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Kommentar zur Frauenquote: Das peinliche Spiel der CSU

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Frauen an die Macht: CSU will Frauenquote abschwächen Zur Großansicht
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Frauen an die Macht: CSU will Frauenquote abschwächen

Die CSU stellt sich bei der Frauenquote quer - das Hickhack zeigt, wie nachlässig die Gleichstellung der Frauen in der Politik immer noch behandelt wird.

Berlin - An diesem Dienstag soll im Koalitionsausschuss endlich der Streit um die Frauenquote gelöst werden. Vor allem aus der CSU kamen in den vergangenen Wochen immer neue Nörgeleien an dem, was die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag festgeschrieben haben. Die geplante Frauenquote belaste die Wirtschaft, in Zeiten lahmender Konjunktur solle das Gesetz deshalb verschoben oder abgeschwächt werden, so die CSU.

Allein die Behauptung, dass mehr Frauen der Wirtschaft schadeten - konkret geht es nur um rund 170 Aufsichtsratmandate für Frauen - ist merkwürdig. Und absurd wird das CSU-Argument, wenn man sich anguckt, welche Projekte die Christsozialen selbst so vorantreiben: Stichwort Maut.

Es liegt hier der Verdacht nahe: Die CSU wird solange bei der Frauenquote nörgeln, bis sie sich der Zustimmung zu ihrer Maut im Gesetzgebungsverfahren sicher ist.

Dass dieses politische Hickhack um die Frauenquote überhaupt möglich ist, zeigt, wie stiefmütterlich die Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Politik behandelt wird. Schon die letzte schwarz-gelbe Regierung hat kein Gesetz zur Frauenquote hinbekommen. Und auch jetzt kämpfen die Frauen aus Wirtschaft und Politik ziemlich allein, von den vielen mächtigen Männern in der Politik halten sich alle zurück. Wo in der öffentlichen Debatte ist zum Beispiel eigentlich Heiko Maas, der den Gesetzesentwurf zusammen mit Familienministerin Manuela Schwesig verfasst hat? Und was ist mit SPD-Chef Sigmar Gabriel? Warum tut er nicht mehr für die Quote?

Die Frauenquote wird immer noch bestenfalls als Gefallen an die Frauen gesehen. Schlechtestenfalls wird sie als Gefahr für Firmen und die Wirtschaft betrachtet oder als umgekehrte Diskriminierung von Männern. Was genau diskriminierend daran sein soll, wenn statt fünf oder acht Prozent künftig 30 Prozent Frauen (und immer noch bis zu 70 Prozent Männer) sind, ist rätselhaft.

Es stimmt, dass die Frauenquote für die Aufsichtsräte der größten deutschen Firmen ein Eingriff in die Unternehmensfreiheit ist. Die Frauenquote wäre aber hier nicht die erste und einzige Reglementierung - so haben Wirtschaft und einzelne Parteien einst zum Beispiel auch gegen schärfere Umweltauflagen protestiert. Mittlerweile verkauft Kanzlerin Angela Merkel sie als Standortvorteil.

Genau so muss die Frauenquote gesehen werden - nicht als Allheilmittel gegen Ungleichheit, aber als Startschuss dafür, dass Deutschland auch an dieser Stelle modern und wettbewerbsfähig wird. Frauen in der Wirtschaft müssen Normalität werden und von allein scheint hier nicht viel zu passieren: Neue Zahlen zeigen, dass der Anteil der Frauen in den Vorständen der größten deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr sogar wieder gesunken ist.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
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1. Abkehr
paulvernica 24.11.2014
Die Frauenquote ist halt die Abkehr vom Leistungsprinzip. Man bekommt den Job nicht weil man gut ist sondern weil man Frau ist. Ich hätte dann auch gerne eine Katholikenquote, oder eine Migrationshintergrundquote oder was weiss ich für ne Quote. Tut mir leid, diese ganze Frauenquote ist totaler Schwachsinn und es ist traurig für die Frauen und für den Bürger so ein Unsinnstheater sich anhören zu müssen.
2.
P.Delalande 24.11.2014
Aber werte Frau Reimann, eine Frauenquote ist doch keine Gleichstellung sondern eine Bevorzugung.
3.
asentreu 24.11.2014
Da kann man ja auf unsere Einheimische Bauerntrampel- und Rentnerpartei fast schon stolz sein. Durch diese Blockadehaltung bremsen sie gleich zwei sinnlose Projekte auf einmal aus! Das die Frauenquote absoluter Unsinn ist (bin selbst eine!), gemacht für ein paar wenige Glückliche, aber das Gros der Millionen Berufstätigen Mütter weiter im Regen steht irgendwo zwischen Minijob, Teilzeit, wochenlangen Kitaferien, mangelnder Betreuung, geringster Rente und fehlenden Ausfallkonzepten kümmert ja nicht, Hauptsache 170 Quoten- Vorständinnen! Und mal ehrlich wer will schon die Maut. Vor allem da man ja wirklich Dummheit attestieren müsste, wenn jemand glaubte, da würde sich nicht spätestens auch ab der nächsten Legislaturperiode auch finanziell erklecklich beim deutschen Autofahrer bedient. Kein Cent mehr, na klar! Der Soli war ja auch nur für "kurze Zeit" gedacht...
4. Nörgeln doch auf beiden Seiten!
Süddeutscher 24.11.2014
Die CSU nörgele an den Vereinbarungen der Großen Koalition zur Frauenquote herum. Aha. Das ist der Spiegel Duktus. Aber wenn unentwegt Kritik an der Straßenmaut von der SPD kommt, dann ist das etwas anderes? Bitte auf dem Boden bleiben. Die Frauenquote ist ja nicht der Weisheit letzter Schluss. Eher ist sie ein Schnellschuss, um gesellschaftspolitische "Modernität" vorzuspiegeln. Dabei ist es völlig illusorisch zu glauben, dass eine festgelegte Geschlechter-Quote ohne Schäden für die Wirtschaft umsetzbar ist. Nicht, weil Frauen es nicht könnten, sondern weil der Arbeitsmarkt das nicht hergibt und auch die von Frauen mitgebrachten Rahmenbedingungen (Frauen können plötzlich schwanger werden und dann ausfallen) für eine Tätigkeit in der Chefetage abträglich sind. Das kann man nicht wegdiskutieren. Ist so. Und bei aberwitzigen Gehältern von weit über 100.000 Euro/ Jahr erwartet ein Arbeitgeber natürlich, dass alle Mitarbeitern, ob Mann oder Frau, funktionieren. Das muss man nicht schön finden. Aber wenn man das System aufbrechen will, muss man flexible Modelle anbieten. Feste Quoten sind hingegen Humbug!
5. Im Gegenzug kann sich die SPD
frantonis 24.11.2014
bei der PKW-Maut querstellen. Dann sind alle wieder quit.
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