Freiwilligendienst: Der Zivi geht, der Bufdi kommt

Der Bundesfreiwilligendienst wird unerwartet gut angenommen: Nach ersten Startschwierigkeiten haben sich seit Juli bereits mehr als 25.000 Menschen für den Zivildienst-Ersatz angemeldet - unter den Freiwilligen sind auch Ältere überraschend stark vertreten.

Ehemaliger Zivi im Krankenhaus: Bundesfreiwilligendienst hat den Pflichtdienst abgelöst Zur Großansicht
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Ehemaliger Zivi im Krankenhaus: Bundesfreiwilligendienst hat den Pflichtdienst abgelöst

Köln/Koblenz - Ein halbes Jahr nach seiner Einführung wird der Bundesfreiwilligendienst bereits als Erfolg gefeiert. Bis Weihnachten wurden nach Angaben des Kölner Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben 26.240 Verträge für die sogenannten "Bufdis" abgeschlossen.

"Es gibt niemanden, der mit einer so hohen Anzahl gerechnet hätte", sagte der Sprecher des Amtes in Köln, Josef Opladen. Die Entwicklung sei daher "schon sehr positiv". Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist nach dem ersten Halbjahr zufrieden: "Mit dem Bundesfreiwilligendienst haben wir für alle Altersklassen ein vielfältiges Angebot geschaffen. Und das wird genutzt - allen Unkenrufen zum Trotz", sagte sie gegenüber der "Rhein-Zeitung".

Angesichts dieser Zahlen hält Schröder die von ihr ausgegebene Marke von jährlich 35.000 "Bufdis" für erreichbar. Im Gegensatz zum Zivildienst, der am 31. Dezember endgültig ausläuft, gibt es beim Bundesfreiwilligendienst keine Altersbegrenzung.

So sind zum Beispiel 20 Prozent der freiwilligen Helfer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband über 30 Jahre alt - jeder zweite von ihnen sei im Rentenalter, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. "Das reicht vom Studienabsolventen, der sich nun erst einmal orientieren will in der Praxis, bis hin zum 72-jährigen Rentner, der Lust hat, sich einer sinnvollen Aufgabe zu widmen."

Auf dem Land sind Bufdi-Stellen noch unterbesetzt

Stellen in Pflegeheimen seien relativ schwierig zu besetzen, doch das sei bei den Zivildienstleistenden genauso gewesen. "Es war immer ein ganz großes Problem, dass junge Menschen natürlich lieber in den Kindergarten wollen als dass sie sich der sehr schweren Arbeit des Umgangs mit pflegebedürftigen Menschen hingeben wollen", sagte Schneider.

Offenbar gibt es auch noch deutliche Unterschiede zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen. Während in Großstädten die Angebote genutzt würden, gebe es laut der "Rhein-Zeitung" in sozialen Einrichtungen auf dem Land nach Aussetzung des Zivildienstes noch zu wenig "Bufdis".

Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt - zumindest in Teilen - den mit Ende der Wehrpflicht ebenfalls auslaufenden Zivildienst. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Bundesfreiwilligendienst kein Pflichtdienst ist. Er ist ein Angebot - und zwar an alle: Frauen und Männer, Junge und Alte, Deutsche und Ausländer.

Sie können eine Zeit lang in Krankenhäusern oder Behindertenheimen, aber auch im Bildungs-, Sport- oder Kulturbereich mitarbeiten. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, man kann ihn aber auch auf zwei Jahre verlängern oder auf ein halbes Jahr verkürzen. Für ihre Arbeit erhalten die "Bufdis" ein Taschengeld von bis zu 330 Euro, manche Träger stellen dazu aber auch Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung.

