Frauenfußball Iran sagt Spiel gegen Berliner Mannschaft in letzter Minute ab

Für morgen war ein Freundschaftsspiel zwischen iranischen und deutschen Kickerinnen im Berliner Katzbachstadion im Stadtteil Kreuzberg geplant. In letzter Sekunde wurde die Begegnung abgesagt - bitter vor allem für die Gastgeberinnen.

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Berlin - Sie haben über zwei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet, seit kurzem wissen die Frauen vom Kreuzberger Verein BSV Aldersimspor: Es war alles umsonst. Morgen wollten sie in Berlin gegen die iranische Frauennationalmannschaft kicken. Es wäre das erste Spiel der iranischen Frauen im Westen seit Chomeinis Kulturrevolution 1979 gewesen. "Gestern um 22 Uhr abends kam die offizielle E-Mail vom iranischen Fußballverband", sagt Marlene Assmann, eine der Organisatorinnen. Sie sollten sich nicht weiter bemühen, die Begründung: "technische Probleme". Die deutsche Botschaft erklärt: "Die Visa wurden ausgehändigt."

Das Hinspiel in Teheran: Links eine Spielerin aus Berlin, rechts eine Iranerin
DPA

Das Hinspiel in Teheran: Links eine Spielerin aus Berlin, rechts eine Iranerin

"Wir sind total enttäuscht", sagt Marlene Assmann. Assmann ist Spielerin beim BSV Aldersimspor. Die Kickerinnen mit türkischem, deutschem, koreanischem, griechischem und tunesischem Hintergrund liegen auf dem fünften Tabellenplatz der Berliner Verbandsliga. Sie wussten von Anfang an: Es wäre nicht einfach ein Fußballmatch. Sie ahnten aber nicht, welche politischen Ausmaße ihr interkulturelles Abenteuer nehmen würde.

Marlene Assmann, eine 26-jährige Filmstudentin und ihre Zwillingsschwester Valerie, sind die treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Zusammen mit ihrer Schwester Corinna und Friederike, einer Cousine, haben sie den Multikulti-Verein mitbegründet.

Nun sitzen sie im Haus des Fußballs, dem Sitz des Berliner Fußballverbands, ein Plakat an der Eingangstür fordert: "Gemeinsam gegen Rassismus". Die Spielerinnen tragen Schwarz. Sie müssen erklären, was sie nicht erklären können. Sie haben nur zwei Worte: "technische Probleme". Sie stochern im Nebel.

Ungünstiger Zeitpunkt

Fest steht: Sie hätten sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können für das Rückspiel, die erste Begegnung war vor einem guten Jahr in Teheran gewesen. In den vergangenen Wochen haben die Repressalien gegen Frauen in Iran zugenommen. Die alljährliche Kampagne der Sittenwächter zu Frühlingsbeginn sei in diesem Jahr schärfer als in den Vorjahren, kommentieren Exil-Iraner in Deutschland. Im Frühjahr, wenn es wärmer wird, achtet die iranische Polizei verstärkt darauf, dass die Frauen die offiziellen Bekleidungsvorschriften einhalten. "Die Mäntel, Kopftücher und Hosen werden von Jahr zu Jahr kürzer", meint Reza Sorki, Vorstand des iranischen Kulturvereins Dehkohda in Berlin. "Dieses Jahr hat die Sittenpolizei extra deswegen eine neue Abteilung gegründet."

Wer erwischt wird, Widerstand leistet, muss mit Gewalt rechnen. In der Regel werden die Frauen verhaftet. Erst Ende vergangener Woche forderte Maryam Rajavi, Präsidentin des Exilparlaments iranischer Oppositioneller, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einem offenen Brief auf, "die Gewaltwelle der Unterdrückung iranischer Frauen und Jugendlicher zu verurteilen". Ein Höhepunkt: Haleh Esfandiari, iranisch-stämmige US-Wissenschaftlerin, ist seit Mitte Mai in Iran in Haft. Die "Zeit" konstatierte knapp, die Islamische Republik habe "den Frauen den Krieg erklärt".

"Eigentlich wollten wir eines beweisen", sagt Marlene Assmann: "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen Fußball spielen." Noch vor ein paar Tagen hatte sie betont, dass es "dem iranischen Fußballverband wichtig war, dass es ein Rückspiel bei uns" gebe. "Die hatten eher Angst, dass wir das platzen lassen könnten." Doch das Projekt war von Anfang an ein Hindernislauf, beide Begegnungen mussten mehrfach wegen Visumsproblemen verschoben werden, die Pausen dazwischen waren für die Spielerinnen aufreibend wie das Warten in der Kabine zur Halbzeit. Im Februar 2007 endlich kam das definitive Okay vom Iranischen Fußballverband.



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