Rhein-Main Air Base USA stationierten Geheimtruppe in Frankfurt

Sie operierte getarnt auf der Rhein-Main Air Base bei Frankfurt: US-Präsident Ronald Reagan schickte 1986 nach Informationen des SPIEGEL eine geheime Antiterroreinheit nach Deutschland.

US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main (Archivbild)
DPA

US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main (Archivbild)


Die USA unterhielten offenbar jahrelang eine geheime Antiterroreinheit auf deutschem Boden. Die Zustimmung dafür gab 1986 der damalige Kanzleramtschef und heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble. Das geht aus Dokumenten des Auswärtigen Amts hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Die Einheit dürfe nur nicht "die Bundesregierung in politisch unangenehme Situationen" bringen, mahnte Schäuble damals.

Stationiert war die Truppe auf der Rhein-Main Air Base bei Frankfurt. Den Akten zufolge, die das Institut für Zeitgeschichte nach Ablauf der Geheimhaltungsfrist veröffentlicht, verfügte das "Foreign Emergency Support Team" ("Fest") aus Soldaten und Geheimdienstlern über ein Flugzeug. Das Team unterstand dem US-Botschafter in Bonn. Präsident Ronald Reagan etablierte die "Fest"-Einheit nach etlichen Anschlägen, darunter im April 1986 auf die Westberliner Diskothek La Belle, in der GIs verkehrten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Nach US-Angaben bestand das Team aus bis zu 14 "Spezialisten für (die) technische Bewältigung von Krisensituationen", zu deren Aufgaben "Fernmeldewesen und ND-Tätigkeit", also Geheimdienstarbeit, zählten. Den Standort Frankfurt begründeten die Amerikaner damit, dass sie die Männer auf dem riesigen Stützpunkt besser verbergen könnten. Ihr Kommandeur war offiziell Mitarbeiter des US-Generalkonsulats in Frankfurt, die anderen Mitglieder des Teams wurden als Soldaten des Stützpunkts getarnt.

Den Deutschen versprach man, die Einheit werde auf die "Anwendung von Gewalt" im In- und Ausland verzichten. Vor allen Einsätzen werde Washington in Bonn um Erlaubnis fragen. Das Auswärtige Amt in Bonn wollte das schriftlich haben, Schäuble begnügte sich indes mit einer mündlichen Zusage der Amerikaner an den zuständigen Abteilungsleiter im Kanzleramt. Der US-Antiterrorbeauftragte Paul Bremer betonte laut der Dokumente indes, dass bei "der Schnelligkeit der erforderlichen Entscheidungen eine Automatik möglicherweise nicht immer" zu gewährleisten sei.

Bislang haben "Fest"-Einheiten mehr als 30 Einsätze absolviert, etwa nach den Qaida-Anschlägen 1998 in Nairobi und Daressalam und 2000 auf das US-Kriegsschiff "Cole" in Aden. Wann das Frankfurter Team abzog, ist unbekannt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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tutnet 04.02.2017
1. Abzug
Spätestens mit der Auflösung der Rhein-Main Airbase 2005 wurde das Team abgezogen. Wohin? Vielleicht auf die Airbase nach Ramstein.
faustus-von-zeuch-strasse 04.02.2017
2. Ein Vorgang aus der amerikanische Besatzungzone 1986.
Seit 1955 getarnt als Mitgliedschaft in der Nato. Konrad Adenauer hat ungeheure Schuld auf sich geladen, als er die Bundesrepublik Deutschland zur Satrapie der USA machte. Die Deutschen wussten damals nicht, dass die CDU von der CIA bezahlt wurde und deren politischer Arm gegen Deutschland war. Wie die verschwundene Democrazia Cristiana in Italien. Oder die ideologisch vergleichbaren Parteien in Korea und Japan. Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht, die Wacht der USA in Ramstein und bewacht Gebiete am Rhein.
chico 76 04.02.2017
3. Na und?
Die diversen Anschläge auf US-Soldaten bei uns rechtfertigen durchaus, dass unsere SEK-Einheit unterstützt wird. Ich kann kein Problem erkennen.
andihh75 04.02.2017
4.
Das ist jetzt mal nichts Neues und gar nichts gegen die Geheimarmeen der Nato (Gladio),die ab spätestens den 1950er Jshren,in ganz Europa aktiv waren!Diese Geheimarmeen unterstanden dem Oberkommandierenden der NATO in Europa,dieser ist immer ein amerikanischer General, und hatten die Aufgabe,nach einem Einmarsch der roten Armee,hinter den Linien zu operieren und den Widerstand zu organisieren oder ein aufkommenden linker Bewegungen zu verhindern,dies auch mittels verdeckter Kriegsführung!Zumindest in Deutschland bestanden Teile dieser geheimen Armee aus ehemaligen Mitgliedern der Nazis oder zumindest Menschen rechter Gesinnung! Wenn man weiß, dass es solche Armeen zumindest einmal gab,dann erscheinen, zumindest mir,die heutigen Anschläge in Europa,die allesamt von "bösen"Muslimen verübt worden sein sollen, doch in u.U.in einem anderen Licht!Meine Meinung!
trader_07 04.02.2017
5.
Ich vermute, Merkel ist schuld!
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