Ex-Chefin AfD wirft Petry Datenklau aus Mitgliederkartei vor

Wollte sich Frauke Petry wertvolle Kontakte für eine Parteineugründung sichern? Nach SPIEGEL-Informationen wirft die AfD der früheren Bundeschefin vor, vor ihrem Austritt Mitgliederdaten kopiert zu haben.

Frauke Petry
DPA

Frauke Petry


Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat sich die damalige AfD-Bundeschefin Frauke Petry offenbar einen großen Datensatz aus der Mitgliederkartei der Partei verschafft. Nach SPIEGEL-Informationen wirft der Datenschutzbeauftragte der AfD Petry in einer Mail vor, sie habe am Abend des 15. September mehr als 116.000 Kontaktdatensätze kopiert und große Mengen exportiert. Dies sei rechtswidrig, Petry müsse die Daten umgehend löschen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 41/2017
Wie ARD und ZDF Politik betreiben

Petry hat die AfD inzwischen verlassen. Die AfD-Führung befürchtet, dass die frühere Vorsitzende eine neue Partei gründen und die Daten nutzen will, um Parteimitglieder abzuwerben. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Petry bestätigte dem Datenschutzbeauftragten, sie habe sich einen Zugang zur Datenbank geben lassen, aber nur, nachdem "mein persönlicher Zugang ohne Information offenbar Wochen vorher massiv und ohne Begründung eingeschränkt" worden sei. Sie habe sich nur "über den aktuellen Mitgliederbestand informiert" - und die Daten anschließend gelöscht.

Nach Angaben des "Stern" hat der AfD-Bundesvorstand mittlerweile in einem schriftlichen Umlaufverfahren beschlossen, die frühere Vorsitzende wegen des mutmaßlichen Datenklaus zu verklagen. Das oberste Parteigremium lasse derzeit die Softwaredaten des sogenannten Parteimanagers prüfen, mit dem die Mitgliederdaten verwaltet würden.

Dieser Darstellung widersprach der Bundesvorstand der AfD. Es sei unzutreffend, dass man Petry verklagen wolle. Die habe zwar im September "umfängliche Datenmengen aus dem Parteimanager heruntergeladen", habe jedoch zugesagt, diese zeitnah zu löschen und auch nicht weiter zu verwenden. Man gehe davon aus, dass diese Zusage eingehalten werde.

Anmerkung der Redaktion: Die AfD hat der vom "Stern" geschilderten Klage-Absicht gegen Petry nach Erscheinen des Artikels widersprochen, wir haben diese Information ergänzt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

ama

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.