Friedensnobelpreis Geteiltes Echo zu möglicher Kohl-Nominierung

Noch ist die Nominierung nicht sicher. Doch EU-Kommissionspräsident Barroso hat zumindest angekündigt, dass er Altbundeskanzler Helmut Kohl für den Friedensnobelpreis vorschlagen will. Das alleine reichte schon für ein sehr unterschiedliches Echo der deutschen Parteien.

Von Julia Spurzem


Hamburg/Berlin - Nach seiner Ankündigung beim EU-Geburtstagsgipfel am Wochenende will Barroso seinen Vorschlag wohl nun auch in die Tat umsetzen. "Ich beabsichtige, noch in dieser Woche einen Brief an das Preiskommittee zu schreiben, um den Vorschlag förmlich zu unterbreiten", sagte er.

Barroso hatte seinen Vorschlag mit dem "Riesenbeitrag", den Kohl für die Wiedervereinigung Deutschlands und damit auch der Wiedervereinigung Europas geleistet habe, begründet.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kritisierte den Nominierungsvorschlag des Kommissionspräsidenten. Ihm persönlich fehle der aktuelle Bezug, denn schließlich habe Kohl im Rahmen der Parteispendenaffäre innenpolitisch zuletzt eher "Unfrieden gestiftet". "Aber international hat er sicher einige Verdienste."

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagte der Grünen-Politiker, dass er sich eher über eine Nominierung der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial" freuen würde, die sich seit Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte in Russland einsetzt.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nannte Barrosos Idee dagegen "ausgezeichnet". Kohls Verdienste um die deutsche Einheit und die Europäische Union würden "in der ganzen Welt als herausragend anerkannt und gewürdigt". Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer betonte, Kohl habe "den Preis verdient". Der Alt-Kanzler habe einen großen Beitrag zur europäischen Einigung geleistet, argumentierte er.

SPD hält sich bedeckt

Für die SPD ist die eventuelle Nominierung Kohls bislang kein Thema. "Bis es wirklich so weit ist, kann noch viel passieren", sagte ein Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Und auch bei den Linken will man sich nicht wirklich mit der Nominierung Kohls beschäftigen. Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE, verbindet ganz andere Assoziationen mit dem renommiertesten Preisder Welt: "Bei den Stichworten Friedensnobelpreis und Kanzler fällt mir immer nur Willy Brandt ein, der sich von seinem Widerstand gegen das Nazi-Regime bis hin zu seiner Ostpolitik immer für den Frieden der Völker eingesetzt hat."

Willy Brandt ist bisher der einzige deutsche Bundeskanzler, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Im Jahr 1971 erhielt er die Auszeichnung für seine Ostpolitik. Auch Kohls Amts-Nachfolger Gerhard Schröder wurde wegen seiner strikten Ablehnung des Irak-Kriegs schon für den Friedensnobelpreis nominiert, bekommen hat er ihn aber nicht.

Noch ist unklar, ob die Nominierung überhaupt für dieses Jahr gilt. Die Frist ist bereits am 1. Februar abgelaufen. Kohl würde also wenn überhaupt den Preis erst im Jahre 2008 bekommen.

Für den diesjährigen Preis wurde unter anderem der frühere US-Vizepräsident Al Gore wegen seines Einsatzes gegen die drohende Klimakatastrophe nominiert. Weitere aussichtsreiche Kandidaten sind die im US-Exil lebende chinesische Menschenrechtlerin Rebya Kadeer und der finnische Ex-Präsident Martti Ahtisaari, der für seine Arbeit als internationaler Friedensvermittler honoriert werden soll. Mit dabei sind auch wieder der irische Rocksänger Bono und sein britischer Kollege Bob Geldorf. Für ihren Einsatz zur Entschuldung von Ländern der Dritten Welt wurden sie bereits mehrfach nominiert.

Traditionell wird der Nobelpreis am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Bekanntgegeben werden die Preisträger aber bereits Anfang bis Mitte Oktober. Im letzten Jahr war der Bankier Mohammed Yunus aus Bangladesch für seine Mikrokredite an arme Menschen ausgezeichnet worden. Die deutschen Preisträger neben Brandt waren Gustav Stresemann, Ludwig Quidde, Carl von Ossietzky und Albert Schweitzer.

mit Material von ddp



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