Fremdarbeiter-Äußerung Pau schürt Streit mit Lafontaine

Der Streit zwischen zwei Spitzenpolitikern der geplanten Linkspartei eskaliert. Die PDS-Bundestagsabgeordnete Petra Pau übt in einem Papier scharfe Kritik an Oskar Lafontaine. Dessen "Fremdarbeiter"-Rhetorik verstoße gegen die PDS-Linie.


 PDS-Bundestagsabgeordnete Pau: "Das Wort Fremdarbeiter ist inhuman"
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PDS-Bundestagsabgeordnete Pau: "Das Wort Fremdarbeiter ist inhuman"

Berlin - In einem dreiseitigen Statement, das dem SPIEGEL vorliegt, greift Pau ihren künftigen Parteifreund scharf an. Das Wort "Fremdarbeiter", dessen Gebrauch Lafontaine seit Tagen verteidigt, sei nicht mit dem PDS-Programm vereinbar.

"Egal, aus welcher Zeit das Wort 'Fremdarbeiter' geschöpft wird, ich finde: Es suggeriert immer Fremdes, Hierarchien, Gefahr", schreibt die Abgeordnete. Deshalb sei es "seit Jahren verpönt". Das Wort sei "inhuman", schüre Ängste und bediene "rechte Klischees".

Es ist das zweite Mal innerhalb von wenigen Tagen, dass Pau den WASG-Spitzenkandidat für seine "Fremdarbeiter"-Äußerung kritisiert. Lafontaine hatte auf einer Kundgebung in Chemnitz gesagt: "Der Staat ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen".

Auch Lafontaines Unterstützung des ehemaligen Frankfurter Polizeivizepräsidenten Daschner kritisiert Pau scharf. Auf dem Kasseler Parteitag der WASG am Sonntag hatte Lafontaine Verständnis für Daschner geäußert, der dem Entführer des Bankiersohns Jakob von Metzler mit Folter gedroht hatte. Im PDS-Programm werde die Androhung von Folter abgelehnt, schreibt Pau.

Sie habe deshalb einen "anhaltenden Konflikt" mit Lafontaine, schreibt die PDS-Politikerin weiter. Und wenn Lafontaine behaupte, dass er das PDS-Programm gelesen habe und unterschreiben könne, "dann gibt es noch einen Konflikt - diesmal zwischen Oskar und Lafontaine".



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