Ehefrau von Altbundeskanzler "Ich war kein Groupie von Helmut Kohl"

Jahrelang hielt sie sich zurück, erzählte wenig über sich oder ihre Ehe mit Helmut Kohl. Jetzt sprach Maike Kohl-Richter in einem Interview über ihre Liebe zum Altkanzler, über Hochzeit, Unfall - und den CDU-Parteispendenskandal.

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Hamburg - Viel wurde über sie geschrieben und geredet, sie selbst schwieg überwiegend in der Öffentlichkeit. Jetzt hat sich Maike Kohl-Richter, zweite Ehefrau von Altkanzler Helmut Kohl (CDU), doch über sich und ihre Beziehung zu ihrem Mann geäußert. "Ich war kein Groupie von Helmut Kohl", sagte sie in der "Welt am Sonntag", "ich stehe nur unter Groupie-Verdacht."

Maike Kohl-Richter, 50 Jahre alt und damit 35 Jahre jünger als ihr Mann, stammt aus Siegen, war Mitglied der Jungen Union, Mitglied der CDU, sie hat Volkswirtschaft in München studiert, dann promoviert. Von 1994 bis 1998 arbeitete sie als Referentin in der Wirtschaftsabteilung des Kanzleramts. 2005 hatte Kohl sie als "neue Lebenspartnerin" präsentiert. Vier Jahre zuvor hatte seine erste Ehefrau Hannelore sich das Leben genommen.

2008 heirateten Maike Richter und Helmut Kohl. Kurz zuvor hatte er sich bei einem Sturz von der Kellertreppe ein Schädelhirntrauma zugezogen. Der Unfall habe beide "mitten in den Planungen für unser gemeinsames Leben" getroffen, sagte Kohl-Richter der Zeitung. "Wir suchten eine Wohnung in Berlin, wir wollten ein gemeinsames Zuhause." Dass die beiden drei Monate später dennoch heirateten, sei "eine bewusste Entscheidung" gewesen: "Es war bei allem Unglück eine wirklich schöne, glückliche Hochzeit."

Seit dem Unfall, sagt sie jetzt, sei das gemeinsame Leben mit ihm "jeden Tag eine Herausforderung". Und trotzdem: "Dass mein Mann noch da ist, dass er auch geistig voll da ist, dass wir das Leben teilen können", all das halte sie heute für "ein Wunder".

"Es war blanke Rache"

Maike Kohl-Richter wurde schon vieles vorgeworfen: Sie sperre ihren Mann mehr oder weniger weg, sie entscheide darüber, wer mit ihm sprechen darf, meist rede sie sowieso für ihn. Im Interview sagte sie jetzt, sie lese "selbstverständlich nicht" alle Texte, die über sie geschrieben werden. Was sie am meisten verletze? "Dieses schlichte Bild einer Frau, deren ganzes Lebensziel darin bestanden haben soll, an Helmut Kohl heranzukommen. Das ist eine absurde Geschichte." Sie sagt, sie habe "eine politische Agenda" gehabt: "Bevor es die menschliche Annäherung gab, gab es die Sympathie für die Politik und natürlich vor allem für seine Politik."

Über den CDU-Parteispendenskandal sagt sie, sie habe den Umgang mit ihrem Mann "gemessen an dem Fehler, den er gemacht hat, unverhältnismäßig und falsch" gefunden, "menschlich furchtbar" sogar. Letztlich habe die CDU ihrem langjährigen Vorsitzenden "unrecht" getan und selbst am meisten Schaden genommen. "Man hätte Helmut Kohl besser in der Mitte der Partei gelassen." Dass es anders gekommen sei, müsse "jeder mit sich selber ausmachen".

Unter vier Augen habe ihr Mann einmal über die Spendenaffäre gesagt: "'Die war sehr deutsch, sehr deutsch in dem, wie einer verfolgt wird. Es war blanke Rache. Es kommt gar nicht darauf an, was einer gemacht hat, sondern wie es dargestellt wird.'"

fln/AFP



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