Machtkampf in der AfD Frauke Macbeth

Jeanne d'Arc der Rechten oder Lady Macbeth aus Dresden? Auf der politischen Bühne entfaltet sich das Drama der Frauke Petry. Plötzlich ertappt man sich dabei, wie man Anteil am Schicksal einer AfD-Politikerin nimmt.

Frauke Petry
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Frauke Petry

Eine Kolumne von


Frauke Petry hat ein Video veröffentlicht. Sie spricht darin über die Lage ihrer Partei. Über machtpolitische Strategien. Sie sagt, bei der Bundestagswahl wolle sie nicht die Spitzenkandidatin der AfD sein. Jetzt reden alle über den Machtkampf in der Partei und wo Petry da steht. Das ist auch wichtig. Aber interessanter ist Frauke Petry selbst.

Man sollte sich dieses Video ansehen. Blass guckt sie in die Kamera, das spitze Kinn vorgereckt, und sagt trotzig ihren Text. Sie wirkt nicht wie die erfolgreichste deutsche Politikerin seit langer Zeit - die sie ist.

Eine Jeanne d'Arc der Rechten oder eine Lady Macbeth aus Dresden? Auf jeden Fall eine große Bühnenfigur im politischen Theater. Und dann ertappt man sich bei dem Wunsch: der Vorhang möge noch nicht so bald über diese Frau fallen.

Die meisten Menschen erfahren nie, wozu sie in der Lage wären. Sie wissen nicht, was sie können. Es ergibt sich einfach nicht. Und sie tun nichts dafür. Frauke Petry ist anders. Sie war Unternehmerin, sie war Pfarrersfrau, sie hat schon vier Kinder und bekommt gerade ihr fünftes, sie hat Pfarrhaus und Pfarrer verlassen und stattdessen einen Mann geheiratet, den viele für einen Spieler halten, um gemeinsam mit ihm in Deutschland eine Revolution anzuzetteln. Also muss sie das ja wohl auch sein, eine Revolutionärin und eine Spielerin.

Was für ein Jammer, dass das alles Rechte sind, Ausländerfeinde, Islamfeinde, die sich anschicken, die liberale deutsche Demokratie ins Autoritäre zu drehen. Es ist in der Wirklichkeit eben wie im Film: Die Bösen sind meistens spannender als die Guten.

Neulich hat Frauke Petry geweint. Auf einem Podium ihrer Partei. Sie war hart angegriffen worden. Schon da stellte sich die Frage: Ist Sympathie - im Sinne von Mitleiden, Nachempfinden - mit dieser Frau überhaupt erlaubt? Immerhin wurde nachher spekuliert, ob das taktische Tränen waren oder echte. Dabei ist Petry hochschwanger. Sie will das auch nicht verbergen. Daraus ergeben sich neue Fragen: Ist der Babybauch ein zulässiges Mittel in der politischen Auseinandersetzung? Und wieso überhaupt eine Schwangerschaft im Wahljahr? Oder sprengen solche Fragen den Rahmen, der das Private vom Politischen trennt? Aber andererseits hat das Leben dieser Frau eine solche Drehzahl angenommen, dass sich Privates und Politisches ja gar nicht mehr trennen lassen.

Das ist eine Gemeinsamkeit mit der anderen großen politischen Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte: der Geschichte der Grünen.

Frauke Petry ist ein bisschen auch eine rechte Wiedergängerin der legendären Petra Kelly. Auch die war überzeugt, kompromisslos, von Innen glühend und auf sonderbare Weise hart und durchscheinend zugleich. Und mit ihrem unglücklichen General Gert Bastian war auch Kelly in einer politischen Amour fou gefangen. An der Stelle soll die Analogie dann aber enden.

Reißt euch am Riemen, ihr Rechten!

Frauke und Marcus - die sind ein mitteldeutsches Paar Macbeth. "Eil' hieher / Auf daß ich meinen Mut ins Ohr dir gieße", sagt Lady Macbeth bei Shakespeare ihrem Mann. Und man stellt sich vor, dass sich so die Frauke und der Marcus gegenseitig Mut ins Ohr gießen, um ihre Partei zu erobern.

