Freundschaftsanfrage aus der NPD Steinbachs peinlicher Facebook-Freund

Gerade erst hat die Vertriebenen-Funktionärin und CDU-Abgeordnete Erika Steinbach Facebook für sich entdeckt, und schon unterlief ihr eine peinliche Panne: Ein NPD-Politiker bewarb sich um ihre virtuelle Freundschaft, Steinbach bestätigte die Anfrage - mittlerweile hat sie ihn wieder entfreundet.

Von Yassin Musharbash

Bis Donnerstagnachmittag noch Steinbachs Facebook-Freund: NPD-Mann Thomsen

Bis Donnerstagnachmittag noch Steinbachs Facebook-Freund: NPD-Mann Thomsen


Berlin - Sage mir, wer deine Freund sind, und ich sage dir, wer du bist. Hat das, was im echten Leben gilt und derzeit am Beispiel des Bundespräsidenten Christian Wulff anschaulich wird, im virtuellen Raum dieselbe Bedeutung? Oder eher nicht?

Sicher ist jedenfalls, dass der CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach bei der Verwaltung ihrer digitalen Freundschaften ein peinlicher Patzer unterlaufen ist. In der Liste ihrer Facebook-Freundschaften fand sich bis vor kurzem noch ein gewisser Thorsten Thomsen - und der ist Pressesprecher der Fraktion der rechtsextremen NPD im Sächsischen Landtag.

Das geht zwar aus seinem Facebook-Profil nicht hervor, wo lediglich der "Sächsische Landtag" als Arbeitgeber angeführt wird. Aber wer Thorsten Thomsen auch nur googelt, erfährt sofort, wes Geistes Kind er ist.

Erika Steinbach ist der Fall sichtlich unangenehm. "Ich bin in solchen Dingen noch ein Greenhorn", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Erst zwischen Weihnachten und Neujahr habe sie Facebook und Twitter für sich entdeckt, sofort habe es daraufhin einen "Schwall von Anfragen" gegeben. Hinzu käme, dass der Touchscreen des iPads, den sie verwende, ja nicht immer punktgenau sei.

"Schätze Frau Steinbach sehr"

Es ist wohl halt einfach passiert: Steinbach, die man zum rechten CDU-Flügel zählen darf, hatte wegen einer vermutlich unterlassenen Prüfung des Freundschafts-Begehrers plötzlich eine digitale Beziehung zu einem NPD-Sprecher.

Und der wiederum kommentierte fleißig die Einstellungen der CDU-Politikerin auf ihrer eigenen Seite. Erst am Mittwoch beispielsweise trieb er auf Steinbachs sogenannter "Pinnwand" bei Facebook eine Debatte über Rolle und Bedeutung Friedrich des Großen voran, wenn auch etwas verquast: "Ich würde mir wünschen, wenn das heutige Deutschland mehr friderizianischen Geist atmen würde."

Thomsen bestätigt, was auch Steinbach sagt: Die beiden kennen einander nicht persönlich und haben nie persönlich miteinander korrespondiert. Thomsen sagt, er habe die Freundschaftsanfrage gestellt, "weil ich Frau Steinbach in ihrer Eigenschaft als Vertriebenen-Politikerin sehr schätze und weil ich ihr letztes Buch gut fand". Er wolle auf dem Laufenden bleiben, deshalb frage er bei vielen Personen des öffentlichen Lebens an.

Steinbach unterdessen handelte zügig, kaum dass sie auf den NPD-Mann aufmerksam gemacht wurde: "Ich will so jemanden nicht als Freund." Am Donnerstagmittag erklärte sie, sie habe ihren Mitarbeiter bereits gebeten, jemanden zu finden, der "den da wieder rauskriegt". Am Nachmittag war das Werk vollbracht: Thomsen ist nun nicht mehr Steinbachs virtueller Freund.

Die CDU-Politikerin will künftig vorsichtiger sein. "Aber ansonsten ist das ja eine tolle Sache."

Dieses Facebook.

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