Tumulte bei Bürgerversammlung Asylgegner in Freital brüllen Andersdenkende nieder

Eine Bürgerversammlung zum Flüchtlingsheim in Freital hat zu heftigen Tumulten geführt. Asylgegner schnitten Andersdenkenden das Wort ab und wurden handgreiflich. Bewohner der Unterkunft waren gar nicht erst anwesend.

Bürger vor dem Kulturhaus in Freital: "Zecke raus"
DPA

Bürger vor dem Kulturhaus in Freital: "Zecke raus"


Politiker und Behörden wird oft der Vorwurf gemacht, sie nähmen die Sorgen und Ängste der Bürger vor neuankommenden Asylbewerbern nicht ernst und hätten kein Ohr für die Anwohner.

Im sächsischen Freital, wo in den vergangenen Wochen Proteste gegen ein Flüchtlingsheim eskaliert waren, stellte sich Sachsens Innenminister Markus Ulbig den Fragen der Bürger. Der künftige Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) war nicht anwesend, er hatte zuvor ein Ende von Fremdenfeindlichkeit und Hass gefordert. Doch eine sachliche Diskussion war praktisch unmöglich. Die Asylgegner brüllten die CDU-Politiker nieder und drehten Andersdenkenden das Mikrofon ab.

Ulbig wurde ausgebuht, als er die Situation bei der Flüchtlingsunterbringung darstellen wollte. Bürger warfen der Politik vor, sie zu belügen. Die Asylbewerber würden den Frieden in dem Wohngebiet stören. "Die verursachen nur Dreck und Müll und schmeißen alles aus dem Fenster", sagte eine Anwohnerin. Eine andere gab an, wegen des Lärms nachts ohne Schlaftabletten kein Auge mehr zuzumachen. Geld würde "für Asylbewerber verschwendet" und fehle beim Kitabau oder für marode Schulen.

Redner, die sich für die Flüchtlinge einsetzen, wurden mit "Halt die Fresse"-Rufen niedergebrüllt und bedroht, es kam zu Handgreiflichkeiten. Einer Vertreterin der Initiative für Weltoffenheit und Toleranz, die sagte, dass sie sich für Freital schäme, wurde das Mikrofon weggenommen.

Ulbig zeigte sich von den Störern enttäuscht. Mit denen sei ein Gespräch unmöglich. "Erfolg sieht anders aus, aber wichtig war sie, die Veranstaltung." Es sei darum gegangen, Sorgen und Themen der Bürger aufzunehmen. Flüchtlinge waren bei der Bürgerversammlung nicht im Saal.

In Freital bei Dresden protestieren seit Monaten Menschen gegen die vom Landkreis genutzte Asylunterkunft in dem früheren Hotel. Als dort vor zwei Wochen eine Erstaufnahmeeinrichtung mit weiteren 280 Plätzen eingerichtet wurde, eskalierte die Lage. Die Anwohner sprachen von einer "Nacht- und Nebelaktion" der Landesregierung. Den Asylgegnern stellten sich teils mehr als hundert Gegendemonstranten entgegen. Mehrfach wurden sie von Rechten angegriffen.

Video: Proteste gegen Flüchtlinge in Freital

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass sich in Freital der künftige Oberbürgermeister Uwe Rumberg und Sachsens Innenminister Markus Ulbig den Fragen der Bürger stellen wollten. Dies war missverständlich formuliert, anwesend war Montagabend nur Ulbig. Wir bitten dies zu entschuldigen.

syd/dpa



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