Aber wie bei so manchen Spielern, die mit hohen Einsätzen handeln, geht auch hier so vieles schief. Dunkle Verbindungen nach Russland, Rachsucht und unbezahlte Rechnungen - die Rechten liefern neben einem großen politischen Spektakel auch tolle Alliterationen. Also will man ihnen erst recht zurufen: Reißt euch am Riemen, ihr Rechten!

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Nach Petrys Videobotschaft erschien in der "FAZ" ein Kommentar, in dem es hieß: "Einen Richtungsstreit in der Form, wie Petry ihn darstellt, gibt es nicht." Das ganze Spektakel sei nur der Machtkampf in "einer Partei, deren Führungsleute aus charakterlichen Gründen nicht zur Kooperation fähig sind und die sich nicht vom Rechtsradikalismus distanzieren kann."

Und das in einer Zeitung, deren ausländerpolitische Kommentare seit geraumer Zeit große Zustimmung in der AfD-Population verdienen - soweit die noch Zeitung liest.

In die Rolle der Realpolitikerin schlüpfen

Dabei beschreibt Petry in ihrem Video einen realen Konflikt. Was macht die AfD? Sie hat mit ihrem Islamhass und ihrer Ausländerfeindlichkeit die anderen Parteien lange vor sich hergetrieben. Aber die anderen Parteien reagieren. Petry sagt, so mancher AfD-Wähler wandere schon in der fälschlichen Annahme wieder ab, weil er glaube, die etablierten Parteien hätten ihre Lektion gelernt - die AfD werde geschwächt, ihre Forderungen am Ende aber gar nicht umgesetzt. Petrys Schlussfolgerung: "Für den dringend notwendigen Kurswechsel müssen wir daher das Steuerrad möglichst schnell selbst in die Hand bekommen."

Sie will - weitere Analogie zu den Grünen - in die Rolle der Realpolitikerin schlüpfen und die AfD koalitionsfähig machen.

Sobald man sich das vorstellt, wäre es sicher zu begrüßen, dass sich die AfD vor der Zeit selber zerlegt. Soweit die Politik aber auch ein Theater ist, wäre das ein großer Verlust.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 226 Beiträge
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Seite 1
udo_loebb 20.04.2017
1. Das Problem ist nicht Frauke Petry
sondern unsere tolle Regierung. Was dort alles falsch gemacht wird, kann eine Opposition, selbst in einigen Jahren, nicht wieder gut machen. Man will nur von den vorhandenen Problemen ablenken. Bitte benennt doch einmal die guten Seiten dieser massenhaften illegalen Zuwanderung. Worin liegen denn die Vorteile für D? Milliarden ausgaben? Bessere Zukunft? Was wurde uns bisher alles vorgelogen und soll nun hintenherum wieder abgeschafft werden? Es kann so einfach nicht weiter gehen. Wir werden die Welt nicht retten können, auch wenn sich das manche so erträumen.
Epsola 20.04.2017
2.
Jeanne d'Arc oder Lady Macbeth? Eher, Zauberlehrling des Zauberlehrlings!
artifex-2 20.04.2017
3. Vielleicht
ist die DAME aber auch nur eine von Hybris geplagte Egozentrikerin , die eine vielversprechende Partei nur an die Wand fährt . Mit dieser Disziplin hat sie ja schon Einiges an Erfahrungen gesammelt ?
Parias 20.04.2017
4. Bravo!!!
Gelungen, nicht tendenziös, sehr gut lesbar - so muss Kommentieren sein.
hermy 20.04.2017
5. Lieber Josef Augstein
ich kann ihre Kommentare oft nachvollziehen, auch teilen, aber Frauke Petri in einem Satz mit Petra Kelly zu erwähnen, das können sie Petra nun wirklich nicht antun.
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