CSU-Politiker und Stasi-Mann Bundesarchiv veröffentlicht Strauß-Korrespondenz mit Schalck-Golodkowski

Das Bundearchiv veröffentlicht nach SPIEGEL-Informationen die Korrespondenz zwischen Franz Josef Strauß und DDR-Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski. Die Dokumente zeigen, wie gern der Bayer lästerte.

Franz Josef Strauß mit Alexander Schalck-Golodkowski 1985
DPA

Franz Josef Strauß mit Alexander Schalck-Golodkowski 1985


Sie trafen sich oft: Franz Josef Strauß, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, und Alexander Schalck-Golodkowski, DDR-Staatssekretär, Devisenbeschaffer und Stasioffizier. Das Bundesarchiv veröffentlicht dazu nach SPIEGEL-Informationen nun Korrespondenzen aus den Jahren 1982 bis 1984.

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Heft 34/2018
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Die Gesprächsvermerke und telefonisch übermittelten Nachrichten erscheinen kommende Woche im Verlag De Gruyter Oldenbourg. Darin kann jedermann nachlesen, wie der lautstarke Antikommunist Strauß den legendären Milliardenkredit westdeutscher Banken an die marode DDR einfädelte - und über andere Unionspolitiker lästerte.

Über Helmut Kohl, seinen Dauerrivalen, sagte Strauß, der Kanzler sei "wie ein Pudding, wenn man ihn festnageln will, rutscht alles herunter". Kohls Kanzleramt sei ein "schlecht organisiertes Chaos", in dem jeder mache, was er wolle. Als Strauß wieder einmal mit Kohl aneinandergeraten war, berichtete er hinterher Schalck-Golodkowski, er habe Kohl "den Rat gegeben, es ausnahmsweise mal damit zu versuchen, das zu tun, was ich anrate, statt das Gegenteil".

Auch Walther Leisler Kiep, damals Schatzmeister der CDU, kam nicht gut weg. Der sei, so Strauß, "eine Null ohne jegliche politische Einflussnahme und ohne Perspektive". Ausdrücklich bat der Westdeutsche angesichts dieser Indiskretion um "strengste Geheimhaltung".

Als der SPIEGEL über die vertraulichen Verhandlungen berichtete, rätselte Strauß, wer wohl die Quellen des Magazins seien. Gegenüber Schalck-Golodkowski mutmaßte er, es bestünden "in einigen Etagen unterhalb Ihrer Ebene enge Verbindungen zum SPIEGEL", was der Stasi-Mann zurückwies. Später vermutete Strauß, der Kanzler oder der Kanzleramtschef würden Details an die Journalisten geben.

1983 und 1984 hatten westdeutsche Banken der DDR zwei Kredite in Höhe von drei Milliarden D-Mark gewährt - und damit diese vor dem Staatsbankrott gerettet.

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insgesamt 45 Beiträge
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ludna 18.08.2018
1. Was waren denn nun die Quellen des Spiegels ?
Der Spiegel sollte es doch wissen.
frank.huebner 18.08.2018
2. Die Kredite waren richtig
Es war richtig, dass die Bundesrepublik die DDR vor dem Staatsbankrott rettete. Eine zahlungsunfähige DDR wäre viel zu risdikobehaftet gewesen, auch im Zusammenhang des Ost-West-Konfliktes. Dass Strauß eine illoyale, egoistische Zecke war wissen wir ja heute.
friedrich_eckard 18.08.2018
3.
Ich sehe mich wieder einmal in meiner Einschätzung bestätigt: Strauss war ein Gauner, aber einer von Grips, Klasse und Format, verglichen mit den kontemporären Bakschischjägern war er die weitaus weniger unästhetische Erscheinung - und dass ihm Dero Bräsigkeit entsetzlich auf die Nerven gegangen sein muss kann man sich mühelos vorstellen.
tueftler 18.08.2018
4.
Zitat von frank.huebnerEs war richtig, dass die Bundesrepublik die DDR vor dem Staatsbankrott rettete. Eine zahlungsunfähige DDR wäre viel zu risdikobehaftet gewesen, auch im Zusammenhang des Ost-West-Konfliktes. Dass Strauß eine illoyale, egoistische Zecke war wissen wir ja heute.
Welcher Politiker ist das nicht? Die Unterschiede in der Wahrnehmung werden doch nur dadurch generiert, dass der Einzelne das mehr oder weniger gut kaschiert.
neutron76 18.08.2018
5. Strauss hatte nicht nur Weitsicht,
Sondern war frech genug seine Meinung durchzusetzen, auch an Institutionen vorbei, auch am Rande der Legalität. Er hat eben von Bayern aus seine eigene Außenpolitik gemacht. Wie man heute weiß, völlig zu recht. Mit Gorbatschow wollte aus dem politischen Establishment auch zunächst niemand reden. Ausgerechnet die CSU-Führung ist 1985 nach Moskau geflogen.
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