Anti-Asyl-Protest in Sachsen Polizei muss Flüchtlingsheim in Freital beschützen

In Freital bei Dresden protestieren seit Wochen Menschen gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Nun werden weitere Asylbewerber in einem ehemaligen Hotel untergebracht. Unterstützer fürchten Übergriffe von Pegida-Anhängern auf die Ausländer.

DPA

Die Stimmung im sächsischen Freital ist gereizt. Seit Wochen demonstrieren Anwohner und rechte Gruppen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in dem ehemaligen Hotel Leonardo. Bislang hatte der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dort etwa hundert Asylbewerber untergebracht, nun sollen in dem Gebäude zusätzlich bis zu 280 Plätze für die Erstaufnahme von Asylbewerber eingerichtet werden.

Seither marschieren jeden Abend Asylgegner vor dem Heim auf. Etwa 200 waren es am Montagabend, gut 80 am Dienstag. Aus ihren Reihen seien vereinzelt Eier geworfen worden, teilte die Polizei mit. Freital bei Dresden, Wohnort des Pegida-Gründers Lutz Bachmann, gilt als Hochburg der selbst ernannten "Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes". Bachmann selbst hatte zu den Protesten aufgerufen. "Das muss ein Ende haben! Auf die Straße Leute! Wehrt Euch!", forderte Bachmann in einem Facebook-Eintrag.

Etwa 200 Menschen stellten sich nach Angaben der Polizei am Dienstag dem Protest entgegen und riegelten die Unterkunft ab. Die Polizei trennte beide Gruppen, die sich immer wieder lautstark gegenseitig als "Nazis" oder "Linksfaschisten" beschimpften.

Am späten Abend zogen sich die Gegner der Flüchtlingsunterkunft zurück. Auch die Gegendemonstration löste sich größtenteils auf. Nur eine Handvoll Menschen blieb am Heim zurück, um es nach eigenen Angaben gegen Angriffe "der Rechten" zu schützen.

"Der Einsatz wurde um 0.45 Uhr beendet", sagte ein Polizeisprecher. Dennoch werde man rund um die Uhr vor der Unterkunft präsent bleiben, um Zwischenfälle zu verhindern. Für Mittwoch und Donnerstag wurden weitere Versammlungen rund um das Wohnheim angemeldet.

Kritik an Innenminister Ulbig

Politiker von Linken, SPD und Grünen äußerten sich besorgt über die Proteste. Besonders erschreckend sei die Stimmungsmache, die die Organisatoren von Pegida in Freital betreiben würden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in Sachsen, Henning Homann.

Linke und Grüne warfen der schwarz-roten Staatsregierung Missmanagement vor. CDU-Innenminister Markus Ulbig habe die Erstaufnahme nicht im Griff und gefährde Flüchtlinge, sagte die Linken-Migrationsexpertin Juliane Nagel. Ulbig wies die Vorwürfe zurück.

Die Landesdirektion will das Freitaler Hotel als Zwischenlösung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen nutzen. Mit der Belegung der 280 Plätze könnten die umstrittenen Zelte, die in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz errichtet worden seien, Zug um Zug wieder abgebaut werden, hieß es.

Schon seit Anfang März fänden jeden Freitag rassistische Aufmärsche gegen die Unterkunft statt, sagte die örtliche Linken-Wahlkreisabgeordnete Verena Meiwald. Die Wahl der Stadt als Standort für die Erstaufnahme zeige, wie wenig sensibel das Innenministerium vorgehe.

Ulbig rechtfertigte die Unterbringung: "Mit der Einquartierung in Freital können Flüchtlinge aus Zelten herausgebracht werden", sagte der Minister. "Ausländerfeindliche oder populistische Parolen Einzelner dürfen nicht die Verantwortung unserer Gesellschaft für eine vernünftige und anständige Unterbringung infrage stellen."

Bericht des Uno-Flüchtlingshilfswerks

syd/dpa

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