Streit in der Koalition Union fürchtet wegen Frauenquote um die Wirtschaft

Weil die Konjunktur lahmt, will die Union die geplanten Regelungen zur Frauenquote überdenken. Sie glaubt, die Wirtschaft könnte Schaden nehmen, wenn mehr Frauen in den Aufsichtsräten sitzen.

Merkel mit Managerinnen: Kippt die Union die Frauenquote?
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Merkel mit Managerinnen: Kippt die Union die Frauenquote?


Berlin - Ist es die Retourkutsche für die jüngsten Äußerungen aus der SPD zur Sinnhaftigkeit der "schwarzen Null"? Jedenfalls stellen nur einen Tag, nachdem prominente Sozialdemokraten angesichts der lahmenden Konjunktur die Sparziele von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angezweifelt haben, Unionsvertreter ein Herzensthema der SPD in Frage: die Frauenquote in Unternehmen. Und das kurz vor dem großen Frauengipfel bei Angela Merkel im Kanzleramt.

So verwies CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt am Dienstag in Berlin darauf, dass alles auf den Prüfstand müsse, was möglicherweise der Wirtschaft schade. Union und SPD sollten überlegen, "ob wir alles, was im Koalitionsvertrag noch vereinbart ist, wirklich so ganz schnell umsetzen", sagte Hasselfeldt. Sie verwies ausdrücklich auf die geplante Frauenquote für Aufsichtsräte. Zu prüfen sei, ob manche Projekte bis zu einer stabileren Wirtschaftsentwicklung "ein bisschen ruhen" könnten, so Hasselfeldt.

Der Kurs, im Etat 2015 ohne neue Kredite auszukommen, sei beizubehalten, so die CSU-Politikerin. Haushaltskonsolidierung könne "keine Angelegenheit von schönem Wetter sein, sondern muss gerade auch in etwas schwierigeren Zeiten eingehalten werden". Dies sei auch eine Frage des Vertrauens der Bürger in die Politik.

Ähnlich äußerte sich Unionsparlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU). "Wir haben konkrete Vorstellungen, was sein sollte und was nicht sein sollte. Nicht sein sollte eine weitere Belastung der Wirtschaft durch die Frauenquote", sagte Grosse-Brömer in Berlin.

Prompter Widerspruch aus der SPD

Widerspruch von der SPD kam prompt: Eine Frauenquote sei keine Belastung der Wirtschaft, so Bundesjustizminister Heiko Maas. Er ist gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (ebenfalls SPD) für die Umsetzung der geplanten Frauenquote zuständig. "Es ist eine Unverschämtheit, wenn Frauen in Führungspositionen als Belastung für die Wirtschaft dargestellt werden", sagte Schwesig SPIEGEL ONLINE. "Studien zeigen: Gemischte Teams sind effektiver und die Unternehmen, die Wert auf Diversity legen, erfolgreicher." Schwesig sagte: "Ganz klar: Von mehr Frauen in Führungspositionen profitiert auch die Wirtschaft."

Die Koalition will nach bisherigen Plänen ab dem Jahr 2016 eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte von Unternehmen vorschreiben, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind.

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flo/anr/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 102 Beiträge
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eulenspiegel98 14.10.2014
1. Ich habe zwar
auch Bedenken gegenüber der Frauenquote, z.B. ob sie überhaupt dem Grundgesetz entspricht, aber diese Ausrede der Union ist wirklich peinlich.
yaba 14.10.2014
2. Kompetenz
"[Die Union] glaubt, die Wirtschaft könnte Schaden nehmen, wenn mehr Frauen in den Aufsichtsräten sitzen." Also ich bezweifle, dass jemand von der Union dies so gesagt hat. Richtig aber ist doch, dass es der Wirtschaft schaden kann, wenn die für den Job kompetenteste Person nicht in den Aufsichtsrat berufen wird, nur weil diese Person keine Frau oder einer sonstigen Minderheit angehört. Und da sollte es ganz einfach egal sein ob Frau oder Mann.
misterknowitall 14.10.2014
3.
Das ist ja spannend. Frauen schaden also der Wirtschaft? Ich wußte es, die CDU/CSU Heinis scheinen den Verstand verloren zu haben. Oder weiss jemand, was man mit so einer Aussage wirklich beabsichtigt?
FocusTurnier 14.10.2014
4. Geschlecht statt Qualifikation schadet nicht nur der Wirtschaft.....
....sondern in besonderem Maße auch der CDU, nämlich in Form von abgewanderten Wählern, die ihr Kreuz jetzt bei der AfD machen. Die spricht sich gegen die Gender-Mainstreaming-Ideologie aus, wohingegen die CDU voll auf der Gender-Linie fährt (nicht nur im wirtschaftlichen Bereich). Gegen die Frauenquote hätte man sich ja bereits VOR den letzten BTW aussprechen können -hat die CDU aber nicht gemacht. Einige Stimmen reden ja schon von Frau vdL als Nachfolgerin Merkels. Damit wäre der Kampf der CDU gegen die Quote eh verloren, denn vdL ist ja eine Quotenbefürworterin ist. Interessant ist aber, daß die nicht gegebene Verfassungsmäßigkeit der Quote KEIN Grund für die CDU ist, dagegen vorzugehen. 2016 geht es los. 3600 börsennotierte Unternehmen in Deutschland müssen Quoten erfüllen, Berichte an Gleichstellungsbeauftragte schreiben und bei Nichteinhaltung Strafe zahlen. Adieu CDU.
ruhepuls 14.10.2014
5. Frauen schaden Wirtschaft?
Es geht - vermutlich - weniger darum, dass Frauen generell "schädlich" für die Wirtschaft wären - wieso auch? Eher geht es darum, dass eine Frauenquote Unternehmen zwingt, "irgendwelche" Frauen als Aufsichtsrätinnen anzuwerben, um die Vorgaben zu erfüllen. Und das ist sicher schädlich, denn "Vorzeigefrauen" sind nun genauso wenig wie "Vorzeigemänner" ein Nutzen für die jeweiligen Organisationen. Nicht nur, weil sie selbst möglicherweise nicht vom Fach sind, sondern weil sie Plätze belegen, für die es geeignetere Kandidaten gäbe, die dann nicht zum Zuge kommen. Es ist eben wie immer, wenn die Politik meint, Leben regeln zu müssen: Der Schuss geht oft nach hinten los.
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