das Frankfurter Wahlamt wolle momentan nicht mitteilen, um wie viele Stimmen das Ergebnis jetzt korrigiert worden sei, die FAZ geht aber von mindestens 2000 aus.

Unruhe durch Computerpanne

Schuld sei laut Hans-Joachim Grochocki, Leiter der städtischen Geschäftsstelle Wahlen, das internetbasierte Stimmerfassungssystem "Wahlweb Hessen". Das Programm sei so überlastet gewesen, dass die Monitore nur noch "System derzeit nicht erreichbar" angezeigt hätten.

Deshalb hätten die Mitarbeiter die Ergebnisse aus den Wahllokalen von Hand notiert, durch die Unruhe sei es zu "menschlichen Fehlern" gekommen. Komplett ausgebliebene Ergebnisse seien aufgrund der Resultate in benachbarten Stimmbezirken geschätzt worden. Diese Praxis sei üblich und auch bei früheren Wahlen schon so gehandhabt worden, sagte Hauptamtsleiterin Regina Fehler.

SPD möglicherweise doch zweitstärkste Kraft im Land

Sollte es auch in anderen Städten und Kreisen gravierende Änderungen geben, könnte das landesweite Wahlergebnis mitunter anders aussehen als bisher angenommen: Die SPD könnte den knappen Rückstand von 94 Stimmen gegenüber den Grünen aufholen und zweitstärkste Kraft im Land werden.

Mit einer SPD als landesweit zweitstärkster Kraft könnten sich auch die Koalitionsoptionen verändern: Die FDP hatte ein Bündnis mit Grünen und SPD bisher mit dem Argument ausgeschlossen, man wolle nicht unter einem Ministerpräsidenten der Grünen regieren. Wäre die SPD aber stärkster Partner, dann würde sie in einer Ampel-Koalition auch den Ministerpräsidenten stellen.

sth

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