Freunde in der Not: Rösler glaubt Wulff

Der Bundespräsident gerät wegen eines delikaten Privatkredits unter Druck - nun springt ihm sein langjähriger Weggefährte Philipp Rösler bei. Der FDP-Chef nimmt Wulff gegen Täuschungsvorwürfe in Schutz - stellt aber klar: Er selbst hätte anders gehandelt.

Rösler und Wulff nach der Landtagswahl 2008 in Hannover: Kein Zweifel an Aussage Zur Großansicht
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Rösler und Wulff nach der Landtagswahl 2008 in Hannover: Kein Zweifel an Aussage

Berlin/Hannover - Die Debatte um Christian Wulffs Privatkredit nimmt kein Ende - der Bundespräsident gerät immer mehr in Bedrängnis. Nun bekommt der CDU-Politiker Hilfe von einem langjährigen Weggefährten: FDP-Chef Philipp Rösler nahm ihn in Schutz gegen die immer lauter werdenden Vorwürfe, er habe den niedersächsischen Landtag als Ministerpräsident über ein privates Darlehen getäuscht. Mit dem Kredit der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens hatten Wulff und seine Frau Bettina ein Haus gekauft. Der Bundespräsident weist alle Verdächtigungen und Beschuldigungen zurück. Es sei alles korrekt gelaufen.

"Der Bundespräsident hat erklärt, er habe sich damals korrekt verhalten. Ich habe überhaupt keinen Anlass, an dieser Aussage zu zweifeln", sagte Rösler der "Passauer Neuen Presse". Der Bundeswirtschaftsminister kennt den CDU-Mann bereits seit Jahren: Als Ministerpräsident hatte Wulff Rösler 2009 zum Wirtschaftsminister in Niedersachsen berufen, der Liberale war auch sein Stellvertreter. Zuvor hatte Rösler bereits als Fraktionschef eng mit Wulff in Hannover zusammengearbeitet.

Allerdings machte Rösler gleichzeitig in der "Passauer Neuen Presse" auch deutlich, dass er selbst einen anderen Weg gewählt hatte - und den von Wulff gewählten wohl nicht als den besten empfindet: "Wer ein Eigenheim kauft oder baut, nimmt zumeist einen privaten Kredit über die Hausbank auf. Das ist bei meiner Familie nicht anders."

"Pure Haarspalterei"

Andere gehen mit Wulff dagegen härter ins Gericht: "Die damalige Antwort des Ministerpräsidenten war pure Haarspalterei. Der Landtag wurde nicht umfassend informiert. Ich fühle mich getäuscht", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, den "Ruhr Nachrichten".

Er forderte, dass das Parlament in Hannover den Vorgang aufklären müsse. "Welche Konsequenzen das Verhalten von Herrn Wulff für seine heutige Position als Bundespräsident hat, muss er zunächst selbst beurteilen", sagte Wenzel.

Auch die Grünen im Bund erwarten von Wulff eine rasche und umfassende Aufklärung der Vorwürfe - ihnen reicht dessen Erklärung von Dienstag nicht aus. "Ich hoffe sehr, dass der Bundespräsident die jetzt aufgekommenen Fragen schnell und umfassend beantworten wird", sagte die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, der "Welt".

Nach der Erklärung des Bundespräsidenten bleiben einige Fragen offen: Löste Wulff den privaten Kreditvertrag mit Geerkens wenige Tage nach der Grünen-Anfrage wirklich nur ab, weil er plötzlich ein besseres Angebot von der BW-Bank bekommen hatte? Oder ahnte der damalige Ministerpräsident, dass ihm die Sache gefährlich werden könnte? Und warum nahm Wulff Egon Geerkens als Ministerpräsident dreimal in seiner Wirtschaftsdelegation mit auf Auslandsreise, obwohl dieser bereits im Ruhestand war?