lgr/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Verblüffung
parisien 28.12.2011
Zitat von sysopDer Bundesfreiwilligendienst wird unerwartet gut angenommen: Nach ersten Startschwierigkeiten haben sich seit Juli*bereits mehr als 25.000 Menschen für den Zivildienst-Ersatz angemeldet - unter den Freiwilligen sind auch Ältere überraschend stark vertreten. Freiwilligendienst: Der Zivi geht, der Bufdi kommt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806080,00.html)
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
2. Der
fr.rottenmeier 28.12.2011
Zitat von parisienWenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
ein oder andere Bufdi wird es wohl auch als Überbrückung nutzen müssen, bis ein Studienplatz für ihn frei wird, oder ein Ausbildungsvertrag in Aussicht ist. Und natürlich macht sich ein Bufdi im Lebenslauf allemal besser als ein Rumhängjahr bei Mutti zu Hause. :-)
3. Warten und Hoffen
logikerhh 28.12.2011
Zitat von parisienWenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Mir geht's ebenso. Man muss da noch einmal die genaue Analyse abwarten wer den Dienst macht und ob die Genannten dann auch wirklich dafür geeignet sind, aber offensichtlich war die Öffnung von Alter/Geschlecht und Nationalität ein echter Coup. Zuvor war z.B. gebürtigen Ausländern lediglich das freiwillige soziale Jahr eine Alternative, wenn sie sich vor einem sozialen Studium in der Praxis bilden wollten, das funktioniert jetzt auch so. Und Rentner, die zuvor komplett ehrenamtlich möglicherweise sowieso Dienste dieser Art übernommen hätten (oder gar haben?) erhalten so ein kleines Zubrot zu ihrer Rente. Es zeigt sich immer mehr, dass in dem Chaoshaufen der Regierung ausgerechnet die jüngste CDU-Ministerin, Kristina Schröder, ein gutes Gespür für die Realität beweist. Was mich indes nicht verwundert, traut sie sich schließlich als eine der Wenigen, auch offen zu Frau von der Leyen zu opponieren, wenn sie anderer Meinung ist. Bislang hielt ich ausnahmslos ihre Vorschläge für die besseren im Vergleich zu jenen von der Leyens.
4. ...
CorvusCornix 28.12.2011
Zitat von parisienWenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Nein, Sie müssen Ihre Analyse nicht wirklich überdenken, Sie haben aber die vielen ehrenamtlichen Helfer vergessen oder junge Leute, die auch früher schon zB ein FSJ abgerissen haben. Auch sprach der Artikel von vielen älteren Menschen, die unter den Bufdis sind, das sind diejenigen, die eigentlich schon immer der Gesellschaft etwas zurückgeben wollten, aber teilweise zu bequem zum Organisieren waren oder schlichtweg keinen Ansprechpartner hatten. Meine Großmutter (76J) ist jetzt auch (erstmal) für ein halbes Jahr ein Bufdi. Sie hat schon immer eine Familie mit einem behindertem Kind unterstützt, die mit ihr in einem Haus wohnt, jetzt begleitet sie dieses Kind ganz offiziell zur Förderschule und hilft dort vor Ort in der Betreuung mit. Für sie hat sich nicht viel geändert, außer daß sie nun für etwas mehr Arbeit sogar noch etwas Geld bekommt. Und sie hat schon etliche Freundinnen über diesen Dienst "informiert" :-) Oder die Frau eines Arbeitskollegen, die nicht bedachte, daß ihr während einer dreijährigen Elternzeit die Decke auf den Kopf fallen könnte. Sie wird demnächst als Bufdi in der Kita helfen, in die ihr Sohn später gehen wird.
5.
jimknopf107 28.12.2011
