Friedensnobelpreis Bundesregierung gratuliert dem tunesischen Dialog-Quartett

Eine "ausgezeichnete Entscheidung": Regierungssprecher Seibert hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an das tunesische Dialog-Quartett gelobt. Buchmacher hatten zuvor noch Kanzlerin Merkel als Favoritin gehandelt.

Tunesische Nationalversammlung 2014: "Besseres verdient als eine neue Diktatur"
AP

Tunesische Nationalversammlung 2014: "Besseres verdient als eine neue Diktatur"


Angela Merkel hat den Friedensnobelpreis trotz heftiger Spekulationen nicht bekommen - nun gratulierte ihr Regierungssprecher den Preisträgern. Das Nobelpreiskomitee hatte sich für das tunesische Dialog-Quartett entscheiden. Das sei eine "ausgezeichnete Entscheidung", wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte.

"Die Bundesregierung gratuliert den Mitgliedern des nationalen tunesischen Dialog-Quartetts herzlich", sagte Seibert weiter. "Es ist der verdiente Lohn für eine Arbeit an der Demokratie, für ein Festhalten an der Idee, dass ein Volk, das eine Diktatur abgeschüttelt hat, etwas Besseres verdient als eine neue Diktatur."

Das Quartett, das aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband, dem Arbeitgeberverband, der Menschenrechtsliga und der Anwaltskammer besteht, habe der tunesischen Bevölkerung und der Welt Hoffnung gegeben, dass Demokratie und Rechtstaatlichkeit auch unter schwierigen Bedingungen möglich seien. Deutschland stehe an der Seite Tunesiens sowohl beim Aufbau der Demokratie als auch bei der Abwehr seiner Feinde.

Und was sagt Merkel?

Auf die Frage, ob Merkel erleichtert sei, dass sie den Preis nicht bekommen hat, sagte Seibert: "Sie hören Freude über eine sehr gute Entscheidung und großen Respekt vor der Preisträgern."

Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk schickte Glückwünsche an die Preisträger: "Nach einem Besuch in Tunesien im März verstehe und respektiere ich die Entscheidung", teilte er mit. "Errungenschaften des tunesischen Volks mit dem Friedensnobelpreis belohnt. Lang lebe die tunesische Demokratie!", kommentierte der französische Premierminister Manuel Valls die Entscheidung.

Die Jury begründete ihre Wahl mit den Bemühungen der Preisträger um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land. Die Vermittlergruppe habe einen "alternativen friedlichen Prozess" angestoßen, "zu einer Zeit, als das Land am Rande eines Bürgerkriegs stand", sagte die Vorsitzende des Komitees, Kaci Kullmann Five. Man hoffe, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde.

Das Quartett wurde 2013 in Zeiten sozialer Unruhen und Mordanschläge in Tunesien gebildet, als der Prozess der Demokratisierung zu scheitern drohte.

Vorgeschlagen waren in diesem Jahr laut dem Komitee 227 Personen und 49 Organisationen. Im vergangenen Jahr hatten sich die erst 17 Jahre alte Malala Yousafzai aus Pakistan und der Inder Kailash Satyarthi den Preis für ihren Kampf für Kinderrechte geteilt.

vks/dpa/Reuters

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