Sorge im Bundespräsidialamt

Derweil registrieren nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hohe Mitarbeiter in Wulffs Amt befremdet, dass der CDU-Mann die Vorwürfe gegen ihn anders als sein Vorvorgänger Johannes Rau behandelt. Der hatte in der sogenannten Flug-Affäre penibel darauf geachtet, diesen Vorfall aus seiner Zeit als Ministerpräsident nicht wie eine Affäre als Staatsoberhaupt zu behandeln. Er ließ eine Anwaltskanzlei für sich sprechen - und trennte damit Amt und Person.

Viele im Bundespräsidialamt irritiert, dass Wulffs Sprecher die Stellungnahme zu der Kredit-Affäre auf dem Briefpapier des Amts verschickte - ein Vorgang mangelnder Souveränität und Sensibilität, wie sie finden.

Bundespräsident muss unangreifbar sein

Über fehlendes Fingerspitzengefühl, politische Instinktlosigkeit und die fehlende Trennung von privaten, finanziellen und politischen Beziehungen und Geschäften diskutiert auch mancher in der Union. Viele finden Wulffs Erklärung ziemlich formal-juristisch. Schließlich müsse ein Bundespräsident auch politisch unangreifbar sein, hieß es in Unionskreisen am Dienstag.

Rückendeckung bekam Wulff von Peter Altmaier, dem Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion. Er könne in Wulffs Umgang mit dem Fall "kein juristisches Fehlverhalten erkennen", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Er sei zudem sicher, dass Wulff die Fragen, die an ihn gestellt würden, auch beantworten werde.

"Im Übrigen warne ich sehr davor, dass wir das Amt des Bundespräsidenten dadurch gefährden, dass wir es jetzt in unsachlicher Weise diskutieren", sagte Altmaier. Er halte Wulff für einen guten Präsidenten, und "deshalb werden sich all diese Dinge auflösen".

heb/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 140 Beiträge
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1. Offensichtlich
mischpot 14.12.2011
Herr Geerkens hätte Herrn Wulff das Geld auch schenken können. Schließlich hat Herr Geerkens Herrn Wulff viel zu verdanken. Er öffnete Ihm auf seinen Auslandsreisen Türen damit er diverse Geschäfte vornehmen konnte, an die er ansonsten nicht heran gekommen wäre. Oder war er als Berater der Bundesrepublik Deutschland unterwegs? So sieht wahre Vetternwirtschaft aus, daher für einen Kredit nur für den schönen Augenschein noch Zinsen zu nehmen zeigt schon die Scheinheiligkeit die hinter dem ganzen steht.
2. ****
dipl_arch 14.12.2011
Zitat von sysop" Rösler glaubt Wulff "
Glaubt hier jemand dem Rösler? Nimmt den Schwätzer jemand für voll?
3. wer solche freunde hat...
spargel_tarzan 14.12.2011
braucht keine feinde mehr....
4. Ist doch klar...
Audioslave 14.12.2011
Zitat von sysopDer Bundespräsident gerät wegen eines delikaten Privatkredits unter Druck - nun springt ihm ein langjähriger Weggefährte zur Seite: FDP-Chef Rösler nimmt Wulff gegen Täuschungsvorwürfe in Schutz. Die Grünen dagegen nennen*dessen Erklärung*"pure Haarspalterei". Privatkredit-Affäre: Rösler glaubt Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803568,00.html)
Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
5. Typisch deutsches Scheinproblem
jenli 14.12.2011
Zitat von sysopDer Bundespräsident gerät wegen eines delikaten Privatkredits unter Druck - nun springt ihm ein langjähriger Weggefährte zur Seite: FDP-Chef Rösler nimmt Wulff gegen Täuschungsvorwürfe in Schutz. Die Grünen dagegen nennen*dessen Erklärung*"pure Haarspalterei". Privatkredit-Affäre: Rösler glaubt Wulff - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,803568,00.html)
Du meine Güte. Schaltet man Radio oder TV ein wird seit Tagen über diesen völlig unwesentlichen Vorgang (Privatkredit eines seit Jahrzehnten mit der Familie befreundeten Unternehmers) berichtet. Gibt es keine wichtigeren Themen?
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