Zitat von parisienWenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Es muss sich eben erst etapplieren, das bisherige System war wegen seines Verstoßes gegen das GG (Gleichheitsgrundsatz) ohnehin nicht mehr länger tragbar. Aber auch das - und das verschweigt der Spiegel-Artikel erwartungsgemäß - ist ein Erfolg vor allem von und für Herrn Guttenberg (ja, genau jener welcher so bereitwillig dem SPON über den unglaublich langen Sommer geholfen hat), der mit der Abschaffung des Grundwehrdienstes dieses Modell überhaupt erst möglich gemacht hat. Was jetzt noch fehlt, ist die Frauenquote für den Bufdi, denn schließlich sind Frauen in sozialen Belangen doch besonderst stark- zumindest wird es einem überall so erzählt..
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Die Bundesfreiwilligen
Was ist bitteschön ein "Bufdi"?
dapd
Die Wehrpflicht ist ausgesetzt - der Zivildienst damit obsolet. Deswegen gibt es nun den sogenannten Bundesfreiwilligendienst, den mancher schon mit "Bufdi" abkürzt. Er dauert sechs bis 24 Monate, in der Regel ein Jahr. Männer und Frauen ab 16 Jahren sollen in Krankenhäusern oder Behindertenheimen eingesetzt werden, aber auch in Bildung, Kultur, Sport und anderen Bereichen.
Zahlen, bitte?
Freiwillige erhalten neben Unterkunft, Dienstkleidung und Verpflegung ein Taschengeld von monatlich maximal 330 Euro. Zum Dienstbeginn am 1. Juli wurden laut Bundesfamilienministerium gut 3000 Verträge geschlossen. Zusammen mit 14.300 Zivildienstleistenden, die ihre Zeit verlängert haben, umfasst der neue Dienst zu seiner Einführung somit rund 17.300 Freiwillige.
Neues Lohndumping?
Der Jugendverband des Deutscher Gewerkschaftsbundes (DGB) kritisiert, der Bundesfreiwilligendienst und der freiwillige Wehrdienst eröffneten "keinerlei Perspektiven" für junge Menschen. Sie verdrängten reguläre Arbeitsplätze, weiteten den Niedriglohnsektor noch mehr aus und könnten zu "Lohndumping vor allem bei sozialen Berufen" führen.
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Um den Wegfall von Zivi-Stellen auszugleichen, führte das Familienministerium im Frühjahr 2011 den Bundesfreiwilligendienst, kurz "Bufdi", ein. Los ging's zum 1. Juli 2011 mit rund 3000 Teilnehmern, es werden laufend mehr. Der Dienst dauert 6 bis 24 Monate, teilnehmen können alle, die ihre Pflichtschulzeit absolviert haben. Gesorgt wird für: Unterkunft, Dienstkleidung und Verpflegung ein Taschengeld von monatlich maximal 330 Euro. Im Internet gibt es eine Platzbörse.
Der Klassiker: FSJ/FÖJ im Inland
Taschengeld und Unterkunft gibt's auch beim Freiwilligen Sozialen und Ökologischen Jahr, Teilnehmer dürfen jedoch höchstens 26 sein. Neben sozialen Bereich ist ein FSJ auch im Sport oder in der Kultur möglich. Da FSJ und FÖJ von den Ländern koordiniert werden, gibt es keine zentrale Platzbörse, Infos zu Trägern und Einsatzstellen bieten die Sozialministerien der Länder oder der Bundesarbeitskreis FSJ.
Raus von zuhaus: FSJ/FÖJ im Ausland
FSJ- und FÖJ-Stellen vermitteln neben den Kirchen das Deutsche Rote Kreuz, die Awo und der Internationale Bund. Da die staatliche Förderung für ein FSJ und FÖJ im Ausland in der Regel nicht ausreicht, sind sie für die Teilnehmer oft mit Kosten verbunden. Eine Ausnahme ist der kultur- und bildungspolitische Freiwilligendienst kulturweit organisiert vom Auswärtigen Amt.
Hauptsache weg: Weitere Dienste im Ausland
Seit 2008 können junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren auch mit dem Freiwilligendienst des Entwicklungshilfeministeriums Weltwärts ins Ausland gehen. Unterkunft, Verpflegung, Reisekosten, Versicherung und Taschengeld übernimmt der Bund, von den Freiwilligen wird jedoch erwartet, dass sie sich durch Aufbau eines Spenderkreises und Infoveranstaltungen für ihre Entsendeorganisation engagieren. Andere Möglichkeiten als Freiwilliger die Welt kennenzulernen bieten der Europäische Freiwilligendienst (EFD) und der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD)
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